„Spannender Ort, um über die Stille zu schreiben“

Antje Wagner ist die neue Esslinger Bahnwärter-Stipendiatin

 

Antje Wagner interessiert sich auch im Esslinger Merkelpark literarisch für Grenzsituationen und Abweichungen von der Norm.Foto: Robin Rudel
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Antje Wagner interessiert sich auch im Esslinger Merkelpark literarisch für Grenzsituationen und Abweichungen von der Norm.Foto: Robin Rudel

 

Von Elke Eberle

Esslingen - Sie ist erst seit kurzem in Esslingen, hat aber Stadt und Umgebung schon erkundet und manchen Lieblingsplatz entdeckt. Inzwischen wurde die Schriftstellerin Antje Wagner von Kulturreferent Peter Kastner offiziell als Bahnwärter-Stipendiatin begrüßt. Mit dabei hatte er jede Menge Geschenke: Esslinger Wein, einen Leseausweis der Stadtbücherei, Eintrittskarten für die Landesbühne und das Kommunale Kino sowie ein Abonnement der Esslinger Zeitung.

 

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Neues rein- und rauslassen

Antje Wagner kommt direkt von einem Stadtschreiber-Stipendium in Mannheim. Nach dem dreimonatigen Aufenthalt in Esslingen wird sie weiterziehen ins Schriftstellerhaus Stuttgart - zum nächsten Stipendium. „Dieses Jahr ist mein Reisejahr“, erzählt sie. Andere Orte inspirieren sie, regen sie an. „Es ist wichtig, Neues reinzulassen, damit Neues rauskommt. Solche Zeiten sind für mich sehr befruchtend und ich schreibe zu 80 Prozent besser“, sagt Wagner. Die neuen Orte und Impressionen finden sich dann auch meist direkt oder indirekt in ihren Büchern wieder.

1974 wurde Antje Wagner in Wittenberg geboren. Sie studierte deutsche und amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften in Potsdam und Manchester, arbeitete als Kellnerin und als Sprecherin im Bildungsfernsehen. Jetzt lebt sie als freie Autorin und Übersetzerin in Potsdam. Sie hat insgesamt schon sieben Bücher geschrieben, die ersten sechs waren Romane und Erzählsammlungen für Erwachsene. Anfang August erscheint ihr siebtes Buch. Es ist ihr erster Jugendroman und trägt den Titel „Unland“. Mit einem Auszug aus diesem Buch hatte sie sich auch für das Stipendium in Esslingen beworben und die Jury überzeugt.

Antje Wagner interessiert sich für Grenzsituationen und für Charaktere, die von der Norm und den Erwartungen abweichen. In „Unland“, einer Geschichte, die sich um die 13-jährige Ich-Erzählerin Franka entfaltet, beschäftigte sich Wagner außerdem mit dem Dr. Jekyll- und Mr. Hyde-Thema. Es geht um Menschen, die ein geheimnisvolles Schattendasein an einem ebenso geheimnisvollen Ort führen, in Unland.

Apokalyptisches Jugendbuch

Auch Wagners neues Buch, an dem sie in Esslingen arbeiten wird, ist ein Jugendbuch: Einen apokalyptischen Super-Gau, der fast alles Leben auf der Erde zerstört, überlebt nur eine Gruppe Jugendlicher. Sie kennen sich nicht und müssen gemeinsam die Extremsituation bestehen. „Die ganze Welt ist erstarrt“, sagt die Autorin. Sie muss sich vorstellen, wie die Welt aussehen würde, wenn es ganz still wäre. Nun ist das Bahnwärterhaus nicht gerade ein Ort der Ruhe, doch das stört sie nicht: „Es ist spannend, an einem Ort, an dem sich alles dreht, über die Stille zu schreiben. Und ich habe bisher gar nicht gewusst, dass Züge so viele unterschiedliche Töne machen.“

Artikel vom 31.07.2009 © Eßlinger Zeitung

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