Geprägt vom alten Amerika

Die gebürtige Argentinierin Inés de Castro will als neue Chefin des Stuttgarter Linden-Museums die „Chance der Vermittlung“ nutzen

 

Inés de Castro will gegen sinkende Besucherzahlen angehen.Foto: dpa
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Inés de Castro will gegen sinkende Besucherzahlen angehen.Foto: dpa

 

Von Sabine Müller

Stuttgart - Das renommierte Stuttgarter Linden-Museum ist jetzt in südamerikanischen Händen: Die gebürtige Argentinierin Inés de Castro leitet nunmehr das Völkerkundemuseum, das zu den bedeutendsten seiner Art in Europa gehört. „Die herausragende Sammlung und die Bündelung von Fachwissen aus aller Welt machen die Arbeit hier sehr spannend“, sagte die Ethnologin bei ihrer Vorstellung. Völkerkundemuseen litten europaweit unter sinkenden Besucherzahlen. Da sei es wichtig, sich auf die Chance der Vermittlung und Erklärung zu besinnen.

 

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Seriosität geht vor

Sie sehe es als ihre Aufgabe an, das Linden-Museum in Stuttgart und der Region stärker zu positionieren und zu einem Ort der Begegnung zu machen, sagte die neue Chefin. Die Wissensvermittlung für Kinder und Jugendliche will sie weiter aus­bauen, aber nicht auf Kosten der wissenschaftlichen Seriosität: „Kinderaustellungen müssen schon fundiert sein.“

Die ersten Großprojekte unter ihrer Ägide sind die Modernisierung des Museumsfoyers im Sommer und der Umzug von zwei Außendepots ans Löwentor Ende des Jahres. Daneben sind einige große Ausstellungen geplant, etwa zu „Indiens Tibet - Tibets Indien“ vom 23. Oktober 2010 bis zum 1. Mai 2011 und zum 100-jährigen Bestehen des Linden-Museums vom 17. September 2011 bis zum 9. Januar 2012.

Geboren wurde de Castro 1968 in Buenos Aires. Neben Deutsch spricht sie Französisch, Spanisch und einige indianische Sprachen und hat die argentinische und die deutsche Staatsbürgerschaft. „Ich fühle mich aber mehr als Deutsche“, sagt sie. In Bonn hat sie Ethnologie und Altamerikanistik studiert und anschließend promoviert.

„Exzellent vernetzt“

Bevor Inés de Castro die Nachfolge von Thomas Michel im Linden-Museum antrat, war sie Vize-Direktorin, Prokuristin und Kuratorin der ethnologischen Sammlungen des Roemer- und Pelizaeus-Museums in Hildesheim, mit dem sie sich auch sehr gut eine Kooperation vorstellen könnte. Ihr Forschungsschwerpunkt sind die Kulturen Mittelamerikas. Kulturstaatssekretär Dietrich Birk (CDU) lobte, die neue Chefin sei im Bereich der Museen „exzellent vernetzt“, was für eine erfolgreiche Arbeit eine sehr wichtige Voraussetzung sei.

Das 1911 gegründete Linden-Mu­seum zählt zu den größten Völkerkundemuseen Europas. Zu den erklärten Zielen gehört es, die Vielfalt menschlicher Kultur darzustellen. Dabei sollen alle Kulturen als gleichwertig betrachtet werden.

Artikel vom 05.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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