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Ein Kulturangebot der besonderen Art

ESSLINGEN: Außer Oper gibt es fast alles - Neckar Forum ergänzt das Programm - Eine Stadt mit einem vielfältigen Konzertleben

 
 
 

Von Hermann Dorn

Wer das Esslinger Kulturleben kennt, gerät gern ins Schwärmen. So vielseitig ist das Programm, dass Kenner behaupten, unter Städten dieser Größe sei Esslingen die Nummer 1. Gern werden in diesem Zusammenhang die Glanzlichter aufgezählt: 300 Konzerte pro Jahr, die meisten davon unter Beteiligung der örtlichen Vereine und Chöre. Die Württembergische Landesbühne, das Marionettentheater Lima, die Galgenstricke, die Meisterkonzerte und die Dieselstraße dürfen ebensowenig fehlen wie LesArt und die vielen anderen Adressen, die zumeist in der Innenstadt liegen und das Kulturleben prägen. Wenn es eine Lücke gibt, dann höchstens die Oper, die sich Städte wie Esslingen mit Rücksicht auf die hohen Kosten aus nachvollziehbaren Gründen nicht leisten können.Qualitativ und quantitativ hat das Programm ein Niveau erreicht, das nur noch schwer zu steigern ist. Erwartungen, das Neckar Forum könnte diese Sparte noch wesentlich ausbauen, erteilt Kulturreferent Peter Kastner eine Absage. „Von Anfang an war klar, dass das vorhandene Angebot lediglich ergänzt wird“, betont er. Eine Konkurrenz für die Landesbühne, die Kleinkunst oder andere Aktivitäten wolle man bewusst verhindern. Diese Vorgabe passt zu der Nebenrolle, die Kastner und sein Referat im fünf Jahre alten Neckar Forum spielen.

Konstanter Anteil

Während die Kollegen in Filderstadt einen eigenen Etat besitzen, um in der Filharmonie eigene Akzente zu setzen, ist der Stadt Esslingen solcher Ehrgeiz fremd. Der Schwerpunkt in ihrer guten Stube liegt eindeutig auf dem geschäftlichen Sektor. „Tagungen und Ausstellungen haben einen Anteil von 70 Prozent“, berichtet Monika Riexinger, Geschäftsführerin von Esslingen Live. Für gesellschaftliche Veranstaltungen wie Bälle und Vereinstermine hat sie 15 Prozent ausgerechnet. Bleiben 15 Prozent für die Kultur - ein Wert, bei dem es auch in Zukunft bleiben dürfte.

Hatte es anfangs wegen mangelnder Nachfrage noch die eine oder andere Absage gegeben, so scheint die Mischung inzwischen zu stimmen. Die 22 Kulturveranstaltungen, die jedes Jahr organisiert werden, haben zuletzt stets ihr Publikum gefunden. Wenn „Hannes und der Bürgermeister“ auf dem Spielplan steht, strömen die Besucher ebenso wie bei Kaya Yanar, Jürgen von der Lippe oder bei der SWR 3-Comedy-Show. Die zentrale Säule in der Kultursparte des Neckar Forums bilden nach wie vor die Meisterkonzerte. Obwohl die Zahl der Abonnenten jährlich um mehr als drei Prozent sinkt, ist Kastner nicht unzufrieden. „Die Klassik kämpft überall mit Schwierigkeiten“, sagt er und berichtet von Kommunen, die angesichts eines Rückgangs von 15 Prozent im Jahr ihre Konzertreihen ganz einstellen müssen. Vorboten für einen ähnlichen Absturz vermag er in Esslingen nicht zu erkennen, weshalb er die Entwicklung bislang recht gelassen verfolgt.

Dieselstraße willkommen

Als willkommener Gast ist zuletzt das Kulturzentrum Dieselstraße verstärkt aufgetreten. Ob Dieter Hildebrandt oder Urban Priol dort angekündigt wurden - die Karten waren zumeist ausverkauft. Monika Riexinger hätte gegen einen Ausbau der erfolgreichen Zusammenarbeit nichts einzuwenden.

Eingespielt hat sich Monika Riexinger zufolge auch die Nutzung der guten Stube durch die Esslinger Vereine. Nach der Eröffnung hatte es noch Proteste über angeblich viel zu hohe Kosten gehagelt. Inzwischen scheint das Angebot der Stadt, unter bestimmten Voraussetzungen hohe Zuschüsse zu gewähren, mehr Akzeptanz zu finden. Monika Rie­xinger leitet diese Einschätzung aus der Tatsache ab, dass die Zahl der Vereinstermine mit elf pro Jahr konstant geblieben ist.

Miete und Nebenkosten halten der Geschäftsführerin zufolge problemlos einen Vergleich mit anderen Städten aus. Laut Kulturreferat kann eine Belegung über zehn Stunden bis zu 8000 Euro kosten. Weil die Stadt unter gewissen Voraussetzungen bis zu 5000 Euro erlässt, geht die Rechnung für eine ganze Reihe von Vereinen auf. Die verbleibende Lücke schließen sie in der Regel mit den Eintrittspreisen.

 

Artikel vom 13.07.2010 © Eßlinger Zeitung

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