Die Liebe bleibt
Der argentinische Schmusebarde Semino Rossi in der Stuttgarter Porsche-Arena
Stuttgart - Ganz am Ende des Konzerts, nachdem er seine Musiker, Backgroundsängerinnen und Gäste, nicht weniger als zwei Dutzend Künstler an der Zahl, auf der gesamten Länge der Rampe gebührend verabschiedet hat, kommt Semino Rossi noch einmal alleine auf die Bühne der Stuttgarter Porsche-Arena zurück, um den 4000 Fans, „dem lieben Gott und der heiligen Gottesmutter“ noch ein musikalisches Geschenk zu machen. Es ist kurz vor 23 Uhr, als er sein feierliches „Ave Maria“ anstimmt, um sich mit „Don’t cry for me Argentina“, der obligatorischen Hommage an seine geliebte, bei aller Liebe zur Wahlheimat Tirol schmerzlich vermisste Geburtsheimat, zu verabschieden. Sein Herz, auf das er nach fast jedem Titel und einer dezenten Verbeugung vor dem Publikum die rechte Hand legt, sei „in zwei Hälften“ geteilt, lässt der Sänger wissen. Doch auf der Bühne ist von innerer Zerrissenheit nichts zu spüren. Der stimmgewaltige Schmusebarde ist bei dem dreistündigen Konzert mit ganzem Herzen bei der Sache - und seine Sache ist vor allem die Liebe, die möglichst lebenslange und ungeteilte, wie auch der Titel seiner neuen Tour und CD bezeugt: „Die Liebe bleibt“.
Unverändert bescheiden und seinen Anhängern für ihre Treue dankbar geblieben ist trotz seines Ruhms der sympathische Herzschmerzspezialist Rossi, der noch lange nach dem Konzert im Foyer der Porsche-Arena geduldig Autogramme schreibt. Neu ist großenteils das Programm der aktuellen Tour. In seiner ansprechenden Show hat der Schlagerstar noch mehr Gäste als zuletzt schon engagiert. Neben seiner bewährten Tango-Formation, die er als „Souvenir - statt 4000 argentinischer Steaks“ - aus seiner Heimat mitgebracht hat, setzen vor allem sechs Mariachi-Musiker aus Mexiko-City mit ihren Sombreros, Gitarren und Trompeten optische und akustische Akzente. Und dann hat Rossi noch einen verwegenen südamerikanischen Bola-Virtuosen zu Gast, der in einer zirkusreifen Nummer die Jagdkugeln der Gauchos in schwindelerregender Manier durch die Luft wirbeln und rhythmisch aufs Parkett knallen lässt.
Doch auch die Fans müssen nicht ton- und regungslos den Stimm- und Bewegungskünstlern auf der Bühne zusehen. Sie werden vom Entertainer Rossi immer wieder charmant zum Aufstehen, Hüftkreisen, „Mit-tschunkeln“ und Mitsingen animiert - vom karnevalesken „Ay Ay Ay Ay“ und „Rot sind die Rosen“ bis zum Nilsen-Brothers-Evergreen „Aber Dich gibt’s nur einmal für mich“. Neben älteren Stimmungshits hat der 47-jährige Rosenkavalier auch einen Strauß mit Balladen seines neuen Albums den Fans mitgebracht, darunter „Noches de seda“ und „Für jeden, der einsam ist“. Die revanchieren sich prompt und strömen unentwegt mit Blumen, Plüschtieren und kakaohaltigen Geschenken nach vorne. Die Liebe der Fans bleibt. Und ganz gewiss auch Seminos Vorliebe für Schokolade.



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