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Viel Kampf und ein Geistesblitz

Der VfB Stuttgart gewinnt trotz Unterzahl mit 2:0 bei Eintracht Frankfurt - Delpierre sieht Rot, Ulreich hält stark

  VfB-Torwart Sven Ulreich (rechts) wird in Frankfurt zum Turm in der Brandung. Die Stuttgarter schaffen trotz 75-minütiger Unterzahl den dringend notwendigen Sieg.Foto: Rudel
 

VfB-Torwart Sven Ulreich (rechts) wird in Frankfurt zum Turm in der Brandung. Die Stuttgarter schaffen trotz 75-minütiger Unterzahl den dringend notwendigen Sieg. Foto: Rudel

 

Frankfurt - War das die Initialzündung im Kampf gegen den Abstieg? Die Bundesliga-Fußballer des VfB Stuttgart haben gestern im Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt einen wichtigen 2:0 (0:0)-Sieg erkämpft, obwohl sie 75 Minuten lang in Unterzahl spielten. Damit verkürzte der Vorletzte den Rückstand auf den Relegationsplatz auf zwei Punkte.

Von Sigor Paesler

Bevor sich die Stuttgarter nach dem Schlusspfiff den Applaus ihrer Fans abholten, umringten sie Sven Ulreich. Der Torhüter hatte nach der persönlichen Achterbahnfahrt mit der jüngsten Verbannung auf die Bank einen großen Anteil an den drei Punkten. „Sie haben mir gratuliert und gesagt, dass es mein Sieg sei“, berichtete der 22-Jährige. Und fügte artig an: „Es war aber der Sieg der ganzen Mannschaft.“ Trainer Bruno Labbadia war die Erleichterung anzumerken. „Die Arbeitsbereitschaft der Mannschaft ist seit Wochen topp. Es freut mich, dass sie belohnt wurde“, sagte er, ohne jedoch den Hinweis zu vergessen, „dass der Weg nach wie vor weit“ sei. „Wir wussten, dass wir heute durch Arbeit zum Erfolg kommen müssen. Wir wussten aber nicht, dass es so viel Arbeit werden würde“, meinte der Coach. Denn der VfB geriet nach einer Viertelstunde in eine Situation, wie er sie momentan gar nicht gebrauchen kann: Kapitän Matthieu Delpierre ließ sich beim Warten auf einen Freistoß vom nicht gerade als fairster Spieler der Liga bekannten Maik Franz provozieren. Der Eintracht-Verteidiger trat dem Franzosen auf den Fuß - und dieser schubste. Es war nach seinem Platzverweis im Hinspiel (1:2) bereits die zweite Rote Karte für Delpierre in der laufenden Spielzeit. „Matthieu ist ein herzensguter Mensch, der schwer reizbar ist“, ließ Labbadia dennoch Milde walten. „Die Mannschaft wollte für ihn gewinnen.“Natürlich waren die Frankfurter nun optisch überlegen, man merkte jedoch, warum sie in jetzt sieben Spielen in Folge nicht getroffen haben. Sie agierten umständlich und ideenlos. Alexander Meier und Theofanis Gekas scheiterten mit dem Kopf (29./38.), auf der anderen Seite hatte der quirlige Shinji Okazaki die einzige Chance der Stuttgarter im ersten Durchgang, als er nach einem feinen Pass von Christian Träsch an Frankfurts Ersatzkeeper Ralf Fährmann scheiterte. Auch die Schwaben hatten große Probleme im Spielaufbau - hoch und weit statt mit Kombinationsfußball. Beide Trainer reagierten in der Pause. Frankfurts Michael Skibbe brachte zwei frische Offensivkräfte, Labbadia ersetzte Cacau durch Timo Gebhart. Die Schwaben versuchten es ohne echte Spitze. Sie verteidigten und lauerten auf Konter. Diese liefen meist über Gebhart, der ansonsten engagiert den Spielaufbau der Frankfurter störte. Gekas traf den Pfosten (56.), nachdem der in die Innenverteidigung gerückte Khalid Boulahrouz eine Flanke unterlaufen hatte. In dieser Szene hatte der VfB Glück, acht Minuten später hatte Gebhart einen Geistesblitz: Er führte einen Freistoß schnell aus, bekam den Ball wieder und schoss - Fährmann konnte den Ball nicht festhalten, Martin Harnik schob zur Führung ein. Die Stuttgarter Fans hinter dem Frankfurter Tor gerieten vollends in Verzückung, als Tamas Hajnal nach einem missglückten Befreiungsschlag von Fährmann den Ball über den Frankfurter Schlussmann zum 2:0 für den VfB hob. „Der Trainer hat in der Halbzeit gesagt, dass wir es wie im Training machen sollen, wenn wir Unterzahlsituationen üben“, erzählte Hajnal lächelnd. Ansonsten hatte es wenig von Training. Es war ein verrücktes Spiel, in dem die Stuttgarter dem dritten Treffer näher waren als die Frankfurter ihrem ersten. Und wenn die Gastgeber mal gefährlich wurden, dann war entweder ein Stuttgarter Bein im Weg oder Ulreich reagierte glänzend. Der Torhüter hat die jüngste Enttäuschung offensichtlich gut weggesteckt. „Ich haben die vergangenen Spiele noch mal analysiert und geschaut, was ich besser machen kann. Aber ich habe vieles gut gemacht“, meinte er selbstbewusst. Spuren hat die Geschichte aber doch hinterlassen. „Es ist meine erste Saison in der Bundesliga. Aber jung und erfahren, das gibt es nur auf dem Straßenstrich“, sagte er. In Bezug auf die kommenden Spiele fand der Keeper wieder passendere Worte: „Das war ein unheimlich wichtiger Sieg. Wir müssen diese Leistung nun auch zu elft umsetzen.“

STATISTIK

Eintracht Frankfurt: Fährmann -Jung, Franz, Russ, Tzavellas - Schwegler, Rode (73. Kittel) - Köhler (46. Fenin), Meier, Altintop (46. Amanatidis) - Gekas.

VfB Stuttgart: Ulreich - Boulahrouz, Tasci, Delpierre, Molinaro - Träsch, Kuzmanovic - Harnik, Hajnal (80. Niedermeier), Okazaki (90.+2 Schipplock) - Cacau (46. Gebhart).

Schiedsrichter: Stark (Ergolding).

Zuschauer: 47 400.

Tore: 0:1 Harnik (64.), 0:2 Hajnal (68.).

Gelbe Karten: Franz (9), Rode (1) / Gebhart (6).

Rote Karten: - / Delpierre (15./Tätlichkeit).

Beste Spieler: Russ, Schwegler / Ulreich, Okazaki, Gebhart.

 

Artikel vom 28.02.2011 © Eßlinger Zeitung

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