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LäNDERSPIEL DEUTSCHLAND - ARGENTINIEN

Abschied aus dem Kreis der WM-Favoriten

Das DFB-Team offenbart gegen Argentinien erschreckende Schwächen - Löw sieht keinen Grund zur Panik

  Ein Bild mit Symbolcharakter: Der deutsche Stürmer Thomas Müller am Boden - Argentiniens Trainer Diego Maradona obenauf.Foto: dpa
 

Ein Bild mit Symbolcharakter: Der deutsche Stürmer Thomas Müller am Boden - Argentiniens Trainer Diego Maradona obenauf. Foto: dpa

 

München - Es war ein Offenbarungseid. Im letzten Testspiel vor der Nominierung des WM-Kaders präsentierte sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beim 0:1 gegen Argentinien in München in erschreckender Form. Gegen die in allen Belangen überlegenen Südamerikaner wirkte das DFB-Team mut- und ideenlos. Eigentlich müssten die Alarmglocken klingeln, doch Joachim Löw sieht keinen Grund zur Panik. Der Bundestrainer räumt aber ein, dass es „die eine oder andere Baustelle gibt“.

Von Hannes Kern

Löw und sein argentinischer Kollege Diego Maradona standen zehn Meter voneinander entfernt an der Auslinie und verfolgten das Geschehen auf dem Rasen. Während Maradona selbstzufrieden die respektable Vorstellung der „Gauchos“ betrachtete, hätte der Bundestrainer einen ganzen Notizblock vollschreiben können mit Dingen, die im Hinblick auf die WM in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) Sorgen bereiten müssen. Es begann beim Patzer des gerade erst zur Nummer eins im deutschen Tor erkorenen Rene Adler, der zum spielentscheidenden Gegentreffer führte. Es setzte sich fort in der Abwehr, die nicht immer sattelfest war, über das ideenlose Mittelfeld bis zum harmlosen Angriff. Die Ausnahme war Cacau, der nach seiner Einwechslung wenigstens einen Hauch von Torgefahr entwickelte. Der Stuttgarter war der einzige Gewinner des kühlen Abends in München. „Im WM-Turnier wären wir mit so einem Ergebnis ausgeschieden“, bemerkte Kapitän Michael Ballack trocken. Größtes Sorgenkind ist das Mittelfeld. Ballack war mit Defensivaufgaben ausgefüllt, Bastian Schweinsteiger überfordert und außer Form. Mesut Özil fand so gut wie gar nicht statt, Debütant Thomas Müller tauchte unter, Lukas Podolski spielte mehr schlecht als recht mit. Löw wird sich unter anderem die Frage stellen müssen, ob das 4-2-3-1-System der Weisheit letzter Schluss ist oder ob eine Spielweise mit zwei Stürmern nicht effektiver wäre. Der Ein-Mann-Sturm Miroslav Klose mühte sich redlich, aber vergeblich, erhielt aber auch keinerlei verwertbare Bälle aus dem Mittelfeld. Gerade die Spieler, die ihren Platz im WM-Kader sicher zu haben scheinen, schwächelten erschreckend, einschließlich Philipp Lahm.Die Frage nach der ernüchternden Vorstellung gegen Argentinien ist: Wie ist sie zu bewerten und welche Schlüsse sind daraus zu ziehen? Vor vier Jahren nach dem 1:4 in Italien herrschte Untergangsstimmung vor der WM im eigenen Land, die sich spätestens bis zum Turnierbeginn ins Gegenteil verwandelte. Von Katerstimmung will der Bundestrainer deshalb nichts wissen

„Wir werden eine gute WM spielen“

Löw verschwieg die Schwächen nicht, wollte sie aber auch nicht überbewerten. „Wir haben nicht genug Mut gehabt, mit vollem Tempo nach vorne zu spielen und haben uns in den Zweikämpfen nicht entscheidend durchgesetzt“, räumte er ein. „In der Abstimmung gibt es in jedem Mannschaftsteil etwas zu verbessern.“

Der 50-Jährige macht trotz der zahlreichen Baustellen nach wie vor in Optimismus und erklärte: „Wir werden eine gute WM spielen - ganz klar.“ Allerdings bleibt nicht mehr allzu viel Zeit, die Defizite zu beseitigen. Der Bundestrainer setzt auf die unmittelbare WM-Vorbereitung ab Mitte Mai nach der Nominierung des 35-Mann-Kaders, der am 5. Juni auf 23 Spieler reduziert wird: „Wenn wir vier Wochen zusammen sind, können wir konsequent an diesen Dingen arbeiten.“ Dass dies nicht in allen Bereichen einfach wird, weiß Löw. Er forderte beispielsweise von seinen größten Pflegefällen wie Podolski und Klose verstärkte Anstrengungen: „Sie müssen enorm hochtourig, hochintensiv trainieren, jede Möglichkeit nutzen.“ Andererseits sprach er den beiden erneut sein Vertrauen aus. „Ich weiß, was die beiden können und bin nach wie vor von ihnen überzeugt.“

Die Partie gegen Argentinien hat im Hinblick auf Südafrika zwar nur bedingte Aussagekraft, machte jedoch die vielen Schwachstellen deutlich. „So werden wir sicherlich nicht viele Chancen haben bei der WM, aber wir haben noch genügend Zeit“, sieht auch Stürmer Mario Gomez keinen Grund zur Panik. Wenn das 0:1 etwas Gutes hatte, dann die Tatsache, dass das DFB-Team sich für Erste aus dem Kreis der WM-Favoriten verabschiedet hat.

 

Artikel vom 05.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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