„Lange schallt’s im Walde noch…“
ESSLINGEN: Comeback für Bildergeschichten-Klassiker - Esslinger Verlag J. F. Schreiber bringt erfolgreich Reprints der Lurchi-Sammelbände heraus
Stillsitzen und zig Paar Stiefel anprobieren müssen - ach, was war das Schuhekaufen als Kind doch öd und langweilig. Aber wenigstens von Salamander mussten die neuen Treter sein, denn da gab’s an der Kasse jedes Mal ein neues Lurchi-Abenteuer. Die grünen Gratis-Heftchen mit den köstlichen Bildergeschichten, in rundlicher Schreibschrift und hübsch gereimt, waren für so manchen Grundschüler der allererste Lesestoff. Der Esslinger Verlag J.F. Schreiber hat die Erlebnisse des schwarz-gelben Feuersalamanders und seiner Freunde Hopps, Igelmann, Mäusepiep, Piping und Unkerich neu aufgelegt. Dieser Tage ist unter dem Titel „Das lustige Salamanderbuch“ bereits der dritte Sammelband erschienen.
Erinnerung an Heinz Schubel
Lurchi zählt neben Mecki, der beim Esslinger Verlag ebenfalls ein Revival auf dem Buchmarkt erleben darf, zu den mit Abstand ältesten heute noch erscheinenden Comicfiguren in Deutschland. Schon 1937 kam das allererste Lurchi-Heft auf den Markt - der schlanke, quicklebendige Salamander mit dem kecken, grünen Tirolerhut und den festen Lederschuhen sollte als Reklamefigur für den Kornwestheimer Schuhhersteller werben. Nachdem anfangs noch der Generaldirektor höchstpersönlich gereimt hatte, übernahm später Werbechef Erwin Kühlewein die Aufgabe. Der lange Jahre in Aichwald lebende Zeichner Heinz Schubel gab Lurchi & Co. über 20 Jahre lang ihr Aussehen und zauberte die farbenprächtigen und detailverliebten Illustrationen.
Die originalen Lurchi-Heftchen und -Bücher sind mittlerweile in Sammlerkreisen heiß begehrt und erzielen deftige Liebhaberpreise - die hochwertig aufgemachten Reprints des Bildergeschichten-Klassikers im Esslinger Verlag J. F. Schreiber sind dagegen auch für den kleineren Geldbeutel durchaus erschwinglich: „Lurchis Abenteuer. Das lustige Salamanderbuch“, die in drei Bänden erschienen sind, kosten je Band 12.90 Euro. Als Druckvorlagen dienten Original-Sammelbände, die eingescannt und - wo nötig - mit viel Fingerspitzengefühl behutsam modernisiert wurden: „Der Salamander-Schriftzug war ja ursprünglich rot eingefärbt, das haben wir verändert, wir wollen ja keine Schuhwerbung machen. Und wir haben den Text an die neue deutsche Rechtschreibung angepasst“, erläutert Annika Stein, die beim Esslinger Verlag für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.
Für den Verlag ist Lurchi ein „Topseller“: Der erste Band geht bereits in die siebte, der zweite in die vierte
Auflage. Und die zweite Auflage des jetzt erschienenen dritten Bandes ist bereits geplant. Für die Verantwortlichen ist es klar, dass auch die weiteren Lurchi-Sammelbände nach und nach noch verlegt werden. „Wir sind sehr zufrieden. Dass es so ein Erfolg wird, hätten wir am Anfang nicht gedacht“, freut sich Annika Stein. „Die Popularität der Lurchi-Geschichten hat viel damit zu tun, dass Kindheitserinnerungen geweckt werden. Auf Messen erleben wir immer wieder, dass Leute schwärmen: Oh, Lurchi, den hab ' ich schon als Kind geliebt“, erklärt sich Annika Stein die über 70-jährige Erfolgsgeschichte der drolligen Erzählungen.
Mit Lurchi ist so mancher groß geworden, nicht nur Moderator Thomas Gottschalk, der mit dem Bekenntnis zitiert wird: „Ich verhehle nicht, die Welt hat sich auch mir durch die Lurchi-Heftchen erschlossen.“ Als im Jahr 2000 im Zuge einer umfassenden Modernisierung das Heft-Format geändert wurde und die Figuren einer Frischzellenkur unterzogen wurden, Lurchi plötzlich ohne Hut daherkam, zum Sunnyboy mutierte und pädagogisch-wertvolle Geschichtchen statt spannender Abenteuer erzählte, erhob sich ein Sturm der Entrüstung - die Fans wollten ihren alten Lurchi zurück. Salamander beugte sich dem Druck und gab Lurchi und Konsorten ihr gewohntes Erscheinungsbild zurück.
Faible für nostalgische Kultfiguren
Beim Esslinger Verlag, der mit der Häschenschule und den Wurzelkindern bereits erfolgreiche nostalgische Kultcharaktere im Programm hat, freut man sich über den Erfolg, wie Annika Stein bestätigt: „Wir sind froh, dass wir mit Lurchi eine weitere Zielgruppe, nämlich die Comicfans, erreichen können. Aber auch die breite Masse, Menschen, die Lurchi noch aus ihrer Kindheit kennen und die Lurchi und seine Freunde jetzt ihren eigenen Kindern zeigen und vorlesen möchten, interessierent sich für diese Sammelbände.“
Und so dürfen sich auch künftig Groß und Klein an den wilden Abenteuern freuen, denen sich der listige Lurch und seine fünf Freunde stellen müssen, immer vierhebig alternierend, oft sympathisch anarchisch nach dem Motto „Reim dich oder ich fress ' dich“ gedichtet. Lurchi, der pfiffige Salamander, der immer auf der Seite der Guten steht, weiß auch in der verzwicktesten Situation einen Rat, und seine unverwüstlichen Schuhe helfen ihm, jede Herausforderung zu meistern. Und häufig sitzen die anfänglichen Widersacher zum Schluss friedlich vereint um einen üppig gedeckten Tisch. Das Happy-End ist garantiert - und was wären die Lurchi-Geschichten ohne den Kult gewordenen, meist nur minimal variierten Schlusssatz: „Lange schallt‘s im Walde noch: Salamander lebe hoch!“



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