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Wenn Großes klein und Kleines ganz groß wird

ES-BERKHEIM: Erwin Grosche beschert den „Klasse Lesungen“ bei den Jugendbuchwochen einen Auftakt nach Maß

  Hellwache Augen, denen nichts entgeht: Der Kleinkünstler Erwin Grosche fasziniert sein Publikum beim Auftakt der „Klasse Lesungen“. Foto: Weiß
 

Hellwache Augen, denen nichts entgeht: Der Kleinkünstler Erwin Grosche fasziniert sein Publikum beim Auftakt der „Klasse Lesungen“. Foto: Weiß

 

Von Gaby Weiß

Mit seinen Augen zieht Erwin Grosche sein Publikum in seinen Bann: Hellwach blitzen sie, nichts entgeht ihnen, geschwind und quicklebendig wandern sie von einem zum anderen, tollkühn rollen sie von links nach rechts, erstaunt werden sie aufgerissen, frech blinzeln sie den Kindern zu.Erwin Grosche, der sich selbst am liebsten Kleinkünstler nennt, ist Schriftsteller, Dichter, Schauspieler, Kabarettist, Filmemacher und Musiker. Mit seinen pfiffigen Auftritten sorgte er nun mit mehreren Lesungen an Esslinger Schulen und bei einer öffentlichen Veranstaltung in der Stadtteilbücherei Berkheim für einen Auftakt nach Maß für die Jugendbuchwochen „Klasse Lesungen“ der Stadtbücherei. Es sind schlichte, geradlinige, unspektakuläre Geschichten, Gedichte und Lieder, die Erwin Grosche singt, erzählt und mit Gitarre, Mundharmonika, Keyboard und Akkordeon in Szene setzt. Aber es sind kleine Kunst-Stücke, denn mit ihnen erobert Erwin Grosche, der viele Texte und Lieder für „Die Sendung mit der Maus“ geschrieben hat, im Handumdrehen die Herzen der Kinder. Sie sollen Spaß haben, und den haben sie, schon nach den ersten Sekunden, als der Groschesche „Scheibenwischer“, der den Regentropfen das Leben schwer macht, plötzlich den Turbogang einlegt. Die Kinder quietschen vor Lachen, als der träge Tiger plötzlich im Rock’n’Roll-Sound faucht. Belustigt gucken sie, wenn Grosche lautmalend den Staubsauger gibt. Fröhlich giggelnd machen sie das Echo zu Christian Morgensterns großem Lalula. Aus vollen Lungen pustend imitieren sie einen Händetrockner. Kichernd kommentieren sie die charmante Liebesgeschichte zwischen den beiden elektrischen Zahnbürsten. Quiekend und albernd spielen sie Weißbrot und Toaster, sortieren sie „Löffel zu Löffel ins Löffelfach“. Und zum Brüllen komisch finden sie Grosches Running-Gag mit dem Mini-Elefanten.

Kinder gehen begeistert mit

Die Kinder sind unbekümmert, froh und heiter, sie amüsieren sich völlig unbeschwert - und lernen en passant jede Menge: Sie singen mit, sie reimen Erwin Grosches Sätze zu Ende, sie merken sich den Refrain, sie erkennen die Betonung, sie treffen ihren Einsatz, sie klatschen einen ganz und gar nicht einfachen Rhythmus und halten den Takt, sie suchen und finden Worte, sie kontrollieren ihre Atmung beim Flüstern und beim Schreien, sie suchen nach Sinn und sie akzeptieren Unsinn, sie machen Großes klein und Kleines ganz groß, sie stellen ganz selbstverständlich Wirkliches neben Phantastisches und sie lassen sich von der Vielfalt der Sprache faszinieren.

Erwin Grosche, der Schirmherr von Unicef Paderborn und Botschafter der „Stiftung Lesen“ ist, erreicht all dies mit unnachahmlicher Leichtigkeit, spielerisch und nebenbei. Und dafür kann man ihn wirklich nicht genug loben.

Würde dieser Mann Eltern, Erzieherinnen, Lehrerinnen und Lehrer ausbilden - dann müsste einem nicht bang sein um das Heranwachsen der Kinder.

 

Artikel vom 17.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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