„Ich mache das Klopapier“

ES-PLIENSAUVORSTADT: Duo „Bleckonweit“ zeigt in der Dieselstraße Kabarett - auch für Männer

 

Der bunte Abend für Farbenblinde des Kabarett-Duos Bleckonweit ist nichts für weichgespülte Harmoniefanatiker. Die Damen treten mit Wonne in jedes Fettnäpfchen.Foto: Eberle
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Der bunte Abend für Farbenblinde des Kabarett-Duos Bleckonweit ist nichts für weichgespülte Harmoniefanatiker. Die Damen treten mit Wonne in jedes Fettnäpfchen.Foto: Eberle

 

Von Elke Eberle

Sie kennen keine Tabus und treten mit Wonne in jedes Fettnäpfchen. Sie spielen absolut vorurteilsfrei mit Klischees und politisch korrekt ist für sie eher ein Fremdwort. Gemeinsam hatten das Kulturzentrum Dieselstraße und die städtische Frauenbeauftragte Beate Latendorf zum Internationalen Frauentag das Frauenkabarett-Duo Bleckonweit ins Kulturzentrum eingeladen. Selbstbewusst und sexy rocken Sarah Masuch und Christine Prayon die Bühne.Herrlich locker und ungeniert spielen die beiden die Welt, ihre Abenteuerlichkeiten und Ungeheuerlichkeiten durch die harte Wand der Realität mitten hinein in ein herrlich farbenfrohes Blumenbeet. Und das alles in einem steten Wechselbad der Gefühlsduseleien. Ihr Programm „Bunter Abend für Farbenblinde“ ist nichts für weichgespülte Harmoniefanatiker. Für alle anderen aber ist es erfrischend und höchst unterhaltsam, den leicht verrückten, turboschnell präsentierten Gedanken der beiden Damen zu lauschen. „Ich find ' Gutes gut und Schlechtes schlecht - für so ’ne Haltung braucht man Mut“, singt Renate Schlenz alias Sarah Masuch.

 

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Sie hat bei den beiden die Hosen an, zumindest am Anfang. Sie sind übrigens hellblau und sehr kleidsam. Christine ist lediglich ihre Assistentin, allerdings mit vielfältigen Aufgaben: „Ich mache auch das Klopapier.“ Ihre Hautfarbe - weiß - war für Renate Schlenz der Grund, sie einzustellen: „Sie verstehen, der Exoteneffekt, die Exotik des Fremden, anämisch animalisch - das ist der Markt.“ Christine übernimmt unerwünschter Weise gleich Coachingfunktionen, zeigt ihrer Chefin, wer hier den Soul im Blut hat und wie leicht es ist, ihre zahlreiche Familie bei ungerechter Behandlung zu mobilisieren. Doch dann gibt Christine zu: „Das mit der Türkei war auch nur getürkt.“

Beide sind irgendwie auf der Suche nach einem Partner. Allerdings nicht dem fürs Leben, sondern nach einem, bei dem es im Miteinander auf der Bühne reibt und funkt. Dabei haben sie sich ja eigentlich schon lange gefunden. Da ändert auch das erste Kabarettcasting Deutschlands mit vier Millionen Bewerberinnen nichts. Nebenbei entwerfen sie die Horrorvision eines Comedy-Kanals, in dem Nachrichten auf Pointe gelesen werden.

Das Duo zeigt weibliche Reize, kokett und selbstverständlich. Und es zeigt, dass es genauso möglich ist, über Nazis zu lachen wie über das rudimentäre Deutsch von Hauptschülern, über Blondinenwitze genauso wie über jene, die die Hautfarbe betreffen. Christine: „Du aschfahles Stück Totholz, zu viel Selbstbräunungscreme verwendet, wie?“ Schwarzer Humor bekommt plötzlich ein Gesicht. Und auch ihre Kabarettkollegen bekommen ihr Fett weg, die gönnerhaften Besserwisser ebenso wie die sentimental Betroffenen und jene, die Comedy als reinen Blödsinn verstehen.

Beide wurden schon mehrfach ausgezeichnet, Christine Prayon als „Top Sigrid“ unter anderem mit dem Kleinkunstpreis des Landes Baden-Württemberg. Wer die beiden einmal erlebt hat, wird sie so schnell nicht vergessen.

Artikel vom 10.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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