EZ-WEIHNACHTSSPENDENAKTION
Neue Freiheit auf drei Rädern
KREIS ESSLINGEN: 18-Jähriger hat seit der Geburt Motorik- und Gleichgewichtsprobleme und bekommt ein Spezialrad
„Er war ein ganz anderer Mensch“, sagt die Mutter. „Er war unternehmungslustiger, auch die Schule hat ihm mehr Spaß gemacht“, ergänzt der Vater. Die Eltern von Benedikt F. schildern, wie sich ihr Sohn entwickelt hat, als er für einige Wochen probeweise mit einem auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Fahrrad unterwegs war, sich körperlich regelmäßig belastete und austobte. Ein Blutgerinsel im Kopf hat in den Wochen um die Geburt dafür gesorgt, dass der heute 18-Jährige den rechten Arm und das Bein nur eingeschränkt einsetzen kann und es ihm an Gleichgewichtssinn fehlt. Ein solches Rad zu kaufen überstieg bislang die finanziellen Möglichkeiten der Familie, die in einer Kreisgemeinde lebt. Jetzt haben mehrere Beteiligte zusammengelegt und die Anschaffung ermöglicht - auch Gelder aus der EZ-Weihnachtsspendenaktion fließen mit ein. Benedikt freut sich bereits, mit dem Dreirad, auf dem er im Liegen in die Pedale tritt, loszuziehen, in die Schule zu fahren und Touren zu unternehmen. „Ein tolles Weihnachtsgeschenk“, sagt er freudestrahlend.
Vier Monate nach der Geburt ist Benedikts Behinderung erstmals augenfällig geworden. Untersuchungen ließen erkennen, dass ein Blutgerinsel, das sich auch pränatal vorübergehend im Kopf eingenistet haben kann, seine Spuren hinterlassen hat. „Die ganze Bewegungsentwicklung war verzögert“, sagt die Mutter. Und das, obwohl sofort mit Krankengymnastik und Ergotherapie gegengesteuert wurde. Bis heute hat er Feinmotorik-Probleme mit der rechten Hand, etwa beim Knöpfe zumachen. Die Koordination von rechter und linker Hand fällt schwer. Den Fuß kann er nicht abrollen, das Bein ist etwas kürzer und deutlich schwächer als das linke. An Sport ist kaum zu denken.
Singen ist seine Leidenschaft
Als Kind versuchte sich Benedikt mit dem Fahrradfahren, stürzte mehrmals und gab es auf. In der Schule wurde er gehänselt. Doch er ließ sich nicht unterkriegen, heute steht er vor dem Realschulabschluss. Danach will er die Fachhochschulreife machen und dann Gesang studieren. Denn Singen ist seine Leidenschaft. Er singt nicht nur gemeinsam mit der Mutter in einem Kirchenchor, sondern nimmt auch Gesangsunterricht.
Dass er darüber hinaus seinen Bewegungsdrang ausleben kann, dafür sorgt nun das neue Fahrrad. Mutter und Vater sind froh, dass ihr Sohn dann nicht mehr so viel Zeit vor dem Computer verbringen wird. Vor vier Jahren hat die Familie einen Mann kennengelernt, der an Parkinson erkrankt ist und auf einem solchen Gefährt unterwegs war. Der Junge durfte es ausprobieren und fand sofort Gefallen daran. Man freundete sich an und der Mann überließ Benedikt das Dreirad sogar für mehrere Wochen. Mit den eingangs beschriebenen Auswirkungen. Die Motorik stabilisierte sich, sein allgemeines Befinden verbesserte sich, er wurde selbstständiger. „Meine Bewegungsfreiheit war wesentlich größer“, sagt Benedikt. Und das Training schlug an, er war auf Rädern sogar schneller unterwegs als sein Vater mit Drahtesel.
Mehrere tausend Euro kostet das Spezialrad. Die AOK steuert etwas bei, der Händler Kaiser in Schorndorf gewährt ebenso Rabatt wie der Hersteller Hase. Und die Familie erbittet Weihnachtsgeschenke in monetärer Form. Mehr ist allerdings nicht drin. Sämtliches Erspartes ist aufgebraucht. Der Vater hat zwar einen 400-Euro-Job, sucht aber Arbeit, am liebsten als Mediengestalter. Der Verdienst der Mutter als Erzieherin ist zu gering, als dass neben der Versorgung der Familie - Benedikt hat noch zwei Schwestern - Rücklagen gebildet werden könnten. Daher wird mit Spenden die Differenz zum Kaufpreis ausgeglichen.



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