Turbulente Odyssee

ESSLINGEN: Film des Jugendtheaters Stage Divers(e) feiert Premiere im Skala

 

Auch im Hof der Potsdamer Friedenskirche wurde zum Musikvideo „Berlin-Song“ gedreht. Die Szene ist im Film „Odyssee“ ebenfalls zu sehen.Foto: Derrez
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Auch im Hof der Potsdamer Friedenskirche wurde zum Musikvideo „Berlin-Song“ gedreht. Die Szene ist im Film „Odyssee“ ebenfalls zu sehen.Foto: Derrez

 

Von Sabine Försterling

Wenn es einer munteren Truppe während der Zugfahrt langweilig wird, wird kurzerhand ein Mord inszeniert. So geschehen im Oktober letzten Jahres. Das Ensemble des Jugendtheaters Stage Divers(e) hatte sich mit drei Videokameras und viel Fantasie im Gepäck von Esslingen nach Berlin aufgemacht, um seine Eindrücke festzuhalten. Herausgekommen ist der turbulente, vor Ideen sprühende Film „Odyssee“, der am Wochenende im ehemaligen Kino Skal“ Premiere feierte. „Wir wollen damit viele junge Leute dazu anstiften, selbst kreativ zu werden“, sagte die Leiterin der Gruppe, Babette Ulmer.Mit dem Film haben sich die Laien-Schauspieler im Alter von 16 bis 26 Jahren auf Neuland gewagt. Die Idee ist aus der Not geboren. Eigentlich wollten die „Stage Divers(e)“ auf dem größten Theater der Welt, den Straßen von Berlin, ihr neues Stück aufführen. Doch das war nicht fertig geworden. Da die Truppe jedoch eine Einladung von der SPD-Bundestagsabgeordneten Karin Roth in der Tasche hatte, wurde umdisponiert. Die 27 Mitglieder ließen sich von der Atmosphäre besuchter Orte spontan inspirieren. Das „Berliner Ostkreuz“ sei einfach magisch gewesen, schwärmte die 16-jährige Lhea Faber. Auf den abgewrackten Bahnsteigen mit den Gleisen, die ins Nirgendwo verschwinden, macht sich später im Film unter der atemlos, auf der Flucht befindlichen Reisegruppe Endzeitstimmung breit. Vor Mülltonnen und einem leer stehenden Haus mit zerbrochenen Fensterscheiben inszenierte das Ensemble ein Beziehungsdrama. Der Streit eines Ehepaares eskaliert durch die Einflüsterungen der jeweiligen Freunde. Im holländischen Viertel von Potsdam produzieren sich die Jungs vor den in Reihe stehenden Mädchen.Die Unterführung am Anhalter Bahnhof lud scheinbar geradezu ein, die Angst eines von Vermummten verfolgten Mädchens auf Film zu bannen. „Mit so sterilen, modern gestylten Orten wie den Berliner Hauptbahnhof hatten wir unsere Probleme“, sagte Babette Ulmer. Die Szene, in der die Gruppe ziellos, erkennbar durch einen aufgespannten, roten Schirm im allgemeinen Gewimmel Rolltreppen immer wieder rauf und runter fährt, ist aber eine der intensivsten. Auch eigene Erfahrungen wurden verarbeitet. „Wir waren nach dem Besuch im Bundestag voller Aggressionen“, sagte Daniela Clauss. Ruckzuck war am Abend die „Odyssee“ des Besuchers, der sich von Stockwerk zu Stockwerk mit dem Ausfüllen immer neuer Anträge durchkämpft, im Kasten.

 

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Manchmal hat es geknistert

Die Stage Divers(e) können aber auch einfach erfrischend herum albern und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. In dem Film wird darüber hinaus die Dynamik von der spontanen, ursprünglichen Idee bis zur fertigen Szene dokumentiert. Es habe „schon manchmal geknistert“, erzählte der 20-jährige Moritz Hardt über das Problem, verschiedene Charaktere eine Woche lang unter einen Hut zu bekommen. Mit einem im Zug inszenierten und mit Videokamera festgehaltenen Mord war die Truppe nach Berlin gereist und kam schließlich mit 18 Stunden Filmmaterial zurück. Für die Produktion und den Schnitt zeichnet hauptsächlich Armin Hasse verantwortlich.

Artikel vom 13.10.2009 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (1)

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13.10.2009 11:01 von bisc

die haben wirklich probleme.

der hbf berlin und steril, dass ich nicht lache! draußen ist zwar die fassade verdreckt, vollgepinkelt und manchmal auch vollgekotzt, überall liegen müll und zigarettenkippen und bierpfützen.... aber voll steril.

wahrscheinlich ist aber mit steril gemeint, dass hier nicht in nächster zeit der bahnsteig einkracht wie am ostkreuz. steril bedeutet, dass auch behinderte menschen sich frei und problemlos bewegen können, weil es an sterilen bahnhöfen rolltreppen und aufzüge gibt. richtig?


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