Mehr Fahrten für Nachtschwärmer
KREIS ESSLINGEN: Ab Dezember ersetzt S-Bahn die Nachtbusse - Kreistag beschließt Zuschuss von 360 000 Euro
Die letzte S 1 fährt um 0.55 Uhr vom Stuttgarter Hauptbahnhof nach Esslingen und Kirchheim. Wer länger in der Disco tanzt, kann am Wochenende den Nachtbus am Schlossplatz nehmen. Ab 9. Dezember werden es die Nachtschwärmer einfacher haben. Die S-Bahnen fahren später und in Esslingen warten Anschlussbusse. Der Kreistag stimmte dem Konzept und den Mehrausgaben zu.
Seit Mai 2000 lässt der Verband Region Stuttgart (VRS) am Wochenende die Nachtbusse entlang der S-Bahnstrecken fahren. So können Partygänger um 1.40 Uhr oder auch noch um 4 Uhr in die Linie N 10 am Schlossplatz einsteigen. Auf die Filder kommt man mit dem Bus N 9 bis Leinfelden-Echterdingen, mit dem N 8 bis Bernhausen und kann dann mit dem Ruftaxi weiterfahren. Diese Angebote finden riesigen Zuspruch. Im ersten Betriebsjahr hatten erst 15 000 Nachtschwärmer bemerkt, dass man auch ohne Auto aus der Landeshauptstadt rauskommt. 2006 waren es bereits 105 000 Fahrgäste. Und seitdem vier Nachtfahrten angeboten werden, nutzen 212 000 Fahrgäste (2010) die Nachtbusse.Der Verband Region Stuttgart hat deshalb Ende vergangenen Jahres beschlossen, den Fahrplanwechsel im Dezember zu nutzen, um künftig in den Nächten auf Samstag und auf Sonntag drei Nacht-S-Bahnen fahren zu lassen. S1 und S2/3 fahren im Stundentakt bis nach Kirchheim und nach Bernhausen.Für den Kreis Esslingen bedeute dies den Einsteig in ein neues Verkehrsangebot, das „erhebliche Finanzwirkung entfalten kann“, erklärte Landrat Heinz Eininger dem Kreistag. Etwa 360 000 Euro wird der Landkreis ab 2013 jährlich für die Nacht-S-Bahnen, Nachtbusse und Nachttaxen aufbringen müssen. Bisher waren es nur 132 000 Euro für Nachtbusse.
Kommunen zahlen mit
Auch die Kreiskommunen müssen finanziell in die Nachtbusse und -taxen einsteigen. Die Anschlüsse an die Nacht-S-Bahn im Neckartal und auf den Fildern kostet insgesamt 415 000 Euro. 14,5 Prozent übernimmt der VRS, von den restlichen 355 000 Euro zahlt der Kreis 30 Prozent. An den Kommunen bleiben knapp 250 000 Euro hängen.
Dieses Konzept, so Eininger, sei in enger Zusammenarbeit mit den Kommunen und mit den Verkehrsunternehmen aufgestellt worden. Auch die Fraktionen des Kreistags waren in die Vorbereitung so eingebunden, dass eine Debatte im Kreistag offenbar nicht mehr nötig war. Bei zwei Gegenstimmen (REP) wurde das Konzept durchgewunken. Jetzt sind die kommunalen Gremien dran. Die Gemeinderäte müssen bis Ende September entscheiden, sonst klappt die Umstellung im Dezember nicht.
Das komfortabelste Angebot bietet künftig Esslingen. Von dort sollen vier Buslinien die Nachtschwärmer vollends nach Hause bringen. Die von den Busfirmen vorgeschlagene Linie nach Baltmannsweiler kommt vorerst nicht zustande, die Gemeinde will das Nachttaxi anpassen. Weil es ein „nachfrageorientiertes Angebot“ (Eininger) sein soll, kann sich aus dem „moderaten Einstieg“ im Laufe der Zeit ein teures Angebot entwickeln.
Anschluss Nachtbus
Raum Esslingen: bisher pro Fahrt 50 Aussteiger. Steigerung erwartet, deshalb künftig vier Anschlussbusse und ein Nachttaxi (in Richtung Baltmannsweiler):
1. Esslingen - Kennenburg - Liebersbronn - Aichwald
2. Esslingen - Wäldenbronn - Hohenkreuz - Rüdern
3. Essl. - Zollberg - Berkheim -Nellingen - Denkendorf - Scharnhauser Park
4. Esslingen - Pliensauvorstadt - Ruit - Kemnat Scharnhausen - Neuhausen
Raum Fils/östlicher Schurwald: Reichenbach und Lichtenwald wollen Nachttaxis an S-Bahn Plochingen anpassen. Hochdorf prüft noch.
Raum Kirchheim:wie bisher Nachttaxis.
Raum Filder: Filderstadt prüft Einsatz von Großraumtaxis.
Raum Nürtingen: Nachttaxi ab Wendlingen auf zwei Linien in alle Gemeinden rund um Nürtingen. Nachttaxi ab Bernhausen in Richtung Aichtal.



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