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Autark bis hin zum Bücherregal

's für alle Altersgruppen ein Angebot - TSG bringt es auf doppelt so viele Jahre wie Esslingens jüngster Stadtteil

  Iris Betz und Regina Gutke (von links) gehören zu den Ehrenamtlichen, die die Zollberg-Bücherei in der Waldheimstraße 7 am Laufen halten. Träger der Stadtteilbücherei ist der Zollberg-Förderverein. Foto: Bulgrin
 

Iris Betz und Regina Gutke (von links) gehören zu den Ehrenamtlichen, die die Zollberg-Bücherei in der Waldheimstraße 7 am Laufen halten. Träger der Stadtteilbücherei ist der Zollberg-Förderverein. Foto: Bulgrin

 

Von Claudia Bitzer

In einem Stadtteil, der vor gerade einmal zwei Jahren offiziell seinen 50. Geburtstag gefeiert hat, sucht man in der Regel vergebens nach alteingesessenen Vereinsstrukturen. Für den 5100 Einwohner großen Zollberg trifft das auch zu - bis auf eine historische Ausnahme. 1898 wurde der damalige Arbeiterturnverein (ATV) Esslingen gegründet - die heutige Turn- und Sportgemeinschaft, kurz TSG Esslingen. „1953 stand außer unserem Vereinsheim noch kein Wohnhaus auf dem Zollberg. Von der Zollbergstraße aus mussten wir über einen Feldweg aufs Waldheim marschieren.“ So erinnert sich Werner Pirner, der lange Jahre als Vorsitzender den Verein prägte, an seine ersten Berührungspunkte mit dem damaligen ATV.Der Stadtteil, der aufgrund der Wohnungsnot in den Nachkriegsjahren auf dem Reißbrett entstanden war und etwa ab 1956 aufgesiedelt wurde, bot zahlreichen Menschen aus Nah und Fern eine neue Heimat. Mittlerweile liest man nur noch selten von den Treffen der verschiedenen Landsmannschaften. Der Generationenumbruch ist voll im Gange, die Menschen auf dem Zollberg sind zusammengewachsen. Das Ehrenamt in den beiden Kirchen trägt viel vom Miteinander im Stadtteil. Der Arbeiter-SamariterBund (ASB), der mit seiner Kreisgeschäftsstelle im Jusiweg präsent ist, und der Krankenpflegeverein sorgen dafür, dass die Menschen auch im Alter nicht auf ihr gewohntes Umfeld verzichten müssen.

Neuer Gemeinschaftsraum

Seit sich Bürgerausschuss, Zollberg-Förderverein, Stadt und Baugenossenschaft Esslingen dem Thema Mehrgenerationenwohnen auf dem ehemaligen Jugendherbergsgelände angenommen haben, steht dort auch ein neuer, großer Raum samt Küche fürs Miteinander zur Verfügung, den alle Zollberger bei der Baugenossenschaft anmieten können. Bürgerausschuss und Förderverein haben sich mit Inventar- und Sachspenden für das 180 Quadratmeter umfassende Gemeinschaftsangebot im Mehrgenenerationenprojekt in der Neuffenstraße eingebracht. „Das Angebot muss noch bekannter werden“, wirbt der Bürgerausschussvorsitzende Peter Zürn für die neuen Räume und die Verzahnung der Mehrgenerationen-Blocks mit dem Stadtteil.

Anfang der 1990er-Jahre wurde der Zollberg-Förderverein gegründet - eigentlich als Trägerverein, wie der heutige Vorsitzende Rüdiger Brotzer erläutert. Denn unter dem Keller der Christuskirche entstand mit dem „Kapp-Uff“ der Vorläufer des heutigen Jugendtreffs t1. Der wurde dann aus 17 ehemaligen Wohncontainern auf dem Gelände der Zollberg-Realschule errichtet. Zum Januar 2002 hatte das Evangelische Jugendwerk (Eje) vom DRK die Trägerschaft für den Treff in der Traifelbergstraße 1 übernommen.

1994 hatte die Stadt beschlossen, die Stadtteilbüchereien in Oberesslingen und auf dem Zollberg aufzugeben und stattdessen den Bücherbus einzusetzen. Brotzer: „Wir hatten uns damals im Bürgerausschuss aber dafür ausgesprochen, unsere Bücherei ehrenamtlich weiterzubetreiben.“ In der Tat hat der Zollberg-Förderverein dann Bücherei inklusive Inventar übernommen. Ein öffentlich-rechtlicher Vertrag mit der Stadt, abgeschlossen im Jahr 1996, regelt die Modalitäten: Der Förderverein stellt das Personal, die Stadt zahlt die Miete und einen jährlichen Zuschuss für die Medien. „Wir haben keinerlei Personalprobleme und verlangen keinerlei Ausleihgebühren“, ist Brotzer stolz darauf, dass derzeit insgesamt 13 Ehrenamtliche die Bücherei sechs Stunden in der Woche öffnen können. Mehr als 15 000 ausgeliehene Medien verzeichnete die Stadtteilbücherei im vergangenen Jahr, genutzt von fast 300 Lesern. „Und wir planen jetzt sogar im Mehrgenerationenhaus in der Neuffenstraße eine kleine Zweigstelle“, sagt Brotzer.

Auf dem Zollbergfest des Zollberg-Fördervereins, das im September wieder auf dem Gelände der Württembergischen Landesbühne stattfinden soll, manifestiert sich der gewachsene Gemeinsinn. Brotzer: „Wir hatten es 1992 ins Leben gerufen, um für alle Vereine und Vereinigungen auf dem Zollberg ein gemeinsames, identitätsstiftendes Fest auszurichten. „Auch hier war und ist die TSG Esslingen ein wichtiger Partner für uns“, ergänzt der Bügerausschussvorsitzende Zürn. „Zudem setzt sie mit ihrer Waldbühne auch eigene tolle kulturelle Akzente auf dem Zollberg.“

Stolz auf die WLB

Bürgerausschuss und Förderverein sind stolz darauf, die Studiobühne und die Werkstatt der Württembergischen Landesbühne Esslingen (WLB) beherbergen zu können. Die WLB bringt überregionale Strahlkraft in den Stadtteil - ganz besonders beim jährlichen Theaterball.

Dass auf dem Zollberg nicht nur überdurchschnittlich viele Ältere, sondern auch viele Jüngere leben, wird von Außen oft nicht so recht wahrgenommen. Dabei bietet der Stadtteil nicht nur eine umfangreiche Schul- und Betreuungslandschaft für die Kinder und Jugendlichen. „Rock am Stock“ lockt auch diejenigen, die sich laut Personalausweis nicht mehr zu den Jüngsten zählen dürfen.

Und mit der freien Kindergruppe Hoppelhasen, der Jugendfarm auf dem Eisberg und der TSG samt ihrem Waldheim verfügt der Zollberg über weitere Einrichtungen, die Menschen aus der ganzen Stadt in den Esslinger Süden führen.

 

Artikel vom 29.06.2010 © Eßlinger Zeitung

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