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Musik mit Seele

Solveig Slettahjell gastiert mit ihrem kleinen Slow Motion Orchestra im Stuttgarter Jazzclub Bix

Von Thomas Staiber

Stuttgart - Die Vokalistin Solveig Slettahjell zeigte mit ihrem kleinen Slow Motion Orchestra im Jazzclub Bix, wie es klingt, wenn Lieder sich behutsam entfalten. Beinahe so langsam wie Blüten im Mai.

Während um uns alles ständig schneller und hektischer wird, besteht mancher auf Entschleunigung. Statt hastigem Essen Slowfood, Cittaslow für besseres Wohnen in der Stadt, Slowretail im Handel. Tatsächlich entdecken immer mehr Menschen die Langsamkeit als Gewinn für sich selbst. „Vereinfache dein Leben“, lautet die Devise. Anderen fällt das schwer. „Die leichteste Weise der Existenz ist in der Kunst“, schrieb Bertolt Brecht im Kleinen Organon für das Theater. Wie man jetzt im Bix erleben konnte, gilt dieser Satz gerade auch für Musik.

Musik, die aus der Stille kommt, kann sehr sinnlich sein. Besonders bei einer so guten Sängerin wie der dunkelhaarigen Solveig Slettahjell aus Norwegen. „Tarpan Seasons“ heißt ihr jüngstes Album, das sie im Bix, der letzten Station ihrer Deutschlandtournee, vorstellte. Tarpane sind eine ausgestorbene Wildpferderasse, und Schlagzeuger Per Johansen ist stolzer Besitzer eines dieser rückgezüchteten Tiere. Beim Schreiben der Songs, erzählt die 38-jährige Sängerin, habe sie sich manchmal gefühlt, als schaue ihr ein Cowboy über die Schultern.

Der hätte an ihren Liedern bestimmt so viel Freude wie die Leute im Stuttgarter Bix, die lächelnd den Slow-Motion-Mix aus Country, Blues, Jazz und Soul genießen und begeistert applaudieren.

„Soul“ heißt das erste Wort, das sie singt. So beginnt „Precise Content“, der Opener des Konzerts und der neuen CD. Beseelte Musik macht das sehr gut eingespielte Quintett mit der begabten Sängerin in der Tat: Musik, die zu atmen scheint. Ruhig pulsiert der Bass, weich streichelt der Drummer mit den Besen seine Felle, wolkige Trompetentöne wechseln mit geschmeidigen Gitarrenklängen, durchblendet von winzigen schabenden Störgeräuschen aus dem Computer. Mit geschlossenen Augen singt und genießt Solveig Slettahjell ihre Songs. Sie dehnt die Silben und lässt sie auf der Zunge zergehen wie Karamell. Obwohl sich diese Musik unter weit geschwungenen Bögen ruhig entfaltet, entsteht eine geheimnisvolle Spannung, die die Menschen elektrisiert. Ein diskreter Groove treibt die musikalischen Aktionen an wie Wasser ein Mühlrad. Darüber strahlt die weibliche Stimme, der Intonationsprobleme und Phrasierungsschwierigkeiten völlig fremd sind. Am schönsten ist der „December Song“, eine süße Sehnsuchtsballade, die in einem trägen Dreivierteltakt weich und leise durch den Klangraum schaukelt.

Leider vergällen einem immer wieder die Geräusche des Lounge- und Barbetriebs im Bix die Freude an leiser Musik. Die Veranstalter kennen das Problem und lassen deshalb nur Bands mit Schlagzeug auftreten. In diesem Fall hat das allerdings nicht viel gebracht.

 

Artikel vom 16.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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