Die Lücke mit links geschlossen
Der Italiener Cristian Molinaro ist ein Gewinn für den VfB Stuttgart - Entscheidung über die Zukunft fällt bis zum Saisonende
Stuttgart - Gelegentlich schlendert Cristian Molinaro die Stuttgarter Königsstraße entlang. Abwechslung tut gut. In seinem Hotelzimmer fällt ihm gelegentlich die Decke auf den Kopf. Seine Familie, seine Freunde und seine Freundin Roberta vermisst der 26-jährige Abwehrspieler des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart sehr. Nicht nur deshalb ist es ungewiss, ob der Italiener in Stuttgart bleiben wird. Die Schwaben haben Molinaro im Winter geholt und bis Saisonende von Juventus Turin ausgeliehen, wo er einen Vertrag bis 2013 besitzt. Entscheiden wird schließlich Molinaro selbst. „Mir gefällt es sehr gut hier. Ich werde meine Zukunft davon abhängig machen, wie die nächsten Monate verlaufen.“
Seine Freundin Roberta, die derzeit mit Prüfungen im Fach Sozialarbeit beschäftigt ist, wird auch ein gewichtiges Wörtchen mitreden. „Unser Lebensplan sieht vor, dass wir zusammenbleiben“, sagt Molinaro und fügt hinzu: „Roberta war bisher immer mit meinen Entscheidungen einverstanden, was meine Karriere anbelangt.“
„Spielintelligent und mutig“
Wie die Personalplanungen des VfB Stuttgart aussehen, weiß Molinaro nicht. Denn bisher, so der Abwehrspieler, habe er noch kein Signal der Stuttgarter erhalten. Das wird sicher noch kommen, denn sportlich ist Molinaro eindeutig ein Gewinn für die Schwaben. Nach kurzer Eingewöhnungszeit hat er die Lücke auf der linken Abwehrseite geschlossen und in der ehemaligen Problemzone des VfB-Gefüges neue Akzente gesetzt. Der Italiener ist in der Defensive stabil und im Spiel nach vorne wesentlich effizienter als sein Vorgänger Ludovic Magnin oder Arthur Boka. Zusammen mit Alexander Hleb, den Molinaro als „absoluten Überflieger“ bezeichnet, stellt er die gegnerischen Abwehrreihen vor etliche Probleme. „Er ist spielintelligent und mutig“, urteilt VfB-Trainer Christian Gross, „er kann gut auf seine Mitspieler eingehen.“
Seine Anpassungsfähigkeit und seine offene Art haben Molinaro im Januar geholfen, schnell Fuß zu fassen. „Ich war zunächst sehr aufgeregt. Das war ein Abenteuer für mich - ein fremdes Land, eine neue Liga. Das ist sicher eine große Lebenserfahrung. Die Mannschaft hat mir die Integration sehr leicht gemacht“, sagt er. Auch mit der deutschen Küche hat er sich mittlerweile angefreundet. Schwäbischen Kartoffelsalat gönnt er sich öfter, zum Frühstück genehmigt er sich eine Brezel mit Erdbeermarmelade.
Drei Mal pro Woche paukt er Deutsch. Seine Sprachlehrerin Maria Caldarelli, hauptberuflich Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Sportrecht, versucht, ihn schnell sprachlich fit zu machen. „Ich will am Saisonende eine oder zwei Fragen auf Deutsch beantworten können“, sagt Molinaro. Auf dem Fußballplatz ist Deutsch die „Amtssprache“. Diesbezüglich hat sich der Italiener schnell das notwendige Vokabular angeeignet.
Bis Saisonende will Molinaro mit dem VfB weiter in der Erfolgsspur bleiben. „Die oberste Priorität hat der Klassenverbleib“, übernimmt er diplomatisch die Wortwahl von Gross und verweist darauf, „dass man nicht vergessen darf, auf welchem Tabellenplatz wir uns vor kurzem noch befunden haben“.
Gross mit Zuckerbrot und Peitsche
Über seinen Trainer (italienisch: Mister) spricht er sehr respektvoll. „Gross hat den Spielern ihre Fähigkeiten bewusst gemacht und er kann eine Mannschaft gut lenken“, sagt der 26-Jährige und bemerkt zu Gross ' Trainingsmethode: „Wir arbeiten sehr hart. Der Trainer verwendet Zuckerbrot und Peitsche. Er versteht es, diesbezüglich ein Gleichgewicht herzustellen.“
Wenn Molinaro nicht Deutsch lernt oder durch die Königsstraße spaziert, nimmt er gerne die Gitarre zur Hand, die ihm Maria Caldarelli ausgeliehen hat. Adriano Celentano gehört dabei weniger zu seinem Repertoire. „Ich stehe auf modernere Musik“, sagt der Abwehrspieler. Auf die Frage, was er denn singen würde, wenn der VfB den FC Barcelona aus der Champions League kicken würde, sagt er verschmitzt: „Don ' t stop us now, eine Abwandlung des Songs der Gruppe Queen.“
Ob er am Saisonende die schwäbische Weise „Muss i denn zum Städtele hinaus“ auf der Gitarre interpretiert, weiß Molinaro selbst noch nicht.



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