Kaskaden und Kantilenen

Radio-Sinfonieorchester musiziert mit jungen Preisträgern

Von Verena Großkreutz

Stuttgart - Sichtlichen Spaß hatte der australische Dirigent Nicholas Milton am tänzerischen Drive der lustigen „Weiber-von-Windsor“-Ouvertüre Otto Nicolais. Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart ließ sich von seiner extrovertierten Gestik mitreißen, brachte dank transparentem Miteinander die Orchesterfarben zum Schillern und Funkeln. Man eröffnete mit Nicolais Schmankerl im gut besuchten Stuttgarter Beethovensaal einen Konzertabend, der in bewährter Tradition junge Solisten präsentierte, die in jüngster Zeit Preisträger internationaler Musikwettbewerbe waren.

 

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Den Anfang machte der 23-jährige französische Pianist Adam Laloum - 2009 Gewinner des Clara-Haskil-Wettbewerbs im schweizerischen Vevey - mit Mozarts c-Moll-Klavierkonzert. Laloum entlockte dem kühlen Steinway warme, farbige, verträumte Töne, phrasierte äußerst sensibel, insgesamt aber drängte das für Mozarts Verhältnisse recht düstere Werk viel zu wenig nach vorne, weswegen sich schnell Schlaf­mützigkeit statt Resignation breit machte. Miltons Dirigat zielte offenbar darauf, dem jungen Solisten möglichst viel Raum zur Entfaltung zu geben. Das ging auf Kosten des Spannungsbogens.

Im Konzert für Altsaxofon und Orchester von Henri Tomasi aus dem Jahr 1949 ging der aus Armenien stammende Solist Koryun Asatryan auf die hektische Reise durch gleichermaßen spätromantische wie jazzige Klangwelten. Die quecksilbrigen Läufe und endlosen Tongirlanden, die brodelnden Kaskaden und musikalischen Fluchten meisterte der 25-Jährige, der 2008 mit dem Musikpreis des Verbands der Deutschen Konzertdirektionen ausgezeichnet wurde, mit souveräner Gelassenheit.

In Erich Wolfgang Korngolds Violinkonzert schließlich brillierte die 17-jährige Südkoreanerin Hyeyoon Park, prämiert mit einem ersten Preis beim ARD-Wettbewerb 2009, durch stupende Virtuosität, fast lupenreines Lagenspiel und schwelgende Kantilenen. Doch etwas weniger süßliches Vibrato hätte der ohnehin schon süffig-sämigen Seite das klassisch gebauten Dreisätzers nicht geschadet.

Artikel vom 06.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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