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Mit Gipsfuß im Kinderwagen ins Ziel

Beim EZ-City-Lauf tummeln sich schnelle Läufer, schnelle Moderatoren und jede Menge Exoten

 
 
 
Esslingen – Schnelle Läufer, schnelle Moderatoren, Kinder schleppende Eltern und jede Menge Exoten in phantasievollen Kostümen bevölkerten den zehnten EZ-City-Lauf um den Sport- Flöß-Pokal. Dazu gesellte sich eine Frau, die als Siegerin interviewt wurde, obwohl sie gar keine war. Der EZ-City-Lauf ist mehr als nur eine Lauf-Veranstaltung.

Gelb: Gelb war die beherrschende Farbe in der Esslinger Altstadt. Nicht nur die 225 ehrenamtlichen Helfer der TSG Esslingen liefen in knallgelben T-Shirts herum, sondern auch viele Läufer. Auf den meisten Shirts war der Schriftzug von „Running for Kids“ zu sehen. Doch nicht alle gehörten auch zu den rennenden Kindern – an einem Stand wurden neben „Laugenläufern“ vom Backhaus Zoller gelbe Laufshirts von „Running for Kids“ verkauft, beides für gute Zwecke. Und viele Läufer behielten die Hemdchen eben gleich an.

Begeistert: Zehnter EZ-City- Lauf, zehnter EZ-City-Lauf für Jürgen Zieger. „Als Oberbürgermeister bin ich hoch zufrieden. Durch die Bürgerschaft zu laufen, macht immer Spaß“, sagte er. Allerdings hat er das schon schneller getan: „Es war meine schlechteste Zeit, das lag an der Vorbereitung“, meinte Zieger, lächelte aber dennoch: „Das ist schon okay.“ 47:26 Minuten und Platz 246 sind wirklich nicht schlecht. Moderator Martin Pfeffer sah das laufende Stadtoberhaupt dagegen ganz vorne. Aber nicht, weil er als Schirmherr mit der Nummer 1 gestartet war. „Da kommt der Sieger“, rief der Radiomann mit sich überschlagender Stimme – Pfeffer hatte lediglich seinen Souffleur falsch verstanden: „Da kommt OB Zieger“, hatte der ihm geflüstert. Unter den begeisterten Mitläufern war auch der neue EST-Geschäftsführer Wolfram Schottler. Er kam als 759. in 54:32 Minuten ins Ziel.

Laut: Die vielen, vielen Zuschauer an der Strecke feuerten die vielen, vielen Läufer lautstark an. Aber nicht nur mit den Händen. Eine große Gruppe von Kindern, die selbst beim Bambini- oder Schülerlauf teilgenommen hatten, machte mit Trillerpfeifen gehörig Lärm. Die kleinen Dinger waren sozusagen die Vuvuzelas des EZ-City-Laufes.

Weltmeisterlich: Traditionell waren beim Schülerlauf wieder zahlreiche Menschen mit Behinderung am Start. Mit voller Begeisterung gingen Mitglieder der Lebenshilfe Esslingen, der Diakonie Stetten, der Rohräckerschule und der Werkstätten Esslingen auf die 2,5 Kilometer lange Strecke. Die Läuferinnen und Läufer wurden allesamt bei ihrem Zieleinlauf von den Zuschauern mit viel Beifall bedacht und feierten ihre sportliche Leistung wie die Weltmeister.

Geschoben: Laura Säggir hatte sich frühzeitig zum Bambinilauf angemeldet, hatte gut trainiert und sich viel vorgenommen. Und dann das: Im Kindergarten brach sich die Siebenjährige das Bein – aus der Traum. Aus der Traum? Nicht ganz. Sie holte ihre Startnummer 3103 ab, setzte sich mit Gipsfuß in einen Kinderwagen und ließ sich von ihrem Vater über die 400 Meter lange Strecke schieben. „Es war toll“, sagte sie im Ziel, schaute aber trotzdem etwas gequält drein. Papa stand leicht schwitzend daneben und lächelte.

Verwechselt: Erst vier Männer waren ins Ziel gekommen, da lief bereits die erste Frau über die Linie und freute sich über ihre Leistung. Irene Sauter schaute glücklich, wurde als Siegerin fotografiert und interviewt – bis sie erzählte, dass sie eigentlich nur eine Runde hatte laufen wollen. „Dann war es so lustig, weil überall Leute standen. Da bin ich einfach noch eine weitere Runde gelaufen“, sagte Sauter, die für den katholischen Jugendtreff Esslingen an den Start ging. Zwei Runden waren zwar nur die Hälfte der Strecke und Irene Sauter wurde nachträglich disqualifiziert – Spaß gemacht hat ihr der EZ-City-Lauf aber trotzdem.

Schnell: Rafael Treite, der zusammen mit Radio 107.7-Mann Martin Pfeffer die Veranstaltung moderierte und die Zuschauer mit wichtigen Informationen versorgte, sprang von seinem Moderatoren- Wagen, absolvierte die zehn Kilometer beim Hauptlauf, belegte Rang 13 in 38:28 Minuten und saß kurz darauf – kaum außer Atem – wieder am Mikrophon. „Es ist verdammt heiß da draußen“, meinte der laufende Moderator. Das war noch nicht alles. Um 14 Uhr sprintete Treite kurz zum Bürgerfest, um dort zu moderieren, um anschließend auch bei der Siegerehrung de EZ-City-Laufs wieder das Mikrophon in die Hand zu nehmen. Treite – der Marathonmann

Schleppend: Bei den Bambiniläufen leisteten manche Eltern Schwerstarbeit. Viele absolvierten die 400 Meter lange Strecke mit einem Sprössling an der Hand. Es gab auch Mütter und Väter mit zwei Kindern links und rechts an der Hand. Die Goldmedaille in der Disziplin Kinderschleppen verdiente sich jedoch eine Mutter mit drei Kindern. Eines trug sie auf dem Arm, eines an der Hand, und das dritte hing irgendwie an der Mutter dran.

Kostümiert: Obwohl bei dem schwülen Wetter jeder Läufer darauf bedacht war, so wenig Textilien wie nur möglich an sich zu haben, liefen einige Exoten in phantasievollen Kostümen durch die Esslinger Innenstadt. Einer trug ein Huhn auf dem Kopf, einer einen Wikinger- Helm. Besonders ins Schwitzen dürfte ein Läufer im Superman- Outfit gekommen sein und eine Frau, die die zehn Kilometer mit einer Duschgel-Attrappe absolvierte. Außerdem zu sehen war eine Frau mit Schwimmflügel, obwohl der große Regen schon längst vorbei war und ein Läufer, der mit drei Bällen jonglierte und nebenher lief – unfallfrei.

Reisefreudig: Thomas Letsch, ehemaliger Oberligaspieler beim TSVW Esslingen, danach Trainer bei den Stuttgarter Kickers II und zuletzt bei Oberligameister SG Sonnenhof Großaspach als Coach tätig, ließ es sich nicht nehmen, an den Start zu gehen. Letsch musste im vergangenen Jahr nach einem Faustschlag bei Tumulten nach einem Spiel die Milz entfernt werden. „Ich habe keine gesundheitlichen Einschränkungen“, erklärte Letsch, der im August mit seiner Familie nach Lissabon zieht, wo er als Lehrer arbeiten wird. Mal sehen, wie lange er es ohne Fußball aushält.

Gefilmt: Markus Kleber und zwei Mitarbeiter nahmen das gesamte Geschehen auf Video auf. Wobei der Einsatz nicht von Pappe war. Ein Video-Mann kletterte auf einen Tennis-Schiedsrichterstuhl. „Ich hoffe, er hält“, meinte Kleber. Die DVD mit den Aufnahmen können bei ez-online.de bestellt werden.

 

Artikel vom 06.07.2009 © Eßlinger Zeitung

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