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Regionales Stromwerk auf dem Prüfstand

KREIS ESSLINGEN: Neun Kommunen wollen Alternative zu EnBW untersuchen lassen - Wernau und Deizisau scheren aus

Gutachter sollen klären, ob die Übernahme der lokalen Stromnetze durch Regionalwerke der Kommunen Sinn machen.Foto: Bulgrin
 

Gutachter sollen klären, ob die Übernahme der lokalen Stromnetze durch Regionalwerke der Kommunen Sinn machen. Foto: Bulgrin

 

(aia/erb/hir/rok) - Nur noch neun Kommunen um Neckar und Fils wollen eine neue Alternative für die Übernahme der lokalen Stromnetze prüfen lassen: ein regionales Stromwerk. Elf waren es ursprünglich, doch Wernau und Deizisau sind abgesprungen. Mit einer Größenordnung von 80 000 Einwohnern könnte dies jedoch immer noch interessant sein gegenüber einer Beteiligung an der NEV-Netz KG, der Übernahme durch örtliche Stadtwerke oder der Vergabe der Stromkonzession wie bisher.

Die Kehrtwende der beiden Nachbarn hat für Plochingens Bürgermeister Frank Buß nichts geändert, auch wenn er sich „etwas verwun­dert“ über den Ausstieg Wernaus zeigte. „Das wird sich im Preis des Gutachtens nicht so arg niederschla­gen. Wenn allerdings auch Kön­gen oder Wendlingen aussteigen, wird man neu kalkulieren müssen.“ Bisher kippe das System nicht.Plochingen hat dem Gutachten durch die Firma BET in Aachen zugestimmt. Etwa 1 Euro ist pro Einwohner fällig, um durch die laut Buß erfahrene Gesellschaft Chancen und Risiken der unterschiedlichen Modelle prüfen zu lassen. Buß ließ im Gemeinderat erkennen, dass er zu einem Betei­li­gungsmodell tendiert: Plochingen sei zu klein, um sich hier unterneh­merisch zu betätigen.

Auch die SPD und die Grünen äußerten sich entsprechend. Gerhard Remppis (SPD) erklärte, eine interkommunale Zusammenarbeit zeichne sich ab. Doch die Konsequenzen sind ohne pro­fessionelle Hilfe kaum zu gewichten. Das betonte Gerlinde Ziegler für die CDU: Das Ehrenamt fühle sich überfordert. Die Entscheidung für die Wirtschaftlichkeitsanalyse fiel einstimmig. Interessenten für die Stromkonzession können sich bis Ende Januar 2011 melden.

Auch der Wernauer Gemeinderat hatte am Montag die NEV-Satzungsänderung, die Netzgesellschaft und das Gutachten auf der Tagesordnung. Der letzte Punkt wurde gestrichen: Bür­germeister Armin Elbl forderte zur Abstimmung über die Absetzung auf, alle außer den beiden Grünen hoben die Hand. Für die Zuhörer blieb ein Rätsel, was nicht-öffentlich diskutiert wurde und warum der Gemeinderat sich nicht am Gutachten beteiligen will. Burkhard Hein (Grüne) kommentierte empört den Mangel an Transparenz: „Das habe ich in 26 Jahren noch nicht erlebt.“ Angesichts der Tragweite der Entscheidung seien 10 000 Euro für ein Gutachten nicht zu viel.

Grüne lehnen EnBW-Beteiligung ab

Hein kritisierte, bei der Gründung einer Netz-KG unter Beteiligung der EnBW habe man keine Trennung zwischen Erzeuger und Verteiler. Die Grünen seien für ein unab­hängiges Netz „möglichst weit weg von der EnBW“. Joachim Ungethüm (CDU) hielt dagegen, in erster Linie gehe es um einen sicheren Netzbetrieb. Die Kommunen seien zu klein und unerfahren, um diesen selbst zu gewähren. Der Gemeinderat stimmte mehrheitlich der Satzungsänderung und der Beteiligung des NEV an einer möglichen Netzgesellschaft zu. Die Beteiligung an einem regionalen Netzwerk sei „kein Weg für Wernau“. sagte Bürgermeister Elbl gestern der EZ. Deshalb sei auch das gemeinsame Gutachten für Wernau erledigt. Man habe hinter verschlossenen Türen diskutiert, weil Details aus dem Gutachten die Konkurrenz interessieren könnten.

In Deizisau hatte man schon vom negativen Beschluss einer anderen Gemeinde läuten gehört und fasste deshalb einen Doppelbeschluss. Man würde sich am Gutachten der elf Kommunen beteiligen, allerdings nur, wenn alle mitmachen. Das bedeutet, dass auch Deizisau ausschert. Es gebe sowieso die Tendenz, begründete Bürgermeister Thomas Matrohs, dass man nicht an eine eigene kleine Netzgesellschaft glau­be. Der Satzungsänderung stimmte der Gemeinderat einstimmig zu, ebenso erhielt Matrohs den Auftrag, im NEV für die Netz-KG des NEV zu stimmen.

Lichtenwald gegen NEV-Netz KG

Der Gemeinderat in Lichtenwald stimmte gegen eine Beteiligung des NEV an einer Netzgesellschaft. „Von der NEV wurde nur der Atomladen EnBW als Partner festgelegt. Das kann ich nicht unterstützen“, sagte Werner Kiepfer (SPD/FW). Auch Detlef-Dieter Sahm (FW) sieht die Bindung an die EnBW skeptisch. Die CDU stimmte dafür. Bürgermeisterin Lucia Herrmann betonte, dass es nach dem Auslaufen des Konzessionsvertrags nicht viele Bewerber außer die EnBW geben werde. Einstimmig sprach sich der Gemeinderat dagegen für ein gemeinsames Gutachten der Neckar-Fils-Kommunen aus. Nach Angaben von Herrmann, soll dieses 80 Cent pro Einwohner kosten. „Wenn wir unabhängig werden wollen, ist das genau der richtige Schritt“, sagte Kiepfer.

 

Artikel vom 28.10.2010 © Eßlinger Zeitung

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