Steinchen für Steinchen
ES-SULZGRIES: Heide Gekeler gestaltet Mosaiken - Kunst und Handwerk in Italien gelernt
Viele kennen das Mosaik als ein schmückendes Fries aus dem Badezimmer, als Kinderspiel mit bunten Steinchen oder aus südlichen Ländern, wo Meisterwerke dieser Art schon längst museumswürdig sind und Wände in Häusern, Böden in Badeanlagen und Decken in Kirchen zieren. Heide Gekeler aus Sulzgries ist eine der wenigen Mosaikkünstlerinnen hierzulande - in der kreativen Kombination kleiner, unterschiedlichster Materialteilchen schafft sie Ornamente, Bilder und Skulpturen.
Durch Zufall hat die Esslingerin vor sechs Jahren die Kunst des Mosaiklegens für sich entdeckt: Als sie einem befreundeten Fliesenleger bei seiner Arbeit zusah, bekam sie Lust, das selbst mal auszuprobieren. Die ersten Versuche haben ihr derart viel Spaß gemacht, dass sie nicht mehr davon loskam. Mittlerweile hat Heide Gekeler diverse Kurse in Ravenna, Zürich und Barcelona belegt, dort mit Künstlern gearbeitet - seit einiger Zeit hat sie sogar das Diplom als „Master of Mosaic“ in der Tasche. Ihre Arbeiten sind auf Kunstmärkten gefragt, sie hat selbst Kurse gegeben, an der Grundschule Sulzgries das Mosaik-Atelier betreut und bei der Esslinger Kinderbiennale gemeinsam mit Schülern in der Unterführung Kleiner Markt ein Baum-Bild gestaltet, das seither für viel Aufsehen sorgt.
Jedes Werk ist einzigartig
Schon als Kind hat Heide Gekeler leidenschaftlich gebastelt, konstruiert und gebaut, um ihre Gedanken und Ideen Gestalt werden zu lassen. Und diese Leidenschaft ist ihr geblieben. Bis heute dominieren fröhliche Motive, die hell, freundlich und farbenfroh umgesetzt werden. Jedes ihrer Werke ist einzigartig und so heißt ihr Atelier in der Kelterstraße, das früher unter „Steinchen-Träume“ firmierte, heute „Einzigart“.
Zuerst entwirft Heide Gekeler das Motiv, zeichnet es auf Packpapier und überträgt es auf eine Spezialplatte. Diese wird zur Stabilisierung mit einem Netz überzogen und verputzt. Für ihre neueste Arbeit, drei große Figuren in Blau- und Grüntönen, hat sie als Material irisierendes Glas gewählt. Das schneidet sie mit Glasschneider oder Diamantsäge in die gewünschten Teile, deren Kanten einzeln von Hand angeschliffen werden, um Verletzungen beim Legen des Mosaiks zu vermeiden. Dann werden die Stücke arrangiert, aufgeklebt und verfugt.
Aus hunderten von Einzelteilen ein ausdrucksstarkes Gesamtbild zu schaffen, ist nicht einfach: „Mosaik ist per se unruhig. Man muss Regeln beachten, sonst sieht es wild und zusammengestoppelt aus. Die Linien brauchen Führung und Form, man muss eine gute Mischung aus großen und kleinen Flächen schaffen, und vor allem muss man immer wieder zurücktreten und die Fernwirkung der Komposition beachten“, betont Heide Gekeler, die ihre Arbeiten mit dem Kopf plant - und aus dem Bauch heraus umsetzt: „Diese Kombination ist unschlagbar.“ Aber nicht jeder künstlerische Einfall lässt sich als Mosaik realisieren, und manches wird erst durch Improvisation gut, betont Gekeler: „Wenn ein Mosaik komplett durchgeplant ist, dann wird es zu schön und perfekt, dann lebt es nicht mehr.“
Wie ein Puzzlespiel
Heide Gekeler nutzt für ihre Arbeiten die unterschiedlichsten Materialien: Spezialglas, in Regenbogenfarben schillernde Mini-Fliesen, „Mille-Fiori“-Glasblümchen oder Smalten, spezielle Glassteinchen, die das Licht besonders stark reflektieren. Aber sie arbeitet auch mit ganz normalen Badezimmer-Fliesen und sie hat auch schon ein Porzellanservice vom Flohmarkt zerschlagen und aus den Scherben einen Spritzschutz an einer Küchenwand gestaltet. Die Grenze zu Kunsthandwerk und Gebrauchskunst zieht Heide Gekeler fließend, sie gestaltet auch Hausnummern oder Sitzflächen von Stühlen. Steinchen für Steinchen - die mühselige Kleinarbeit ist oft wie ein Puzzlespiel, bis sie mit der Gesamtwirkung zufrieden ist. Dann sind auch feine Kontraste möglich und akkurate Licht- und Schattenabstufungen entstehen, die für Tiefe sorgen. Im Zusammenspiel mit Licht werden die Mosaikbilder lebendig, erhalten Glanz und Schimmer - und sehen niemals gleich aus, schwärmt Heide Gekeler: „Wenn die Sonne darauf scheint, sieht man, wie die Farbe der einzelnen Steinchen sich verändert.“



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