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„Ich muss blitzschnell entscheiden“

LEINF.-ECHTERDINGEN: Der 23-jährige Benjamin Türke hat sich bei der Flugschule Aero-Beta als Berufspilot ausbilden lassen

 
 
 

Von Elisabeth Maier

Für den Flugschüler Benjamin Türke ist ein Traum wahr geworden. Mit nur 23 Jahren ist er Berufspilot. Er arbeitet für die Firma Eisele Flugdienst auf dem Stuttgarter Flughafen. Seine Ausbildung hat er gleich neben dem Firmengelände bei der Flugschule Aero-Beta gemacht. Dort lernte er bei dem Berufspiloten Hannes Braitmaier das Fliegen und die Theorie. Nach dem Abitur nahm er Flugstunden und büffelte er 750 Stunden lang Theorie, um die Berufspilotenlizenz zu bekommen. Die Ausbildung hat ihn 58 000 Euro gekostet. „Aber dafür habe ich jetzt schon einen gut bezahlten Beruf, während meine Freunde noch studieren.“

„Man braucht viel Disziplin“

An die Flugstunden mit seinem Musterschüler erinnert sich Hannes Braitmaier gerne. Der Berufspilot, der im Hauptberuf bei einer Linienfluggesellschaft im Cockpit einer Boeing 747 sitzt, hat seinem Schüler immer deutlich gemacht, dass die Pilotenlaufbahn nicht einfach ist. „Man braucht viel Disziplin“, weiß der 43-jährige Fluglehrer, der selbst bei Aero-Beta seine Ausbildung absolviert hat.

Damals leitete die temperamentvolle Gundel Haupt die Flugschule, die Braitmaier und sein Partner Horst Brandau später ganz übernahmen. Obwohl die ehemalige Chefin fast 70 Jahre alt ist, kommt sie noch oft in die Räume von Aero-Beta im General Aviation Terminal und hilft ihren beiden ehemaligen Schülern. „Sie weiß, wie man die jungen Männer ganz sacht führt“, kommentiert Braitmaier schmunzelnd. Über diese Unterstützung freuen er und sein Partner sich sehr. Die Flugschule besteht seit mehr als 40 Jahren.

Mit 200 Schülern, die Privat- oder Berufspiloten werden wollen, ist Aero-Beta heute deutlich gewachsen. Die angehenden Piloten trainieren auch am Flugsimulator, worauf Braitmaier und sein Team größten Wert legen. Immer wieder könne es im Cockpit zu extrem stressigen Situationen kommen, „aber entscheidend ist, dass Piloten dann wissen, was sie zu tun haben“. Die Frage, wie Piloten im Fall eines Gewitters reagieren, kontert Braitmaier verblüffend: „Da sie Wetter-Radar haben, umfliegen sie in aller Regel Gewitterfronten.“ Trotzdem werden Unwetter-Situationen im Simulator geübt, damit die angehenden Piloten im Fall des Falles vorbereitet sind. Um den Unterricht am Simulator und die Theorielehre besser zu organisieren, bauen Braitmaier und sein Partner, der zugleich Geschäftsführer des Unternehmens ist, derzeit ein Schulungszentrum in Sielmingen: „Unsere jetzigen Büroräume platzen aus allen Nähten.“

Die „heimelige Atmosphäre“ der Flugschule hat Benjamin Türke in seiner eigenen Ausbildung gut gefallen. Da er gleich wusste, dass er Berufspilot werden wollte, hat er die Flugausbildung als Vollzeit-Job gesehen. „Ich saß von 8 bis 18 Uhr am Schreibtisch und habe gelernt.“ Das hätten die Lehrer auch von ihm gefordert. Die praktischen Flugstunden auf Cessna- und Piper-Kleinflugzeugen waren da für ihn eine willkommene Abwechslung. An seinen ersten Alleinflug nach Neuhausen ob Eck erinnert er sich gern. „Das hat mich motiviert, auch wenn es mal Durchhänger gab.“

Bevor er Berufspilot werden durfte, stand für Benjamin Türke ein aufwendiger, mehrtägiger Gesundheits-Check beim Fliegerarzt auf dem Plan. Um die Berufspilotenlizenz zu behalten, müssen er und seine Kollegen regelmäßig zum Gesundheits-Check. Je älter die Piloten werden, desto kürzer sind die Intervalle.

Er fliegt Geschäftsreisende

Inzwischen ist der junge Berufspilot glücklich, dass er sich von der harten Ausbildung nicht abschrecken ließ. Bei Eisele Flugdienst fliegt er Geschäftskunden, die die Maschinen chartern, zu Zielen ihrer Wahl. Besonders spannend findet er, „dass ich so auch zu Flughäfen komme, die Linienfluggesellschaften nicht anfliegen“. Er habe gelernt, in allen Situationen Ruhe zu bewahren. Und: „Ich muss blitzschnell entscheiden.“ Nach Hannes Braitmaiers eigener Erfahrung ist es für Piloten von privaten Flugschulen immer wieder möglich, zu einer größeren Gesellschaft zu wechseln.

Weil ihm seine Flugstunden bei Hannes Braitmaier und dessen Team „wirklich Spaß gemacht haben“, lässt sich Türke selbst zum Fluglehrer ausbilden. „Ob ich dafür viel Zeit habe, weiß ich nicht.“ Als Nebenjob kann sich Türke, der sich als „flugzeugbegeistert“ beschreibt, das Unterrichten gut vorstellen.

Wege zur Piloten-Lizenz

Die Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer dauert zwei Jahre, maximal drei Jahre. Die Kosten für diese international standardisierte Air Traffic Pilot Licence (ATPL) betragen durchschnittlich 58 000 Euro, hat die Flugschule Aero-Beta errechnet. Zusätzlich zum ATPL gibt es die Möglichkeit, ein Studium mit dem Abschluss Bachelor of Aviation zu machen. Der Erwerb der Lizenz und das Studium dauern etwa vier Jahre.

www.aero-beta.de

 

Artikel vom 13.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (1)

-› Artikel kommentieren

23.09.2010 15:59 von Pilot

Nur nebenbei, das Kürzel ATPL steht nicht für Air Traffic Pilot Licence, sondern für Airline Transport Pilot Licence!


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