KOMMENTAR
Vermurkst
Der Filderdialog ist mehr denn je ins Wanken geraten. Wenn der OB der am gravierendsten betroffenen Kommune Leinfelden-Echterdingen seinen Rückzug aus dem Verfahren erklärt, weil ihm für ein Drei-Tage-Forum, das am Ende nur Frust einbringt, die Zeit zu schade ist, ist das mehr als ein Warnsignal. Vermutlich steckt hinter Klenks Rückzug auch parteipolitisches Kalkül. Genüsslich hält der CDU-Politiker der grün-roten Landesregierung vor Augen, wie sie ihren Start in eine neue Bürgerbeteiligungskultur vermurkst hat. Inhaltlich hat Klenk mit seiner Kritik völlig recht: Die Chance, die Antragstrasse der Projektpartner von Stuttgart 21 auf den Fildern jetzt noch zu kippen, tendiert gegen Null. Da braucht man sich nichts vorzumachen: Der Verhandlungsrahmen ist viel zu eng, als dass sich bei der geplanten Anbindung des Flughafens an das Bahnprojekt noch Grundsätzliches ändern ließe. Auf Verbesserungen beim Lärm- und Erschütterungsschutz können die Bewohner hoffen, auch was die gemeinsame Abwicklung von Fern- und Nahverkehr angeht, wird man optimierte Lösungen finden. Mehr Veränderungen sind nicht drin. Dazu gibt es im Verkehrssystem rund um den Flughafen viel zu viele Abhängigkeiten.Keine Frage: Neue Formen der Bürgerbeteiligung zu finden und diese auch rechtlich zu verankern, ist ein löblicher Ansatz von Grün-Rot. Das dialogische Verfahren kann sicher dazu beitragen, bei Großprojekten unversöhnliche Positionen einander anzunähern. Natürlich kann eine solche Beteiligungskultur nicht von Anfang an reibungslos gelingen. Aber der Filderdialog ist für dieses ambitionierte Vorhaben ein denkbar schlechter Start. Schon die Terminplanung war verunglückt. Das Kardinalproblem ist jedoch, dass das Forum viel zu spät kommt und auch jetzt unter großem Zeitdruck vonstatten gehen muss. Denn die Bahn will möglichst rasch in das Planfeststellungsverfahren einsteigen. Ein weiteres Manko: Ein Normalbürger ist schlichtweg überfordert, dieses hochkomplexe Verkehrsthema in so kurzer Zeit zu durchschauen. Im Staatsministerium ist man der Ansicht, dass es schon ein Erfolg wäre, wenn der Dialog zur Versachlichung beiträgt und sich alle Beteiligten respektvoll mit den Argumenten der anderen Seite auseinandersetzen. Das dürfte den meisten Dialogteilnehmern allerdings nicht genügen. Leider hat kein Politiker den Mut aufgebracht, schon im Vorfeld zu erklären, dass die Einflussmöglichkeiten sehr gering sind.



Artikel kommentieren