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Hellwache Freunde der Altstadt

ESSLINGEN: Geschichts- und Altertumsverein sammelt historische Zeugnisse, mischt sich bei Bedarf aber auch ein

 
 
 

Von Hermann Dorn

Wenn sich die Esslinger Stadtplaner anschicken, Hand an die historische Bausubstanz in der Innenstadt zu legen, ist der Geschichts- und Altertumsverein (GAV) meistens nicht fern. Die Vorhaben werden kritisch durchleuchtet. „Wir sind auf der Hut“, sagt Traute Scheuffelen, die Vorsitzende des Geschichts- und Altertumsvereins. Das jüngste Beispiel für diese Wachsamkeit lieferten sie und ihre Mitstreiter kürzlich, als es um den Wettbewerb für die Neue Weststadt ging. Der GAV witterte die Gefahr, der Rang der historischen Gebäude in der Mettinger Straße könnte verkannt werden. Obwohl die Objekte nicht unter Denkmalschutz stehen, hält sie der Verein für erhaltenswert. Mit Nachdruck sprach sich der Vorstand folglich dafür aus, diese Position in die Ausschreibung für den Wettbewerb aufzunehmen. Am Ende stand ein Kompromiss, mit dem Traute Scheuffelen zunächst leben kann.Erfahrungen über viele Jahre hinweg ermutigen den GAV, sich immer wieder einzumischen. „Wir betrachten es als unsere Aufgabe, die Stadtplanung kritisch zu begleiten“, sagt die Vorsitzende, die vor etwas mehr als einem Jahr dieses Amt übernommen hat. Besonders gut in Erinnerung ist bis heute der Einsatz für das ehemalige Schelztorgymnasium am Bahnhof, das Mitte der 90er-Jahre bereits mit dem Segen des Gemeinderats und Regierungspräsidiums zum Abbruch freigegeben worden war. Nur dem beharrlichen Widerstand des GAV war es damals zu verdanken, dass die Bagger am Ende doch nicht anrückten. Der Rest ist bekannt: Nach einer umfangreichen Sanierung ist das Landesdenkmalamt in die frühere Schule eingezogen.

Abbruch verhindert

Stolz blickt der Verein, der vor 102 Jahren gegründet worden ist, auch auf die Auseinandersetzung um die frühere Gaststätte Hindenburg in der Kanalstraße zurück. Weil die Bausubstanz angeblich nicht mehr zu erhalten war, hatte das Land bereits die Weichen gestellt, um das Gebäude neben dem Kommunalen Kino abzubrechen. Dass es dem GAV gelungen ist, den Gang der Dinge zu stoppen, gehört zu den großen Erfolgen in der Vereinschronik. Nachdem eine umfassende Sanierung das Objekt wieder in ein positives Licht gerückt hat, darf sich der Vorstand im Widerstand gegen den zunächst unvermeidlich scheinenden Abbruch bestätigt sehen.

Zuletzt hat der Verein an der Alten Feuerwache einen Rückschlag einstecken müssen. Trotz heftigem Widerstand gibt es dort grünes Licht für einen gläsernen Vorbau, der nach Meinung von Traute Scheuffelen nicht in das Stadtbild passt. An ihrer Entschlossenheit, die Stadtplanung weiterhin kritisch zu begleiten, hat sich aber nichts geändert. Mit der aktuellen Entwicklung in der Innenstadt zeigt sich der GAV zufrieden. „Der neue Stadteingang am Landolinsplatz ist gelungen“, lobt die Vorsitzende und hebt die überzeugende Einfügung in das Umfeld zwischen Neckar Forum und Webergasse hervor. Ebenfalls positiv äußert sie sich über die Arbeiten am Marktplatz. „Dass sich ein kompetenter Investor der alten Bausubstanz angenommen hat, muss alle Freunde der Altstadt freuen.“

Ein riesiger Schatz

Alle Fortschritte bei der Sanierung historischer Objekte in der Innenstadt ändern aber nichts daran, dass der GAV-Vorstand auch Anlass zur Sorge sieht. „Wir müssen aufpassen, dass das Umfeld nicht zur bloßen Kulisse wird“, mahnt die Vorsitzende. Nach ihrer Wahrnehmung reicht die bisherige Regelung, die für Feste und sonstige Veranstaltungen eine Grenze zieht, nicht mehr aus. Vielmehr müsse das Ordnungsamt dem Trend, immer mehr private Feste zusätzlich zu organisieren, endlich einen Riegel vorschieben. „Nur so sichern wir auf Dauer die Wohnqualität.“

Über dem Engagement für die Innenstadt will der Geschichts- und Alterstumsverein seine ureigenste Aufgabe nicht vernachlässigen. Seit seiner Gründung sammelt und pflegt er historische Zeugnisse. Für das Stadtmuseum bilden sie einen riesigen Schatz. 400 Mitglieder kümmern sich um dieses Erbe. Den Beitritt weiterer Mitstreiter würde nicht nur Traute Scheuffelen begrüßen.

 

Artikel vom 13.07.2010 © Eßlinger Zeitung

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