Die Kletteraffen sind los
DENKENDORF: Viel Konzentration und Kraft benötigen die Kinder des Sportcamps beim Ausflug ins Kletterzentrum Stuttgart
Beim Ferien-Sportcamp des TSV Denkendorf ist von Langeweile keine Spur. Eine ganze Woche verbringen 30 Kinder mit Fußball, Tischtennis oder Faustball im Gottlob-Müller-Stadion. Der Höhepunkt für die Schüler ist ein Besuch im Kletterzentrum Stuttgart.
„Vertrau mir Tyler, ich lasse dich nicht los“, ruft der achtjährige Alexander zu seinem sechsjährigen Freund. Tyler hängt gut drei Meter über ihm an der Kletterwand und hat die Nase voll. „Ich will hier runter“, sagt er. Die Höhe bereitet ihm Unbehagen, obwohl Alexander am Boden steht und ihn mit einem Seil absichert. „Die Kinder müssen sich erst überwinden, den Boden zu verlassen“, sagt Wolfgang Schabert, Vorstandsmitglied beim TSV Denkendorf und Betreuer des Sommerferiencamps.An den Wänden im Kletterzentrum sind viele bunte Griffe angebracht. Dort können sich die Kinder festhalten und nach oben steigen. Der höchste Punkt liegt immerhin bei 16 Metern, das ist aber nur etwas für Profi-Kletterer. Die Kleinen reagieren unterschiedlich auf das Abenteuer. Viele sind zu Anfang ängstlich, zurren skeptisch an ihrem Sicherheitsgurt und fragen den Betreuer: „Wolfi, ist das auch fest genug?“ Andere können es kaum abwarten und erklimmen die Kletterwand in Rekordgeschwindigkeit. „Wolfi, Wolfi ich bin oben“, ruft der zehnjährige Benedikt. Jeder Betreuer besitzt eine Kletter-Ausbildung, um eine optimale Sicherheit für die Schüler zu garantieren. Das Klettern funktioniert nur zu zweit. Einer klettert und einer steht am Boden, um seinen Partner mit dem Seil abzusichern. „Der Kletterer soll seinem Kameraden vertrauen und der Sichernde muss verantwortungsvoll mit dieser Aufgabe umgehen“, sagt Schabert. Alle Kinder besitzen einen Hosengurt, der durch einen Karabinerhaken an einem Sicherheitsseil an der Wand befestigt wird.Ein Zweierteam sind Moritz und der achtjährige Schweinsteiger-Fan Jan. Der neunjährige Moritz befestigt ein Seilende an seinem Gurt, Jan hält das andere Ende des Seiles vom Boden aus. Er reguliert die Länge des Seils und hält den Kletterer bei einem Absturz. Damit Moritz das Seil bei einem Sturz seines Freundes festhalten kann, läuft es durch einen Umlenkpunkt mit einem Sicherungsknoten. Nicht nur das Klettern ist schwierig, auch beim Abseilen gibt es Probleme: „Du musst in die Absteigposition“, ruft Benedikt zu seinem Freund Jan. Der Neunjährige schafft es nicht, seine Beine zu spreizen, kann sich deshalb nicht abstützen und schlittert langsam an der Wand nach unten. Jan ist tapfer und verzieht kaum eine Miene. „Es sieht leicht aus. Aber das ist es nicht“, erklärt der Neunjährige. Nach zehn Minuten trauen sich auch die Ängstlicheren und kraxeln die Kletterwand nach oben. Die siebenjährige Lisa ist in der Mitte angekommen und atmet erst einmal tief durch. Ihr Freund Lukas steht am Boden und sichert sie. Schabert motiviert die Kleine noch etwas höher zu klettern. „Ich traue mich nicht mehr“, sagt Lisa. Dann lässt Lukas sie langsam nach unten abseilen. „Diese Sportart kostet sehr viel Kraft“, sagt Schabert. Während sieben Kinder die hohen Wände erklimmen, tobt sich die andere Hälfte im sogenannten Boulder-Bereich aus. Die Wände sind dort viel niedriger und der Boden ist mit dicken Matten ausgelegt. Somit ist keine Sicherung für die Kletterer notwendig. „Hier können die Kinder alle Techniken ausprobieren“, sagt Schabert. „Klettern ist das Beste am Sportcamp“, sagt Benedikt. Moritz ruft begeistert: „Zumindest bis jetzt. Wer weiß, was in dieser Woche noch alles kommt.“



Artikel kommentieren