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IN DEN WEITEN HALLEN LAGERTEN DIE FELDFRüCHTE, IN DEN GROßEN KELLERN DER WEIN

In den weiten Hallen lagerten die Feldfrüchte, in den großen Kellern der wein

Dank archäologischer Grabungen weiß man über die Baugeschichte des Denkendorfer Pfleghofs relativ gut Bescheid. Heute erscheint das Gebäude in der Franziskanergasse 3 zwar sehr einheitlich. Es besteht aber aus drei verschiedenen Komplexen, die im Laufe der Zeit zusammengefügt wurden, hat Christian Ottersbach für das Buch „Zwischen Himmel und Erde - Klöster und Pfleghöfe in Esslingen“ recherchiert.

Die Grabungen im rückwärtigen Hof brachten hölzerne Vorgängerbauten aus dem 12. Jahrhundert zutage, die auf ein herrschaftliches Anwesen hindeuten, „darunter einen dendrochronologisch auf 1191 oder 1192 datierten Holzbau“. Aus dem Hochmittelalter stammen die beiden Keller sowie das steinerne Erdgeschoss des Südwestteils. Im Jahr 1444 wurde der rein wirtschaftlich genutzte Ostflügel gebaut, 1488 kamen der Oberbau des Südostteils und elf Jahre später dann der südwestliche Teil hinzu. Diese Neubauten ermöglichten die Lagerung von Feldfrüchten in weiten Hallen. In den großen Kellern im Vorderbau lagerte der Wein.

Als im 16. Jahrhundert die Westwand im zweiten Obergeschoss erneuert wurde, könnte nach den Erkenntnissen von Christian Ottersbach auch der Renaissance-Baumeister Heinrich Schickhardt seine Hände im Spiel gehabt haben. Denn im Inventar seiner Bauten erwähnt der Architekt den „In Mayerhofen“ gebauten Pfleghof, vermerkt aber, dass er „nur wenig“ daran gemacht habe. Unter Leitung des Kirchenratsbaumeisters Friedrich Goez wurde um 1771 das ehemalige Dachgeschoss umgebaut, so dass dort Wohnräume für den Blaubeurer Pfleger sowie ein Gästeappartement Platz fanden. 1783 bekam das Erdgeschoss eine neue steinerne Verblendung und der Pfleghof erhielt eine frühklassizistische Architekturbemalung.

Ab 1812 lässt sich im Denkendorfer Pfleghof der Gasthof „Schwanen“ nachweisen. 1871 baute man das zweite Obergeschoss des Ostflügels an der Landolinsgasse um. 1894 stand ein erneuter Umbau an: Für die Gelatinefabrik Langheck & Co. wurde das Haus aufgestockt, „so dass zum heutigen Blarerplatz hin eine monumentale Fassade entstand“, schreibt Ottersbach.

Zum Denkendorfer Pfleghof gehörte auch eine Kelter. Die stand allerdings nicht auf dem Areal am Blarerplatz, sondern neben der Kelter des Kaisheimer Pfleghofs und wurde beim Bau der Ringstraße abgerissen. daw

Unter dem Titel „Zwischen Himmel und Erde - Klöster und Pfleghöfe in Esslingen“ ist ein Buch erschienen das Kirsten Fast, ehemalige Leiterin der Esslinger Museen, und Joachim Halbekann, Leiter des Stadtarchivs, im Namen der Stadt Esslingen herausgegeben haben. Das Buch ist zum Preis von 20 Euro in den Buchhandlungen, im Stadtarchiv und Stadtmuseum, in der Ausstellung sowie bei der Stadtinfo im Kielmeyerhaus zu haben.

 

Artikel vom 18.11.2009 © Eßlinger Zeitung

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