Turbulente Tage auf der Überholspur
Nicholas Stoller bringt in „Männertrip“ die heimlichen Stars von „Nie wieder Sex mit der Ex“ groß raus
Esslingen - Vor zwei Jahren waren sie die heimlichen Stars in Nicholas Stollers Komödie „Nie wieder Sex mit der Ex“ - nun rücken Jonah Hill und Russell Brand selbst in den Mittelpunkt. Stoller hat den beiden eine Komödie auf den Leib geschneidert, in der Brand und Hill richtig Gas geben dürfen. „Männertrip“ heißt dieser köstliche Streifen, der mit starken Typen und vielen Gags Laune macht. Einfach nur eine Fortsetzung von „Nie wieder Sex mit der Ex“ zu drehen, wäre Nicholas Stoller zu billig gewesen - und wahrscheinlich hätte die Story eine Fortsetzung auch nicht mehr überzeugend getragen. Dagegen war dem Regisseur klar, dass in Jonah Hill und Russell Brand noch mehr Potenzial steckt: „Die beiden hatten eine großartige Chemie. Und am Set waren sie einfach schreikomisch zusammen.“ Diesen Eindruck dürfen sie nun in der ersten Reihe von Stollers „Männertrip“ bestätigen.
Wandelnde Zeitbombe
Der britische Rockmusiker Aldous Snow (Russell Brand) hat schon bessere Zeiten gesehen - nach einem musikalischen Flop hat seine Karriere einen Knick bekommen. Und als ihm auch noch seine Freundin Jackie Q (Rose Byrne) den Laufpass gibt, ist sein Absturz perfekt. Doch das Musikgeschäft kennt keine Skrupel. Weil der Plattenmogul Sergio Roma (Sean Combs) dringend nach neuen Ideen sucht, schlägt ihm der unbedarfte Medien-Neuling Aaron Green (Jonah Hill) vor, Aldous aus der Versenkung zu holen und zu einem Comeback-Konzert im Greek Theatre in Los Angeles zu überreden. Und während er versucht, Aldous mit allen Tricks von London nach LA zu bringen, tappt er von einer Katastrophe in die nächste. Aldous ist eine wandelnde Zeitbombe und tut alles, um Sergios Warnung zu bestätigen: „Künstler sind die schlimmsten Typen unter der Sonne. Wenn du ihnen den Rücken kehrst, dann auf eigene Gefahr.“
Der Brite Russell Brand, selbst ein Unikum im Showgeschäft, ist wie geschaffen für die Rolle des durchgeknallten Rockstars. Und er genießt es sichtlich, noch weitaus mehr aus der Figur des Aldous Snow herauszuholen als in „Nie wieder Sex mit der Ex“. „Dass diese Figur hängengeblieben ist, liegt wohl daran, dass Aldous in diesem Zeitalter des Celebrity-Wahns ein ungewöhnlicher Star ist“, glaubt Brand. „Er ist nicht einfach bloß eine unausstehliche Knalltüte. Das ist er zwar auch, aber zugleich hat dieser Blödmann bei aller Überheblichkeit und selbstzerstörerischen Tendenzen ein gutes Herz und eine große Verletzlichkeit an sich.“
Ihren wahren Reiz bezieht diese Figur jedoch aus dem Kontrast zum bieder-braven Aaron, der von Jonah Hill durch und durch überzeugend verkörpert wird: Anfangs ist er begeistert von der Begegnung mit seinem Idol, doch mit der Zeit fällt es ihm immer schwerer, sich mit diesem Leben zu arrangieren - zumal er ja noch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hat und nie sicher sein kann, mit welcher Katastrophe Aldous als Nächstes aufwarten wird. Weil die beiden in jeder Sekunde für einen Lacher gut sind und weil der Film zwischendurch auch einige Cameo-Auftritte bekannter Stars bietet, nimmt man es billigend in Kauf, dass Regisseur und Drehbuchautor Nicholas Stoller eher witzige Episoden aneinanderreiht, als dass er eine perfekt durchkomponierte Geschichte erzählen würde.



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