Gemeinsam peinsam
Nanette Bursteins unromantische Fernbeziehungskomödie „Verrückt nach dir“
Esslingen - Die Kalifornierin Erin ist Praktikantin bei einer New Yorker Zeitung und will nach einem beruflichen Dämpfer abends einen draufmachen. In der Bar trifft sie Garrett, der gerade von seiner Freundin verlassen wurde. Die beiden verstehen sich sofort und beschließen, Erins Zeit in New York gemeinsam zu verbringen. Und merken dann, dass sie sich verliebt haben. So beginnt in Nanette Bursteins Fernbeziehungskomödie „Verrückt nach dir“ eine Hängepartie, wie sie viele Paare durchmachen.
„Wozu gibt es Flieger und SMS?“, sagen sich die beiden Turteltäubchen, die aus beruflichen Gründen erst mal nicht zusammenziehen kön-nen. Ab und zu kommt es zum Live-Kontakt, bei dem die jeweiligen Bekannten eifersüchtig die überschießenden Gefühle samt heißem Sex beobachten. Doch es naht der Tag, an dem sich die zwei angesichts neuer Perspektiven entscheiden müssen: zu mir oder zu dir? Oder doch lieber solo? Vor dem realistischen Hintergrund eines modernen Paares, bei dem jeder abwägt, ob die Investition in Gefühle, Zeit und in einen Verzicht auf lukrative Stellen lohnt, wollte Regisseurin Nanette Burstein mit diesem Film eine ostentativ unromantische Beziehungskomödie inszenieren. Verschärfter Sex-Slapstick, rasanter Dialogwitz und ein Hauptdarsteller, der sich öfter nackig macht als seine Partnerin, sorgen für Kurzweil.
So wird die Geschichte des ratlosen Paares von unterirdischen Figuren wie Erins neurotischer Schwester und Garretts WG-Kumpeln dekoriert. Sie sorgen für breit ausgewalzte Schlüpfrigkeiten und einen Anal-Humor, für den die Protagonisten längst zu alt sind. Schlimmer noch: Hauptdarstellerin Drew Barrymore springt auf den gleichen Zug auf und gibt sich mittels betont dreckiger Lache und besoffenen Herumkrakeelens auch noch bereitwillig als weibliche Variante dieser Vulgärclowns. Was ihr Gegenpart Justin Long als eher zivilisierter Zeitgenosse mit seinen WG-Dödeln zu schaffen hat, erschließt sich dem Zuschauer auch nicht. Gerade bei Stehauffrau Barrymore, die sich vom „E.T.“-Kinderstar zur ernstzunehmenden Schauspielerin und taffen Produzentin gewandelt hat, wirkt die Anbiederung an die Gepflogenheiten eines Genres, das auf pubertierende Jungs gemünzt ist, besonders peinsam.



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