Großes Kino mit Diego
München - Diego Maradona nutzte den Kinosaal-ähnlichen Presseraum in der Münchner Allianz-Arena zur großen Bühne. Mit einem breiten Grinsen setzte sich der argentinische Nationaltrainer und meinte süffisant: „Auch wenn es der argentinischen Presse nicht passt, wir werden eine gute WM spielen. Das ist die Mannschaft, die nach 24 Jahren wieder Weltmeister werden kann.“
Maradona war in seinem Element. Er empfand tiefste Genugtuung. Schließlich war er im eigenen Land nach der mühsamen WM-Qualifikation heftig kritisiert und nach seinem verbalen Ausraster gegenüber der Presse vor einigen Wochen von der FIFA gesperrt worden.
In München strahlte er mit seinen Ohrringen um die Wette und hob an zur großen Lobesarie auf seine Mannschaft. Zwischendurch schob er mit einer abfälligen Handbewegung und einer Grimasse die für ihn bereitgestellte Wasserflasche zur Seite. Es schmeckte ihm nicht. Der beflissene Pressesprecher des argentinischen Verbandes tauschte das Getränk umgehend aus.
Gott sei dank ein Argentinier
Großes Kino gab es schon vor dem Spiel im Stadion, als Maradona seine eigenen Tore, die auf der Videoleinwand gezeigt wurden, gestenreich kommentierte. Als er in der ersten Hälfte den ins Seitenaus gekullerten Ball zurückkickte, erntete er mehr Beifall von den argentinischen Fans als seine Mannschaft.
Auf der Pressekonferenz erklärte er ausführlich, warum die Argentinier so gut gespielt haben. DFB-Pressesprecher Harald Stenger wurde immer nervöser, weil nach Maradona noch Bundestrainer Joachim Löw erwartet wurde. „Lassen sie mich erst einmal zu Ende sprechen“, verbat sich der 49-Jährige jegliche Unterbrechung. Die argentinischen Journalisten hörten gerne zu. Als Maradona über Lionel Messi sagte, er danke Gott, dass dieser Argentinier ist, antwortete einer: „Wir danken Gott, dass du ein Argentinier ist.“ Großer Beifall brandete auf.
Es wäre zu einfach, Maradonas Verpflichtung zum Nationaltrainer nach dessen Eskapaden und Skandalen als Resozialisierungsmaßnahme durch den argentinischen Verband zu werten. Maradona ist für die Argentinier ein „Fußball-Gott“ - oder zumindest dessen Hand.



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