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Barriere vor der Busfahrt

DEIZISAU: Rollstuhlfahrerin Beate Knops kämpft gegen Hindernisse zum Bus und auf Gehwegen

  Eine hohe Stufe und die Mittelstange machen es für Beate Knops trotz zweier Helfer unmöglich, in den Bus nach Esslingen einzusteigen.Foto: Rudel
 

Eine hohe Stufe und die Mittelstange machen es für Beate Knops trotz zweier Helfer unmöglich, in den Bus nach Esslingen einzusteigen. Foto: Rudel

 

Auf den Gipfel des Nebelhorns hat sie‘s im Urlaub geschafft, mit drei Mal umsteigen an der Seilbahn. Aber mit dem Bus von Deizisau nach Esslingen zu kommen, daran scheitert Rollstuhlfahrerin Beate Knops immer wieder. Selbst wenn der Niederflurbus fährt, bleibt ein Spalt zum Gehsteig, so dass Knops auf Hilfe angewiesen ist.

Von Roland Kurz

Seit fünf Jahren sitzt Beate Knops aufgrund ihrer MS-Erkrankung im Rollstuhl. Ihre Energie und Lebensfreude wirken dennoch ansteckend. Als Mitglied der LED (Liste engagierter Deizisauer) gehört sie zu den wenigen Bürgern, die man öfters auf dem Zuschauerrang im Gemeinderat sieht. Im Herbst werden die Gemeinderäte ihr durchs Dorf folgen: Mit Rollstühlen oder Rollator wird Knops die Räte über Kopfsteinpflaster und Bordsteinkanten führen.Das Problem sei vielen Menschen nicht bewusst, deshalb sollte es der Gemeinderat mal „erfahren“, meint Beate Knops. „Ich bin ja mit diesem Problem nicht allein“, begründet sie ihr Engagement für bessere Mobilität. Ihr Mitstreiter Horst Hermann ergänzt: „Die Gesellschaft vergreist.“ Für Menschen mit Rollator sind Straßenabsätze noch schwieriger als für Rollstuhlfahrer, erklärt Knops. „Die müssen den Rollator heben und dann frei stehen, damit sie auf den Gehweg kommen.“Im Ortskern war sie schon mit Hauptamtsleiter Michael Falb unterwegs, um zu besprechen, wo der Bordstein abgesenkt werden sollte. Das fängt schon auf dem Marktplatz an. Während die Gemeinde dem Thema offen gegenüber stehe, „bremst die Busfirma“, sagt Beate Knops, die eigentlich ideal wohnt, direkt neben der Haltestelle in der Olgastraße. Kürzlich wollte sie zum Möbelhaus raus fahren, aber es kam ein älteres Busmodell. Drei Stufen sind für sie nahezu unüberwindbar. Ihr elektrisch unterstützter Rollstuhl wiegt immerhin 30 Kilo - und ihr Eigengewicht müsste ein Helfer ebenfalls noch stemmen. Vom Busfahrer bekam Beate Knops den prima Tipp: „Warten Sie doch auf den nächsten Bus.“Knops hat auch schon vorher bei der Busfirma angerufen und sich erkundigt, wann ein Niederflurbus eingesetzt wird. Der Bus kam zur abgesprochenen Zeit, aber er hatte die Klappe nicht dabei, um den restlichen Spalt zu überbrücken. Diese Klappe, von Fahrer oder einem Fahrgast hingelegt, wäre die „ideale Lösung“, meint Hermann. Die Firma Schefenacker habe solche Busse, müsste sie aber entsprechend einplanen. Bei der S-Bahn funktioniere das Hinlegen der Klappe immer, lobt Knops. Die stehe im vorderen Wagen bereit und der Lokführer lege sie bei Bedarf hin.

Eine Frage des Planung

Eine verlässliche Telefonnummer, um seinen Transportwunsch anzukündigen, wäre schon gut, findet Hermann. „Besser wäre eine Verbindung mit dem Niederflurbus zu bestimmten Zeiten“, meint Beate Knops. „Mein Ziel ist eine barrierefreie Buslinie von Deizisau nach Esslingen.“ Es gehe doch bei dieser Frage weniger ums Geld als um das Denken und Planen. Ihrer Meinung nach wäre der Bedarf da, schließlich liege direkt hinter der Haltestelle das Seniorenwohnheim.

Bei der Busfirma Schefenacker hält man das Problem für weniger gravierend. Auf der Linie 104 fahre grundsätzlich ein Niederflurbus, erklärt Fahrdienstleiterin Vedziha Zolja. Es gebe aber noch wenige ältere Busmodelle ohne die fest eingebaute Metallschiene. Und einen Vormittag in der Woche werde der moderne Bus gewartet und stehe nicht zur Verfügung. Frau Knops könne aber jederzeit anrufen und bekomme Bescheid, wann der Niederflurbus fahre.

Ob Bordstein, Busverbindung, Behindertentoilette oder missbrauchter Behindertenparkplatz - für Beate Knops geht es nicht nur um die Ansprüche aufgrund der UN-Behindertenrechts-Konvention, sondern um die Wertschätzung von Menschen mit Handicaps. Knops: „In den USA wird ein Behinderten-Parkplatz respektiert, bei uns wird gemeckert.“

 

Artikel vom 02.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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