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Sportvereine pflegen ihre alten Wurzeln

ESSLINGEN: Turnerschaft und SV 1845 sind in der Stadtmitte weiter mit einem vielfältigen Angebot präsent - Fußballer gehen nach Sirnau

 
 
 

Von Hermann Dorn

Jeder Stadtteil in Esslingen hat seinen eigenen Sportverein. In Oberess­lingen gibt es den VfB, in Berkheim den TSV, in Sulzgries den TSV RSK. Die Reihe ließe sich fast beliebig fortsetzen. Ins Stocken droht man erst zu geraten, wenn es um die Innenstadt geht. Wer sich in der Vereinsszene ein wenig auskennt, kann bei diesem Thema allerdings schnell für Klarheit sorgen. Der Blick fällt auf zwei traditionsreiche Clubs, die mit einem vielfältigen Angebot in diesem Stadtteil präsent sind: Die Turnerschaft Esslingen und die Sportvereinigung 1845.Sportarten, die im Freien ausgeübt werden, bieten beide Vereine am Stadtrand an. Die Turnerschaft besitzt am Jägerhaus ein Stadion mit Laufbahn sowie eine großzügige Tennisanlage. Die SV 1845 hat in Weil und in der Pliensauvorstadt ein vergleichbares Domizil geschaffen. Wenn es um die sportlichen Angebote in der Halle geht, zieht es aber beide Vereine nach wie vor auch in die Innenstadt. „Dort liegen die Wurzeln unseres Vereins“, erzählt Ulrich Fehrlen, der Vorsitzende der Turnerschaft. Für solche Verbundenheit gibt es aber nicht nur historische Gründe. In der Innenstadt finden die Vereine die räumlichen Voraussetzungen, um ein umfangreiches Angebot zu organisieren, das vor allem auf den Breitensport zielt. Prävention, Gesundheit, Fitness, Gymnastik lauten die Stichwörter, die bei diesen Aktivitäten im Mittelpunkt stehen - Aktivitäten, die eine beachtliche Resonanz finden und im Vereinsleben längst eine zentrale Rolle spielen.

Zielgruppe in der ganzen Stadt

2100 Mitglieder zählt die Turnerschaft. Damit gehört sie zu den größten Sportvereinen in der Stadt. „Unsere Zielgruppe ist auf ganz Esslingen verteilt“, sagt Fehrlen. Die Innenstadt spielt aber eine zentrale Rolle. Dort liegen die Ursprünge des Vereins, der aus der Turngemeinde und dem Turnerbund hervorgegangen ist. Viele Mitglieder kommen bis heute aus diesem Stadtteil. Über mangelnden Zulauf kann sich Fehrlen nicht beklagen. Die 22 Kurse, die auf mehrere Hallen wie die am Georgii-Gymnasium verteilt werden, werden sehr gut besucht. Der Vorsitzende blickt aus diesem Grund recht gelassen auf die Sportstudios, die im Dick und vielen anderen Häusern entstanden sind. „Ich sehe da keine Konkurrenz.“

Seit Jahrzehnten ist die Sportvereinigung 1845 in Weil zuhause. Diese Tatsache ändert nichts daran, dass es sich im Selbstverständnis des Vereins um einen Verein für Esslingen, speziell aber für die Innenstadt handelt. Das gilt vor allem für ältere Mitglieder, die um die Ursprünge des Vereins wissen. Es handelt sich um einen der ältesten Turnvereine des ganzen Landes, der seine ersten Turnstunden im Alten Rathaus und auf dem Marktplatz abgehalten hat. Vor mehr als 100 Jahren ermöglichte eine Turnhalle in der Blumenstraße einen Aufschwung.

Auch nach dem Umzug auf die andere Neckarseite fühlt sich der Vorstand verpflichtet, in der Innenstadt ein attraktives Sportangebot zu unterbreiten. Neben dem Gesundheitssport liegt das Augenmerk stark auf der jungen Generation. SV-Vorsitzende Margot Kemmler sieht in diesem Engagement eine wichtige Voraussetzung für den Verein, den Weg in die Zukunft erfolgreich zu gestalten. „Wir versuchen vor allem in der Innenstadt junge Menschen zu gewinnen.“ Der Schwerpunkt der Aktivitäten in diesem Stadtteil liegt auf dem Vorschulturnen. An der Burgschule und in der Neckarsporthalle werden mehr als zwölf Kurse angeboten. Zu den Rennern gehört das Mutter-Vater-Kind-Turnen. Die rhythmische Sportgymnastik kommt so gut an, dass sogar ein Aufnahmestopp gilt.

Viele Adressen für die Fußballer

Obwohl in der Innenstadt ein richtiger Sportplatz fehlt, gibt es für die Jugend genügend Möglichkeiten, Fußball zu spielen. Wer sich mit dem Kleinspielfeld am Schelztor nicht begnügen will, geht in der Regel nach Weil und in die Pliensauvorstadt, wo die SV 1845 ihren Nachwuchs betreut. Eine gefragte Adresse ist traditionell auch die Sportgemeinschaft Sirnau. „In unserem kleinen Stadtteil gibt es gar nicht so viele Kinder, wie wir sie für unsere Mannschaften brauchen“, sagt Alwin Gschwendner. 200 Mitglieder zählt die Jugendabteilung, nur 40 von ihnen kommen aus Sirnau. Mindestens ebenso viele wohnen in der Innenstadt, wo es sich längst herumgesprochen hat, dass die SG eine gute Adresse ist. Gezielte Werbung muss Gschwendner in der Stadtmitte nicht mehr betreiben. „Es hat sich herumgesprochen, dass wir uns über das Interesse aus benachbarten Stadtteilen freuen.“ Probleme mit der Erreichbarkeit gibt es nicht. Die Eltern der Kinder bilden Fahrgemeinschaften. Oder die Nachwuchskicker fahren mit dem Rad nach Sirnau.

Sport in der Innenstadt - diese Beispiele zeigen, dass es sich um ein viel weiteres Feld handelt, als auf den ersten Blick scheinen mag. Neben den genannten Vereinen gibt es weitere Adressen. Dazu gehört der Tischtennisclub Esslingen, der vor Jahrzehnten sogar in der Bundesliga gespielt hat. Oder der Basketball Verein Hellas, der seit 15 Jahren eine Erfolgsgeschichte schreibt. So vielfältig ist die Szene, die Stadtteilgrenzen überschreitet, dass eine Aufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit beanspruchen könnte. Sie soll an dieser Stelle auch erst gar nicht versucht werden.

 

Artikel vom 13.07.2010 © Eßlinger Zeitung

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