SERIE ALTE LIEBE ROSTET NICHT
„Ein schottisches Auto braucht Regen“
PLOCHINGEN: Ulrich Korn tauscht Dudelsack gegen den Landrover
Ulrich Korn aus Plochingen hat in seinem Autofahrerleben schon viele außergewöhnliche Fahrzeuge sein eigen genannt. Sein derzeitiges Prachtstück ist ein Landrover, der wie aus dem Ei gepellt dunkelgrün glänzend am Straßenrand wartet. „Baujahr 1963, 2,3 Liter Hubraum, 70 PS und keinerlei Elektronik,“, stellt Korn ihn vor. Den Wagen hat er auf der schottischen Insel Skye entdeckt. Sein Weg von dort bis an den Plochinger Straßenrand ist mit Geschichten gepflastert.„Die alten britischen Autos sind eine alte Liebe von mir“, erzählt Korn und berichtet von den Austin Healeys, den Minis und den Triumphs, die er fuhr. Vor seiner Pensionierung unterrichtete er 36 Jahre lang angehende Kraftfahrzeugmechaniker an der Friedrich-Ebert-Schule in Esslingen und erstaunte Kollegen und Schüler mit Autos, die manche von ihnen nur aus Filmen kannten. „Der Höhepunkt war ein Jaguar E-Type. Mit dem habe ich alle verblüfft“, sagt Korn und das Vergnügen, das ihm seine damaligen Auftritte auf dem Schulparkplatz mit dem legendären Wagen bereitete, ist ihm noch deutlich anzusehen.Der betagte Landrover, ein Zweisitzer mit kurzem Radstand, ist gemessen an den eleganten Flitzern ein eher unscheinbares, robustes Arbeitstier. Eine Ladefläche, deren Bordwand mit zwei Handgriffen abgebaut werden kann, macht das Auto zum Transporter „für vier Personen oder zwei Schafe“, scherzt Korn. „Der ist maximal nur 100 Stundenkilometer schnell.“ Im Verkehr mitzuschwimmen, sei eine Kunst. „Aber er zieht gut ab am Berg.“ Schon mancher, der versucht habe, „den alten Stinker“ auf Steilstrecken hinter sich zu lassen, hatte das Nachsehen.
Im Auto zur Welt gekommen
Wichtig ist Korn, dass sein Fahrzeug ein Schotte ist. „Ein bisschen schottland-verrückt sind wir schon“, sagt er über sich und seine Frau Elfi. Auf den Gläsern seiner Brille prangt die schottische Flagge. „Zum Autofahren setze ich die aber nur in Schottland auf“, sagt er und versucht, unschuldig dreinzuschauen.
Schottland sei eine „automobile Offenbarung“, die viele Kostbarkeiten berge. Den alten Landrover entdeckte er auf einem Campingplatz auf Skye. „Der Campingplatzbesitzer hat damit hauptsächlich festgefahrene Wohnmobile aus dem Dreck gezogen und einmal in der Woche ist er zum Einkaufen und in den Pub gefahren.“ Anfangs war das Auto unverkäuflich. Die Töchter wollten den Wagen nicht hergeben: Eines der Kinder sei auf dem Weg zur Klinik in dem Auto zur Welt gekommen. „Wahrscheinlich auf der Ladefläche, denn in einem Zweisitzer stelle ich mir das schwierig vor.“
Bewegung in die Verhandlungen brachte, dass eine der Töchter des Besitzers in der Schule das Dudelsackspielen gelernt hatte. Elfi Korn ermunterte sie, weiter zu machen. „Aber ein guter Dudelsack kostet bis zu 3000 Euro. Das Geld hatten die Leute nicht“, erzählt Korn. So wurden sie handelseinig. „Für 1000 Pfund gab er das Auto her, immerhin fast 1500 Euro. Er musste mir fest versprechen, für das Geld ein Instrument zu kaufen. Das hat er gehalten, und so habe ich einen Dudelsack gegen einen Landrover eingetauscht.“
Nur der Alu-Aufbau war hui
Allerdings hatte der Tausch einen Haken. „Ich konnte mir das Auto nicht richtig von unten anschauen, denn drunter schlief ein großer schwarzer Hund, der war not amused.“ Erst nach einer mehrtägigen Reise und immer in Sorge, ob der Landrover die Strapaze mitmachen würde, stellte Ulrich Korn in Plochingen fest, dass die Jahrzehnte in der feuchten und salzhaltigen Luft der Insel im Atlantik dem Wagen zugesetzt hatten. „Oben war er hui, Alu-Aufbau eben, aber unten musste viel gearbeitet werden.“ Der Rahmen war schwer verrostet, überall trat Öl aus und die komplette Elektrik musste ersetzt werden. Doch mittlerweile ist der Wagen wieder im Einsatz, bei jedem Wetter. Der Regen der vergangenen Wochen sei sogar gut für den Wagen, behauptet Ulrich Korn. „Es ist eben ein schottisches Auto, das braucht den Regen, damit es schön grün bleibt und keine Falten bekommt.“



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