„Hosch Du Kehrwoch ' zur Zeit?“
OSTFILDERN: Die Gruppe Fred Richmund steht für die „Neue Schwäbische Welle“ - Voss und Fix früher Begleitmusiker von Roy Black
Puristen mögen die Nase rümpfen, wenn sie „Sign your name across my heart“, den Hit von Terence Trent D’ Arby, so verfremdet hören. Doch hat die schwäbische Version des Erfolgssongs zweifellos etwas Originelles: „Rotwei ond zwoi Aspirin. Des kenntsch m’r brenga, baby.“ Manfred „Fred“ Fix und Ulrich „Uli“ Voss haben äußerlich mit dem Rastaman nichts gemein, aber sie haben den Groove. Und der ist genauso ansteckend wie bei ihrem sängerischen Vorbild. Es handelt sich um einen von 21 Songs, die die beiden Sänger und Gitarristen zusammen mit Schlagzeuger Raimund „Ray“ Fix auf ihrer neuen CD eingespielt haben. Ihr Markenzeichen: frech, witzig und alles in Mundart. „Das ist die Neue Schwäbische Welle“, sagt Uli und grinst verschmitzt. Er und Fred haben die meisten Texte geschrieben, ob „Daiana“, die schwäbische Antwort auf Paul Ankas legendäre „Diana“, „Im Fernsehturm da brennt no Licht“ oder „Hosch Du Kehrwoch' zur Zeit?“, ein Hit, mit dem schon Elvis die Frauenherzen brach („Are you lonesome tonight“). Fred Richmund, wie sich das Trio nennt, kommt an. „Drei Konzerte in Gärtringen waren ausverkauft“, erzählt Voss ganz stolz. Demnächst sind die drei auch in Esslingen zu hören. Im Up Stairs, der Weinbar des ehemaligen Scala-Kinos in Esslingen, stellen sie am 11. Februar ab 21 Uhr bei freiem Eintritt ihr musikalisches Comedyprogramm vor, an dem sie eineinhalb Jahre gebastelt haben.
Musik als Lebenselexier
Im normalen Leben gehen die drei Musiker ehrbaren Berufen nach: Manfred Fix, 51 Jahre alt und wohnhaft in Möhringen, verdient seinen Lebensunterhalt als Prokurist bei einer Möbelbeschlägefirma, sein fünf Jahre jüngerer Bruder Raimund aus Gärtringen arbeitet als Sanitärmeister. Und Ulrich Voss kennt man in Ostfildern als Inhaber eines Versicherungsbüros und Copy-Shops sowie durch sein langjähriges Engagement als Vorsitzender des Bürgervereins Parksiedlung. Musik ist für sie Ausgleich zum Berufsleben und irgendwie auch Lebenselexier. Ulrich Voss widmet sich diesem Hobby „in jeder freien Minute“ - und das seit Jahrzehnten. Mit seinem Kumpel Fred ist der 55-Jährige seit einem Vierteljahrhundert musikalisch verbunden.
Als Bub hat Voss in der Esslinger Musikschule Gordalla Gitarrenunterricht bekommen. Später lernte er Schlagzeug. Seinen Wehrdienst, damals noch 15 Monate, leistete er beim Heeresmusikkorps in Ulm. „Eine schöne Zeit“, sagt er rückblickend. Mit vielen Leuten von damals sei er heute noch in Kontakt. Bald danach hat Voss angefangen, in unterschiedlichen Bands auf die Bühne zu gehen und sich damit ein schönes Zubrot zu verdienen. Seit 1979 gehört er Martinique an, einer Combo, die schon etliche Schlagerstars begleitet hat. Costa Cordalis, Marianne und Michael, Rudi Carrell oder auch Roy Black. „Damals hatte noch keiner Playback“, erzählt der gelernte Bankkaufmann. Also engagierte man sich für die Auftritte regionale Bands. Mit Roy Black, der damals auf kleinen Bühnen alten Zeiten hinterher lief, tingelte Martinique vier Jahre durch Süddeutschland, bis der einstige Frauenschwarm am 9. Oktober 1991 mit nur 48 Jahren überraschend starb. Die Erinnerung an ihn halten Voss und seine Freunde noch heute wach. Seit 2002 gibt es jedes Jahr am ersten Oktober-Wochenende einen Roy-Black-Fantreff in Königsbrunn bei Augsburg.
Silvester mit Beckenbauer
Doch das ist nur eine Facette seines Musikerdaseins. Voss tanzt seit vielen Jahren auf vielen Hochzeiten, mit unterschiedlichsten Besetzungen. Mal mit Schlagern, mal mit volkstümlicher Musik, mal als Entertainer, mal bei Faschingssitzungen, mal bei privaten Festen. „Es gab Jahre mit bis zu 120 Auftritten“, berichtet Voss. Da lernt man natürlich auch Prominente wie Medienmogul Leo Kirch kennen, die einem das eine oder andere Engagement verschaffen. Zum Beispiel einen Auftritt bei einer Silvester-Feier mit Franz Beckenbauer in Kitzbühel.
Priorität hat für Voss derzeit die „Neue Schwäbische Welle“. Dafür probt er jeden Abend. Auch deshalb, weil er viele Jahre fast ausschließlich am Schlagzeug saß und das Gitarrespielen vernachlässigt hat. Der Traum des 55-Jährigen: „Mit unserem musikalischen Comedyprogramm einmal im Stuttgarter Renitenztheater auftreten.“



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