Zeiten und Räume

Neuer Esslinger Bahnwärterstipendiat ist der Crossover-Künstler Tobias Rosenberger

 

Neue Perspektiven auf die Wirklichkeit: Tobias Rosenberger.Foto: R. Rudel
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Neue Perspektiven auf die Wirklichkeit: Tobias Rosenberger.Foto: R. Rudel

 

Von Elke Eberle

Esslingen - Tobias Rosenbergers Arbeiten sind mehrschichtig und multidimensional, sie bestechen durch ihre konsequente Komposition und die Vernetzung komplexer medialer Systeme. Seine Installationen spiegeln die Welt in Räume, sind gleichzeitig Bühne und Aktionsraum. Für drei Monate ist Tobias Rosenberger nun Stipendiat der Stadt Esslingen, er wohnt im Bahnwärterhaus, hat einen straffen Zeitplan und konkrete Pläne.

 

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Vor einer Woche, pünktlich zum Start der LesART, ist er in Esslingen angekommen. Schon jetzt ist er begeistert von der Stadt, ihrer Atmosphäre und ihrem Angebot. Rosenberger wurde 1980 geboren und studierte bis 2003 in Gießen angewandte Theaterwissenschaft - ein sehr experimentierfreudiges Studium, wie er betont.

In den vergangenen Monaten war er Stipendiat im Künstlerdorf Schöppingen und in Mexiko. Mehrfach nahm er an der Luminale Frankfurt teil und weltweit realisierte er schon unterschiedlichste Projekte: 2007 im Jemen auf Einladung der deutschen und französischen Botschaften etwa eine audio-visuelle Installation im öffentlichen Raum oder im Frühsommer dieses Jahres in Mexiko eine auf Antonin Artauds Manifest „Theater der Grausamkeit“ basierende Installation.

Die nächsten drei Monate will er nutzen, um einer Idee, die ihn schon lange beschäftigt, Gestalt zu geben. Schon im Jahr 2003 war er auf einen rund 2400 Jahre alten Text des chinesischen Philosophen und Inge­nieurs Mozi gestoßen. Mozi hatte eine Art Lehrbuch mit dem Titel „Die 12 üblichen Angriffsweisen heutzutage“ zusammengestellt, seine Anhänger zogen durch die Städte und machten diese - gegen Bezahlung, versteht sich - sicher vor feindlichen Übergriffen. Bekannt ist Mozi freilich eher aufgrund seiner moralischen Schriften und durch die Rezeption durch Bertolt Brecht.

Die nächsten Wochen wird Rosenberger mit Recherchen verbringen und damit, Material zu sammeln und zu sortieren. In der zweiten Phase wird er sein Projekt am PC visualisieren und Programmierungen für Licht- und Toneffekte erarbeiten. Dann folgt die Phase der Realisierung. Spontan bot ihm der Leiter der Städtischen Galerien, Andreas Baur an, die Installation im Anschluss an sein Stipendium im Bahnwärterhaus auszustellen.

Ideen hat Rosenberger viele, Material hat er mitgebracht. Zusammenführen möchte er Inhalte der Vergangenheit und zeitgenössische Ästhetik. Er will die verschiedenen Ebenen miteinander in Beziehung setzen und mit unterschiedlichen Materialien, Textauszügen, Licht- und Toneffekten eine neue Wirklichkeit inszenieren. Dabei geht es ihm nicht darum, Gesellschaftskritik zu üben, Geschichten zu erzählen oder eine konkrete Idee auszudrücken. Er will vielmehr Räume schaffen, in denen der Besucher selbst anfangen kann zu denken.

Artikel vom 12.11.2009 © Eßlinger Zeitung

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