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Neuhausen ist endlich am Ziel seiner Träume

Filder-Handballer gewinnen das Finale gegen den Seriensieger Deizisau mit 18:13 - Hochklassiger Sport in proppenvoller Halle

  Entschlossen beim Torwurf: Der Neuhausener Georgios Chatzigietim (rechts) setzt sich gegen den Deizisauer Alexander Wahl durch.
 

Entschlossen beim Torwurf: Der Neuhausener Georgios Chatzigietim (rechts) setzt sich gegen den Deizisauer Alexander Wahl durch.

 

Esslingen - Es war ein historischer Tag beim EZ-Handball-Pokal. Seriensieger TSV Deizisau wurde entthront, und der TSV Neuhausen gewann zum ersten Mal die begehrte Trophäe und 750 Euro Preisgeld. „Endlich“, jubelte Neuhausens Spieler Markus Fuchs nach dem 18:13-Finalerfolg im Duell der beiden Regionalligisten, „wir haben schon fast nicht mehr daran geglaubt.“

10 Mal hatte Deizisau zuvor bei 15 EZ-Pokal-Turnieren triumphiert und im vergangenen Jahr den Wanderpokal nach drei Siegen in Folge für immer in seinen Trophäenschrank gestellt. Es schien, als würde sich der Spruch des englischen Fußballers Gary Lineker in abgewandelter Form bewahrheiten nach dem Motto: „Der EZ-Handball-Pokal ist ein einfaches Spiel: 14 Männer jagen 30 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen die Deizisauer.“ Dieser Spruch hat keine Gültigkeit mehr, die Serie ist durchbrochen.Die Neuhausener schienen beim EZ-Pokal schon eine mentale Blockade aufgebaut zu haben. „Doch wir haben uns gesagt, dieses Mal sind wir dran“, erklärte Fuchs nach der 16. Auflage des Traditionsturniers, das von Toto-Lotto und Göppinger Mineralwasser unterstützt wird. Stolz nahm Fuchs den nagelneuen Wanderpokal in seine Obhut und strahlte mit den Blitzlichtern der Fotografen um die Wette.Deizisaus Trainer Steffen Rost nahm die Niederlage gelassen. „Das ist nicht dramatisch. Der zweite Platz ist auch in Ordnung. Ich bin sehr zufrieden. Wichtig für uns war, dass wir das Punktspiel am Dienstag bei der HG Oftersheim/Schwetzingen gewonnen haben.“ Die Deizisauer durften sich mit 500 Euro Preisgeld trösten. Platz drei und 300 Euro gewann Württembergligist TV Plochingen, für den Vierten TSV Wolfschlugen blieben 200 Euro. Der vom Handball-Bezirk ausgelobte Preis in Höhe von 200 Euro für die beste Mannschaft unterhalb der Landesliga ging an den TSV Denkendorf.

Die „Kleinen“ kommen näher

Die 16. Auflage des EZ-Pokals, die von der HSG Ostfildern in bester Manier ausgerichtet wurde, war nicht nur wegen des Neuhausener Triumphes eine besondere. Die Zuschauer strömten an den drei Turniertagen erneut in Scharen in die Neckarsporthalle, am Ende dürften es insgesamt 4000 Handballfans gewesen sein. Die wurden besonders am Finaltag für ihr Kommen durch hochklassigen und spannenden Sport entlohnt. Neuhausen und Deizisau haben zwar ihre Vormachtstellung behauptet, doch die Württembergligisten haben aufgeholt und ihnen das Leben mehr als schwer gemacht. In den Halbfinals standen beide gegen Plochingen beziehungsweise Wolfschlugen knapp vor dem Aus. In hochdramatischen Spielen, die den Reiz des Handballs in allen Facetten offenbarten, behaupteten sich die Regionalligisten dank ihrer größeren Cleverness.

Im Finale wurde schnell ersichtlich, dass sich Neuhausen im Duell mit dem Ligakonkurrenten etwas vorgenommen hatte. Hochmotiviert und mit einer starken körperlichen Präsenz gingen die Filder-Handballer zur Sache. Die Deizisauer waren allerdings nicht gewillt, trotz des hohen Kräfteverschleißes nachzugeben. Es entwickelte sich ein ansprechendes und kampfbetontes Endspiel mit so manchem psychologischen Scharmützel. Es blieb jedoch immer fair.

Neuhausen ging schnell mit 3:1 in Führung, und Torwart Julian Blechinger setzte mit einem parierten Siebenmeter ein erstes Ausrufezeichen. Neuhausen führte mit 4:1, doch Deizisau wäre nicht Deizisau, wenn es nicht bis zur letzten Sekunde kämpfen würde. Kurz vor der Pause verkürzte Dennis Prinz auf 7:8 - alles war noch offen.

Die entscheidende Phase der Partie spielte sich Mitte der zweiten Hälfte ab, als Neuhausen eine 13:10-Führung herausarbeitete. Drei Minuten vor Schluss vergrößerte das Filder-Team den Vorsprung sogar auf 16:11. „Neuhausen war durchsetzungsfähiger und frischer. Wir waren mental nicht mehr stark genug“, sprach Rost von einem verdienten Sieg des Gegners.

Neuhausens Coach Markus Locher war nach dem ersten EZ-Pokal-Triumph überglücklich. „Das ist eine tolle Sache und extrem wichtig für die Spieler, auch im Hinblick auf den weiteren Saisonverlauf.“ Vor allem hat Locher nach den jüngsten Auswärtsmiseren in der Regionalliga und den ewigen Tiefschlägen beim EZ-Pokal „auf der mentalen Ebene“ gearbeitet. Das hat sich schließlich ausgezahlt. „Die Spieler haben gesehen, dass man etwas ändern kann. Das gibt Kraft für die Zukunft.“

Vom EZ-Pokal berichten Hannes Kern, Andreas Müller, Sigor Paesler, Beate Wockenfuß, Frank Hagenauer, Michael Panzram, Kerstin Dannath, Timo Gans, Sebastian Großhans (Texte), Herbert Rudel und Holger Strehlow (Fotos).

 

Artikel vom 07.01.2010 © Eßlinger Zeitung

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