STEINMETZZEICHEN WEISEN INS 13. JAHRHUNDERT
Der Bebenhäuser Pfleghof hatte zwar keine eigene Kelter, dafür aber eine Kapelle, die 1339 von dem Priester Albrecht von Owen gestiftet worden war. Wo sie genau lag, konnte Christian Ottersbach, der sich mit der Baugeschichte des Pfleghofs beschäftigt hat, jedoch nicht mehr nachvollziehen. Denn sie wurde 1770 zusammen mit dem in Fachwerk errichteten Wohnbau an der Webergasse abgerissen. Von diesem Wohnhaus ist nur noch der steinerne Unterbau erhalten. Im Westflügel des 1257 erstmals erwähnten Pfleghofgebäudes ist zwischen der Heu- und der Webergasse die Außenwand eines Wohnturms eingezogen, den Ottersbach ins 13. Jahrhundert datiert. „Steinmetzzeichen weisen darauf hin, dass auch noch die Mauern an der Webergasse, die zum ursprünglichen Wohnbau gehörten, aus dieser Zeit stammen“, schreibt er in dem Buch „Zwischen Himmel und Erde - Klöster und Pfleghöfe in Esslingen“, das im September erscheinen wird. Unklar ist, ob der Turm vom Kloster errichtet wurde oder aber „in stadtadeligem Besitz war und Bebenhausen als Schenkung übertragen wurde“, wobei Ottersbach Letzteres für wahrscheinlich hält.
Eine Attraktion ist der Aborterker, der - inzwischen natürlich mit einem modernem Fallrohr ausgestattet - noch immer benutzt wird. Wer vom Hafenmarkt aus in den Winkel zwischen dem Pfleghof und dem Haus in der Heugasse 7 schaut, sieht den Erker. Von diesem Winkel erzählt auch die Stadtführerin Heidi Gassmann ihren Gästen. Gemäß des Gewohnheitsrechts lud der Bauer, der seinen Hof nebenan hatte, die Hinterlassenschaften des Pflegers und seiner Leute auf seinen Wagen, um den Mist gemeinsam mit seinem eigenen auf der Neckarhalde zu entsorgen. Nachdem der alte Bauer gestorben war, verweigerte der junge Bauer die Reinigung des Winkels und den Abtransport des pflegerischen Mistes. Als er darauf angesprochen wurde, sagte er forsch: „Noi, et umsonscht.“ Der Jungbauer hatte Erfolg. Denn fortan, so die Anekdote, wurde seine Arbeit entlohnt.
Der West- und Südflügel des Bebenhäuser Pfleghofs wurde, wie dendrochronologische Untersuchungen am Dachstuhl und Fachwerk ergaben, 1499/1500 errichtet. Dabei wurde der Wohnturm aus dem 13. Jahrhundert mit Ausnahme der oben erwähnten Westwand abgebrochen. Der Westflügel bekam einen geräumigen Keller. Im Erdgeschoss des Südflügels war die Kelterhalle, die oberen Geschosse dienten ursprünglich als Speicher. Nach den Recherchen Christian Ottersbachs wurden in der Beletage im 18. Jahrhundert Wohnräume eingerichtet, unter anderem ein Saal und ein großes Eckzimmer. Im Innenhof gab es einen Brunnen. Der Kutscherbau an der Nordwestecke des Bebenhäuser Pfleghofs zur Webergasse hin, der in Teilen auf 1510/11 datiert, diente noch im 18. Jahrhundert als Pferdestall und Fruchtkasten.
In den Jahren 1836 und 1837 wurde der Pfleghof umfassend umgebaut. Dabei ordnete man die Fenster in den beiden Obergeschossen zur Heugasse hin neu an. Der Architekt Albert Benz gestaltete 1904 schließlich die Fassade im Erdgeschoss um. daw
Unter dem Titel „Zwischen Himmel und Erde - Klöster und Pfleghöfe in Esslingen“ erscheint im September ein rund 340 Seiten starkes Buch, das Kirsten Fast, ehemalige Leiterin der Esslinger Museen, und Joachim Halbekann, Leiter des Stadtarchivs, im Namen der Stadt herausgeben.


