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Zwischen Atom-Ei und Kochtopf

Vor 100 Jahren wurde der Esslinger Kernphysiker Heinz Maier-Leibnitz geboren

Heinz Maier-Leibnitz mit seinen Schwestern Susanne und Magdalena bei einem Spaziergang am Neckar.Foto: Stadtarchiv Esslingen
 

Heinz Maier-Leibnitz mit seinen Schwestern Susanne und Magdalena bei einem Spaziergang am Neckar. Foto: Stadtarchiv Esslingen

 

Von Gudrun Silberzahn-Jandt

Schräg gegenüber dem alten Esslinger Rathaus, im Gebäude Marktplatz 25, wurde Heinz Maier-Leibnitz, der spätere Physiker, Professor, mehrfache Ehrendoktor und langjährige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, am 28. März 1911 geboren. In Wissenschaftskreisen, vor allem bei den Natur- und Ingenieurswissenschaften, ist er hoch geehrt und überaus populär, in seiner Heimatstadt jedoch ist seine Person weniger bekannt. Seine Eltern Hermann Maier und Marianne Leibnitz stammten aus Schorndorf. Der Großvater der väterlichen Seite war Stadtbaumeister, der mütterlicherseits Forstmeister. Die Familie Leibnitz gehörte bereits seit Generationen zum angesehenen gehobenen Bürgertum. Die Maiers hingegen hatten den Aufstieg von einer Zimmermannsfamilie zu der nun anerkannten gesellschaftlichen Position durch Fleiß und Bildung erlangt. Die ein halbes Jahr nach der Heirat vorgenommene Namensänderung von dem einfachen Namen Maier zu Maier-Leibnitz symbolisiert die Verbindung von aufstrebendem und etabliertem Bürgertum und demonstriert damit den gesellschaftlichen Aufstieg.Hermann Maier-Leibnitz hatte kurz nach seiner Vermählung von den Württembergischen Staatseisenbahnen zur Maschinenfabrik Esslingen gewechselt. 1914 erhielt er bei der Maschinenfabrik Esslingen die Prokura, promovierte 1917 an der Universität Stuttgart und wurde zwei Jahre später an die Technische Hochschule Stuttgart berufen. Mit erst 34 Jahren hatte er die Professur für Statik des Eisenbaus und Industriebaus inne, was in der Chronik der Stadt Esslingen einen Eintrag wert war.

Zwei Umzüge der jungen Familie folgten kurz aufeinander. Vom Marktplatz aus ging es zur Burgsteige 1, dem Kaisheimer Pfleghof, wo 1913 Heinz‘ Schwester Susanne zur Welt kam. Zwei Jahre später bezog die nun vierköpfige Familie in der Deffnerstraße am Hammerkanal die Belle Etage einer von Friedrich Schäffler erbauten Gründerzeitvilla. Dort wurde 1916 die jüngste Schwester Magdalena geboren.

Weltoffenheit im Ferienhaus

Im Haus der Familie Maier-Leibnitz herrschte Strenge und Disziplin. Während die Mutter die Sanftere war, galt der Vater als aufbrausend und bestimmend, manchmal gar auch jähzornig. Heinz scheute die Auseinandersetzung mit seinem Vater nicht: „Als Sechzehnjähriger habe ich dann keine gemeinsame Mahlzeit mehr durchgestanden; meistens flog ich schon beim ersten Gang hinaus“, erzählte er in seiner Biografie, die die Wissenschaftsjournalistin Anne-Lydia Edingshaus verfasste. Widerspruch duldete der Vater nicht, Schläge und Stockhiebe gehörten zum Erziehungsstil, führten aber stets zu weiteren Auseinandersetzungen und erneutem Kräftemessen.

Freiheit statt Zucht und Strenge erlebte Heinz stets in den Urlauben in der Schweiz. In Arosa besaß der Vater gemeinsam mit seinem Bruder Reinhold ein geräumiges Ferienhaus. Vettern und Cousinen trafen sich hier regelmäßig. Oft war nur ein Dienstmädchen als einzige erwachsene Person für die Jugendlichen zuständig. Es wurden Ausflüge - im Sommer Bergtouren, im Winter Skitouren - unternommen. Bei hartnäckigen Infekten durften die Kinder auch länger in Arosa verweilen, um sich mittels besonderer Diät, Ruhe und Bergluft zu kurieren.

Durch die universitären Kontakte des Vaters entwickelte sich das Ferienhaus zu einem Treffpunkt berühmter Ingenieure und Physiker mit ihren Familien. Zu Gast waren beispielsweise der dänische Atomphysiker Niels Bohr, der Nobelpreisträger des Jahres 1925 James Franck und der deutsch-amerikanische Mathematiker Richard Courant, der ein Standardverfahren zur Lösung von Differenzialgleichungen entwickelt hatte. Arosa war der Ort, in dem Heinz Maier-Leibnitz Liberalität, Weltoffenheit, Freude am Diskutieren und Disputieren erlebte und genoss.

Strenge und Disziplin hingegen waren im Esslinger Elternhaus beheimatet. Zur Strenge des Vaters gehörte im produktiven - fördernden und fordernden - Sinn der hohe Bildungsanspruch an alle Kinder, egal ob Junge oder Mädchen. Selbstverständlich besuchten alle drei das Gymnasium. Dass diese Schulbildung auch für Susanne und Magdalena angestrebt wurde, lag an der besonderen Förderung durch ihre Mutter. Denn Marianne Maier-Leibnitz hatte selber zu den frühen Abiturientinnen des Stuttgarter Mädchengymnasiums gehört.

Geschicklichkeit und Redetalent

Während die Mädchen das Klavierspiel übten, war Heinz eher für die Arbeiten im Gütle mit seinen über 70 Obstbäumen zuständig. Das Schneiden der Bäume war Männersache. Heinz‘ besonderes Talent und Interesse an naturwissenschaftlichen Phänomenen förderte Vater Hermann, indem er dem Sohn eine kleine Werkstatt im Keller einrichtete. Dort durfte Heinz schreinern und experimentieren. Er nahm an der Berufsschule für Schreiner an einem Lehrgang teil und fertigte anschließend kleinere hölzerne Schatullen. Sein im Keller fabriziertes Windrad verstaubte jedoch dort und kam nicht im Garten zum Einsatz. Das nächste größere Projekt war ein Teleskop. Heinz Maier-Leibnitz baute exakt nach den Vorgaben des Buches von Adolf Miethe „Die Selbstherstellung eines Spiegelteleskops“. Dabei stellte er den Spiegel präzise nach Anleitung her, schliff das Glas und versilberte es, die mechanischen Teile fertigte er zum Teil aus Holz und sägte fein minutiös kleinste Zahnräder zurecht. Das Teleskop richtete er dann in einer Achse parallel zur Erdachse aus. Der erste aufkeimende Berufswunsch, Astronomie zu studieren, fand beim bodenständigen Vater keine Zustimmung und wurde dann auch nicht weiter verfolgt.

Heinz besuchte in Esslingen das Gymnasium, das heutige Georgii-Gymnasium, und meisterte die Schule mit Leichtigkeit. Klassenprimus war er jedoch ein Jahr vor dem ­Abitur nicht, sondern er war der Zweitbeste. In den Beurteilungen zum häuslichen Fleiß, dem Verhalten und der Aufmerksamkeit erhielt er lediglich die Note „gut“. Seine Begabung hingegen wurde mit der höchsten Note bewertet.

Die erste und auch einzige, jedoch sehr frühe, offizielle Ehrung, die Heinz Maier-Leibnitz in Esslingen erhielt, war die, die Abiturrede bei der Abschlussfeier im März 1929 halten zu dürfen. Das Thema war gleichlautend mit dem seines brillanten Abituraufsatzes und hieß: „Über den neuen Baustil“. Heinz Maier-Leibnitz setzte sich darin mit den neuen Bauten in Stuttgart, der Weißenhofsiedlung, aber auch den Ingenieurs- und Stahlbetonbauten auseinander. Neben dem Lob auf Technik, auf neue Materialien wie Beton und Stahl sowie auf die Ingenieurskunst entwickelte er die These, dass Ingenieure in Zukunft wohl die Rolle der Architekten übernähmen.

Neuer sozialer Baustil

Da er den Baustil auch „als Ausdruck für die Weltanschauung“ betrachtete, formulierte er hoffnungsvoll: „Wir haben heute die großen sozialen Bewegungen, die eine Annäherung der verschiedenen Volksschichten und Schaffung ähnlicher Lebensbedingungen für alle erstreben. Davon hat der neue Baustil einiges verwirklicht. Er will für alle Bauten gelten, vom Wolkenkratzer herab bis zum Arbeiterhaus. Er ist kein Stil mehr, der ein Viertel der Stadt in strahlende Pracht erhebt, während ein anderes in baufälligen Häusern das Elend beherbergt.“ Und fast euphorisch kommt er zum Schluss: „Der neue Baustil hat hier, unabhängig vom Hader der Parteien, einen Teil des sozialen Problems gelöst in einer Weise, die nicht angefochten werden kann. Die Einfachheit und Sachlichkeit des neuen Baustils ist es, die diese Lösung möglich gemacht hat.“

Dieses Thema war für ihn wie zugeschnitten, beschäftigte sich doch sein Vater mit den baustatischen Fragen des Bauens. Die Diskussion über die Ästhetik der modernen Architektur verband der Abiturient mit der Frage zur Schönheit technischer Produkte generell und der Verbindung von Zweck, Form und Design.

Studium in Stuttgart und Göttingen

Vor dem Studium der Technischen Physik musste Maier-Leibnitz noch ein sechsmonatiges Werkstattpraktikum absolvieren, was er in der Maschinenfabrik Esslingen - der Schleiferei, Modellschreinerei, Gießerei und Elektrowerkstatt - tat. Mit vielen Erfahrungen sowie Respekt vor der Präzisions- und Knochenarbeit begann er in Stuttgart sein Studium. Zum ersten Mal musste er richtig lernen und empfand seine Leistungen eher als durchschnittlich. 1931 wechselte er an die Universität Göttingen. Viele der dortigen Professoren kannte er bereits aus deren Aufenthalten in Arosa, mit manchen pflegte die Familie gar enge Freundschaft.

Die Universität Göttingen genoss zu dieser Zeit den allerbesten Ruf im Bereich der Naturwissenschaft und speziell in der Physik. Die renommierten und engagierten Wissenschaftler kamen aus ganz Europa, viele von ihnen waren Juden und wurden nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ von ihren Ämtern enthoben. Der Atomphysiker und Lehrstuhlinhaber James Franck, bei dem Heinz Maier-Leibnitz bereits für seine Promotion forschte, reagierte prompt. In einem offenen Brief an Reichserziehungsminister Rust verkündigte er seinen Weggang und protestierte somit laut gegen die antisemitische Diskriminierung. Heinz Maier-Leibnitz war während dieser Zeit in Arosa und bekam lediglich Nachrichten von den Ereignissen. Zudem hörte er mit Sorge von den Diskussionen seines Onkels Reinhold Maier, dem liberalen Landtagsabgeordneten, Wirtschaftsminister in Württemberg sowie Reichstagsabgeordneten, über das Ermächtigungsgesetz und dessen Einschätzung der politischen Lage. Sein Onkel war mit einer Jüdin verheiratet. Doch noch ahnte niemand in diesen Kreisen von den weiteren Maßnahmen gegen Juden bis hin zu deren massenhafter Ermordung.

Um unbehelligt weiter arbeiten zu können, trat der Doktorand Maier-Leibnitz 1934 der SA bei. Heinz Maier-Leibnitz wollte bei dem bereits emigrierten James Franck promovieren, und erhielt daher von ihm ein enger begrenztes Thema über Elektronenstöße mit Helium-Gasatomen. Offizieller Gutachter dieser Arbeit war Francks Nachfolger, Professor Robert Wichard Pohl. Mit 24 Jahren erhielt Maier-Leibnitz seinen Doktortitel und bald darauf begann er mit seinen Forschungen zu Grundlagen der Kernphysik am Kaiser-Wilhelm-Institut in Heidelberg, dem heutigen Max-Planck-Institut. Die von ihm entwickelte Methode der Spektroskopie der Atomkerne gilt als experimentell-wissenschaftlicher Nachweis des Energieerhaltungsgesetzes.

Ausgeblendete Grausamkeit

In Heidelberg lernte er bei einem Krankenhausaufenthalt seine spätere Frau Rita Lepper, eine Krankenschwester, kennen, die er 1938 heiratete. Kurz nacheinander sind die drei Töchter Christine, Dorothee und Elisabeth geboren. Heinz Maier-Leibnitz war ein Mensch, der bemüht war, so wenig wie möglich dem Zufall zu überlassen, sondern die Kontrolle zu behalten. Deshalb meldete er sich gleich zu Kriegsbeginn als ­Soldat zur Wehrmacht. Zunächst war er einige Monate bei der Flugabwehr in Frankreich und wurde dann als Meteorologe auf Flugplätzen eingesetzt. Nach circa zwei Jahren konnte er an sein Forschungsinstitut zurück und habilitierte sich 1943 mit einem Thema zur Kernphysik.

Die nationalsozialistische Rassenpolitik von der Vertreibung bis hin zur Vernichtung von Menschenleben betraf nicht nur die Wissenschaftler, mit denen er gearbeitet hatte, sondern auch enge Familienmitglieder. Seine jüdische Tante floh mit Sohn und Tochter nach England, seine Schwester Magdalena, die psychisch erkrankt war, wurde aus der damaligen Privatklinik Kennenburg in die Psychiatrische Klinik Weinsberg verlegt und von dort nach wenigen Tagen in die Tötungsanstalt Hadamar verfrachtet, wo sie ermordet wurde. Über diese Grausamkeiten sprach er nur selten. In seiner Biografie sind sie ausgeblendet.

Seine Ehefrau Rita Maier-Leibnitz war die Seele der Familie und des Instituts. Das Kriegsende verbrachte die Familie getrennt. Rita Maier-Leibnitz blieb mit den Kindern in Heidelberg, Heinz Maier-Leibnitz war in Tauberbischofsheim, wohin Geräte und Chemikalien zum Schutz vor Bombardierungen ausgelagert worden waren.

Wissenschaftspreise für die Schüler

Nach Kriegsende schlossen die US-Amerikaner als Besatzungsmacht zunächst das Kaiser-Wilhelm-Institut, untersuchten sodann, wie weit die Forschung zur Atomspaltung gediehen war, und kontrollierten die weiteren Arbeiten. Gleichzeitig erhielten die meisten Wissenschaftler Angebote zur Arbeit in den USA. Seine ungebändigte wissenschaftliche Neugier, die Offenheit für Neues und auch die Chancen, in Amerika zu forschen, waren Heinz Maier-Leibnitz die maßgeblichen Motive, für ein Jahr in die USA zu gehen. Dort arbeitete er zu neuen, nuklearmedizinischen Themen. Nach Heidelberg zurückgekehrt, betrieb er weiter Studien an dem Zyklotron-Teilchenbeschleuniger, durch den Kernreaktionen ausgelöst werden können. 1952 wurde er nach München an die Technische Universität berufen.

Maier-Leibnitz, der nicht nur ein außerordentlich neugieriger, experimentierfreudiger und minutiös arbeitender Forscher, sondern auch ein überaus motivierender und manchmal auch antreibender Lehrer war, fand dort hervorragende Arbeitsbedingungen vor und stritt dafür, diese zu behalten und zu verbessern. Den Bau des ersten deutschen Forschungsreaktors, der wegen seiner eindrücklichen Form unter der Bezeichnung „Garchinger Atom-Ei“ populär wurde, initiierte er. Im Jahr 1957 konnte der Reaktor und damit die wichtigste kernphysikalische Forschungsstätte in der BRD ihren Betrieb aufnehmen. Heinz Maier-Leibnitz baute das internationale Neutronenforschungszentrum „Institut Max von Laue - Paul Langevin“ in Grenoble auf und war von 1967 bis 1972 dessen Direktor.

Immer wieder trat er energisch und konsequent dafür ein, die friedliche Kernenergie zu nutzen und die militärische zu ächten. Er gehörte mit zu den 18 prominenten Natur- und Atomwissenschaftlern, darunter Nobelpreisträger, die im sogenannten Göttinger Manifest die von Kanzler Konrad Adenauer und dem noch jungen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß beabsichtigte Aufrüstung mit taktischen Atomwaffen hart verurteilten. Die Diskussionen um die friedliche und militärische Nutzung der Kernenergie sowie Fragen nach der Verantwortung von Wissenschaft bewegten Heinz Maier-Leibnitz dazu, im Alter auf die Frage „wer oder was hätten Sie sein mögen?“ der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zu antworten: „ein Sozialphilosoph in 50 Jahren“. Mit Atomkraftgegnern setzte er sich an einen Tisch, diskutierte mit ihnen und ließ die so entstandenen Streitbriefe publizieren. Er blieb aber zeit seines Lebens ein treuer Anhänger der Nutzung der Atomenergie. Trotz aller Restrisiken, die er nicht verharmloste, ausschloss oder gar gänzlich negierte, hielt er die Atomenergie für den Fortschritt der Gesellschaft für notwendig. Die Strahlenrisiken bezüglich Fragen der Endlagerung von abgebrannten Brennstäben waren jedoch in seinen Überlegungen zur Einschätzung der Technik noch kein Thema.

Offenheit und Klarheit, Zuneigung zu Menschen, wissbegierig und zugleich skeptisch zu sein, dabei sehr diszipliniert zu bleiben - all das kennzeichnet den Menschen und Forscher Maier-Leibnitz aus. Er ermunterte seine Studenten und Studentinnen stets, „alles, was vielleicht zu etwas führt“ zu verfolgen. „Was haben Sie heute Neues gemacht?“, war die Frage, mit der er sie immer wieder antrieb, aber auch interessiert förderte. Für jeden suchte er eigens Diplom- und Doktorarbeiten aus, besuchte alle in ihren Laboren und vermittelte ihnen, sich so anzustrengen, dass sie in einem Bereich, möge er auch noch so klein sein, Weltbeste würden. Einem von ihnen gelang das: Sein Doktorand Rudolf Mößbauer erhielt 32-jährig, gemeinsam mit einem in Kalifornien forschenden Kollegen, 1961 den Physiknobelpreis.

Konsequent ist das Engagement von Heinz Maier-Leibnitz bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dessen Präsident er von 1973 bis 1979 war. Auch hier setzte er sich vor allem für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein, weshalb auch der wohl wichtigste Förderpreis nach ihm benannt ist.

Seine Ehrungen sind außerordentlich zahlreich: Die Forschungs-Neutronenquelle an der Technischen Universität München ist nach ihm benannt, er erhielt allein drei Ehrendoktortitel, Ehrungen der Stadt München, Frankfurt und Garching, des Landes Bayern sowie der BRD mit dem großen Verdienstkreuz mit Stern.

Einer seiner ersten Diplomanden Paul Kienle erinnert sich an eine gemütliche Runde, bei der ehemalige Schüler von Heinz Maier-Leibnitz stolz von ihren inzwischen errungenen Wissenschaftspreisen und Ehrentiteln erzählten und er lange Zeit nur zuhörte, bis er anmerkte: „Ich habe keinen dieser Preise erhalten, aber ich habe einen, den keiner von euch hat. Nämlich den beim Skiabfahrtsrennen in Arosa, für Gäste wohlgemerkt.“

Autor eines Kochbuchs für Männer

Zu seiner Wissenschaftskultur gehörten auch politische und wissenschaftliche Diskussionen in seinem Haus, in Verbindung mit einem feinen Essen. Oft stand er dann in der Küche, während seine Frau Rita die Gäste empfing. Nachdem seine Ehefrau Rita Maier-Leibnitz 1971 verstorben war, wurde das absolut pünktliche Kochen noch wichtiger. In seinem 1980 erschienenen „Kochbuch für Füchse“ propagierte er das punkt- und minutengenaue Vorgehen, was der „Spiegel“ - auch wegen des sehr technischen Zugangs - als den „Aufstieg männlichen Denkens am Herd“ bezeichnete. Unter anderem gab der Wissenschaftler als Zeitvorgabe für ein pünktlich fertiggestelltes Menü folgende Anweisung: „12.20 Äpfel in den Ofen“, dauert wohl nur Sekunden, „12.20 gekochte Kartoffeln schneiden 12.28 Tomatensalat anmachen, 12.29 grünen Salat anmachen, um 12.30 Uhr konnte das Präsidium zum Löffel greifen“. Das Kochen inklusive der Warnung, „ja keine Turbulenzen im Kochtopf“ zu fabrizieren, blieb sein Hobby, als er 1979 die Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann heiratete. Heinz Maier-Leibnitz starb im Alter von 89 Jahren am 16. Dezember 2000 in ­Allensbach.

 

Artikel vom 26.03.2011 © Eßlinger Zeitung

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