Ein Platz der Begegnung
ES-ZELL: Obst- und Gartenbauverein widmet sich auch der Heimatpflege - Eigenleistung ermöglicht Treffpunkt neben dem Backhaus
Wenn Alfred Straub in seinen Erinnerungen gräbt, hat er Bilder wie diese vor Augen: Vor den Häusern in Zell stehen alte Bänke. Dorfbewohner lassen den Tag ausklingen, trinken einen Most und laden Nachbarn und Bekannte zu einem Schwätzchen ein. „Schade, dass diese Sitzplätze verschwunden sind“, sagt der Senior, der bis heute den örtlichen Obst-und Gartenbauverein leitet. Inzwischen kann er den Verlust besser verschmerzen. Denn in zentraler Lage entsteht direkt neben dem Backhaus in Zeller Eigenleistung so etwas wie ein Ersatz. Dort gibt es neuerdings einen kleinen Platz mit Sitzbänken.Das Miteinander, das mit dieser Stelle gefördert werden soll, hat während der Arbeit schon gut funktioniert. Zu den Helfern um Alfred Straub, die schon das alte Backhaus saniert haben, sind neue Gesichter gestoßen. Klaus Hirth zeigte sich von dem Vorhaben so angetan, dass er spontan seine Mithilfe anbot. Was zunächst nur als einmaliger Einsatz gedacht war, entwickelte sich bald zum Hobby. „Das hat Spaß gemacht“, sagt Klaus Hirth, der zusammen mit Alfred Straub auch einen Torbogen gemauert hat.
Stadt zahlt nur das Material
Mit ihrem Einsatz haben die Zeller ein Vorhaben gerettet, das bereits dem Rotstift zum Opfer gefallen war. 50 000 Euro sollte der vorläufige Abschluss der städtischen Investitionen im Zeller Ortskern kosten. Das war Verwaltungsspitze und Gemeinderat in Zeiten leerer Kassen zu viel. Es spricht für die Zeller, dass sie sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden wollten. Die Vorstellung, es könnte bei dem provisorischen Parkplatz neben dem schmucken Backhaus bleiben, weckte ihre Phantasie. Am Ende stand ein Kompromiss: Die Stadt bezahlt 20 000 Euro für Material, den Rest übernehmen die Zeller in Eigenleistung.
Der Obst- und Gartenbauverein zeigt mit diesem Beispiel erneut, dass er die Heimatpflege zu seinen Anliegen zählt. „Wir wollen die Tradition pflegen“, sagt Jochen Straub, der Sohn des OGV-Vorsitzenden. Als Vorsitzender des Bürgerausschusses, als Abteilungsleiter im Turnverein Zell und als aktives Mitglied im OGV bringt er sich in das Leben des Stadtteils ein. Die Straubs sind aber nicht nur Schaffer. Sie freuen sich schon auf die Begegnungen, zu denen der Platz einlädt.
Zunächst muss die Gruppe, die aus bis zu zehn Helfern besteht, aber die letzten Arbeiten erledigen. Das Beet, das an der Grenze zum Nachbargrundstück angelegt worden ist, muss bepflanzt werden. Weinreben und kleine Obstbäume werden an die Zeit erinnern, als dieser Erwerbszweig den Stadtteil geprägt hat. Obwohl das Wasser fehlt, soll in den nächsten Tagen auch ein Brunnen gesetzt werden. Die Schuld, dass die Leitung vergessen worden ist, gibt man in Zell dem Esslinger Rathaus. Entgegen der Planung sei dieser Punkt einfach unter den Tisch gefallen. Beheben lässt sich dieses Versäumnis inzwischen nicht mehr. Das wäre auch aus Zeller Sicht unverhältnismäßig teuer.
Die Enttäuschung, dass der Brunnen nur bepflanzt werden kann, ändert nichts an der Freude über den Platz. „Wir werden ihn mit einem kleinen Fest der Öffentlichkeit übergeben“, kündigt Jochen Straub an. Während er noch über einen geeigneten Termin nachdenkt, hegt er schon einmal die Zuversicht, dass der Platz seiner Bestimmung entsprechend genutzt wird. In dieser Hoffnung wird er durch die Erfahrungen mit dem Backhaus bestärkt. „Unsere Erwartungen werden erfüllt.“




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