Privilegien vom Kaiser
Esslingen (daw) - In einem Schutzbrief Papst Gregors IX. wird im Jahr 1229 erstmals ein Besitz des Klosters Bebenhausen in Esslingen erwähnt. Das Kloster war 1183 vom Pfalzgrafen Rudolf von Tübingen für Prämonstratenser gestiftet worden, „dann aber 1189 den Zisterziensern übertragen und mit Landbesitz und Privilegien ausgestattet“, hat Wolfgang Wille für das Buch „Zwischen Himmel und Erde - Klöster und Pfleghöfe in Esslingen“ recherchiert. Kaiser Friedrich II. befreite 1232 sämtliche Esslinger Besitzungen des Klosters von allen Steuern und Abgaben. 25 Jahre später musste sich das Kloster dann aber mit einem Schiedsspruch abfinden, durch den festgelegt wurde, dass der Reichsstadt für die Bebenhäuser Besitzungen in Esslingen eine jährliche Steuer von fünf Pfund Heller zusteht. Bei weiterem Gütererwerb sollte sich die Steuer erhöhen. In dieser Urkunde hat Wolfgang Wille auch eine Auflistung des Bebenhäuser Besitzes in Esslingen gefunden: ein Steinhaus in der Webergasse, ein Haus gegenüber, ein Haus bei den Minderbrüdern sowie 16,5 Morgen Weinberge und sechs Pfund Zinseinnahmen aus Häusern.
Im Jahr 1282 wurde die Steuer auf sechs Pfund erhöht. Sechs Jahre später schlossen das Kloster, das unter anderem durch zwei große Vermächtnisse seinen Besitz vermehrt hatte, und die Stadt einen neuen Steuervertrag. Darin wurde festgelegt, dass Bebenhausen jährlich eine pauschale Steuer von neun Pfund Heller zahlen musste. Dafür genoss es den Schutz der Stadt, war von allen weiteren Abgaben und Diensten befreit und durfte seine Güter unverzollt ein- und ausführen.
Plündernde Reichsstädter
Zwar geben die Urkunden und Akten, die Wolfgang Wille ausgewertet hat, kein vollständiges Bild vom Verhältnis des Klosters und seines Pfleghofs zur Stadt Esslingen. Doch scheinen die Beziehungen Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts „sehr eng und positiv gewesen zu sein“, was unter anderem daran liegt, dass zwei Bebenhäuser Äbte aus Esslingen stammten. Im Spätmittelalter standen die Bürger der Stadt dem Grunderwerb durch Klöster oder andere geistliche Körperschaften jedoch zunehmend kritisch gegenüber. Deshalb wurde verordnet, dass sie Liegenschaften, die ihnen gestiftet oder vererbt worden waren, binnen Jahresfrist wieder verkaufen oder gegen auswärtige tauschen sollten. Eine Urkunde von 1335 belegt, dass Bebenhausen dieser Verordnung nachkam.
Als Herzog Ulrich von Württemberg im Krieg mit dem Schwäbischen Bund 1519 Esslingen belagerte, trübte sich das Verhältnis aber, weil die Esslinger die Pfleghöfe der württembergischen Klöster als feindlichen Besitz ansahen und sie plünderten. Bebenhausen forderte daraufhin für den Verlust von Korn und Wein 430 Gulden Schadensersatz von der Reichsstadt. Doch die Esslinger ignorierten diese Forderung. 1525 griff Abt Johannes von Fridingen dann zur Selbsthilfe und beschlagnahmte in Stuttgart Salz und Eisen im Wert von 60 Gulden, die der Stadt Esslingen gehört hatten. Die drohte daraufhin, den Pfleghof zwangszuversteigern. Wie der Streit am Ende beigelegt wurde, „ist aus den Akten nicht ersichtlich“, schreibt Wolfgang Wille.
Fürstin zieht zur Miete ein
Nach der Reformation wurde der Bebenhäuser Pfleghof dem Kirchenrat unterstellt und fortan von einem württembergischen Pfleger verwaltet, der auch im Gebäude wohnte. Der Hof verlor aber zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Denn die württembergischen Dörfer der Umgebung wurden vom Stuttgarter Pfleghof aus verwaltet. Nur wenn dort der Platz ausging, wurden Getreide und Wein in Esslingen eingelagert. Da noch viel Platz im Haus war, suchte man nach Mietern. 1669 wird gemeldet, dass der Esslinger Spitalprediger im Bebenhäuser Pfleghof wohnte, 1676 war der Hospitalregistrator eingezogen und 1701 sogar eine Fürstin von Hohenzollern, für die man sogar einige Umbauten vornahm. Nach dem Ende der reichsstädtischen Zeit unterstand der Pfleghof der Stiftungsverwaltung und es zogen verschiedene gewerbliche Betriebe ein. 1980 kaufte die Stadt Esslingen dann den Pfleghof und ließ ihn für die Volkshochschule renovieren. Seit 1988 hat die Stadtbücherei ihr Domizil im Bebenhäuser Pfleghof.



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