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Zum „Marathon-Ritt“ nach Kentucky

KIRCHHEIM: Melanie und Sabrina Arnold starten für Deutschland im Distanzreiten

  Melanie (links) und Sabrina Arnold mit ihrem Wallach Beau auf der Koppel in Ötlingen. Beau bekam 2009 den Best-Condition-Preis.Foto: Ait Atmane
 

Melanie (links) und Sabrina Arnold mit ihrem Wallach Beau auf der Koppel in Ötlingen. Beau bekam 2009 den Best-Condition-Preis. Foto: Ait Atmane

 
Mitte September fliegen Melanie und Sabrina Arnold nach Kentucky. Dort werden sie ihre ebenfalls eingeflogenen Pferde in Empfang nehmen, zum Start bei den Weltreiterspielen: 100 Meilen, also 160 Kilometer, über Stock und Stein legen die beiden mit ihren Vollblutarabern zurück - möglichst schnell und möglichst schonend. Sie starten am 26. September in der Disziplin Distanzreiten für Deutschland.

Von Karin Ait Atmane

Der „Hundertmeiler“ ist die Königsdisziplin im Distanzreiten, sozusagen der Marathon für Pferde. Wer dabei an Western-Filme denkt, bei denen erschöpfte Pferde tot unterm Cowboy zusammenbrechen, liegt allerdings falsch. „Distanzreiten ist die Pferdesportdisziplin, wo die Pferde vor, nach und während dem Turnier am strengsten kontrolliert werden“, sagt Melanie Arnold. Während des Wettkampfs werden die Pferde mehrfach vom Tierarzt „von Kopf bis Fuß durchgecheckt“, erklärt sie. Dabei hält die Zeitnahme erst an, wenn der Puls des Pferdes auf 64 Schläge gesunken ist. Dauert das länger als 20 Minuten, wird das Tier aus dem Rennen genommen. Gleiches gilt bei kleinsten Unregelmäßigkeiten, zum Beispiel im Gang.

Mit dem Pony auf Platz 3

Ist etwas nicht in Ordnung, spüren die Reiterinnen das meist schon, bevor es sichtbar wird. „Dafür hat man ein Gespür, weil man jeden Tag Stunden mit dem Pferd zusammen ist“, sagt Melanie Arnold. Die 34-Jährige ist wie ihre vier Jahre jüngere Schwester mit Pferden aufgewachsen. Das Distanzreiten entdeckte sie als Zwölfjährige, als sie ihren Vater bei einem Rennen „vertrat“. Er konnte wegen einer Verletzung seines Pferdes nicht starten. Die Tochter, die mit ihrem Pony mittrainiert hatte, startete an seiner Stelle - mit Sondergenehmigung, weil sie zu jung war. „Mein Pony war so fit, dass es gleich den dritten Platz belegt hat“, erzählt Melanie Arnold. Das war ihr Einstieg ins Distanzreiten. Sabrina folgte ihr, sobald sie alt genug war.

Inzwischen gehören die Schwestern aus Kirchheim-Ötlingen zum Nationalkader und haben eine lange Liste von Erfolgen zu verzeichnen. Unter anderem war Melanie 2004/05 Deutsche Meisterin und Sabrina 2001 Dritte bei der Jugend-WM in Spanien. Besonders stolz ist sie auf den Best-Condition-Preis, den sie mit ihrem Wallach Beau im vergangenen Jahr als Fünftplatzierte bei der EM in Assisi bekam: Er wird dem Pferd verliehen, das am Tag nach dem Rennen in der besten körperlichen Verfassung ist.

„Ich reite den ganzen Tag“

Sabrina Arnold hat das Hobby zum Beruf gemacht. Sie lebt auf dem Pferdehof ihres Freundes in Südfrankreich und trainiert dort auch die Vierbeiner anderer Besitzer. „Ich reite den ganzen Tag“, sagt die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau. Das ist oft weniger romantisch, vor allem bei schlechtem Wetter. Ihre Schwester ist Betriebswirtin und trainiert „nebenbei“ zwei bis drei Stunden täglich mit Stute Shaika. Bei einem „Hundertmeiler“ werden große Teile der Strecke im Galopp zurückgelegt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von Tempo 20.

Leben kann man vom Distanzreiten in Deutschland nicht. Der Reitsportverband unterstützt die Starter bei großen Rennen, Sponsoren geben das Futter. Die Kosten sind damit noch lange nicht gedeckt. In den USA oder in Frankreich ist das anders; in arabischen Ländern, wo das Distanzreiten lange Tradition hat, sowieso. Mit Einzelerfolgen rechnen Sabrina und Melanie Arnold deshalb in Kentucky nicht. Aber mit der Mannschaft würden sie schon gerne eine Medaille schaffen.

Wallach Beau und Stute Shaika sind gut vorbereitet. Sie gehen immer mit Vorfreude ins Rennen, sind Sabrina und Melanie Arnold überzeugt: „Das ist ihr Job und das machen sie gern.“ Pferde seien ohnehin Lauftiere, Araber sind ganz besonders ausdauernd. Nervenstark sind Shaika und Beau noch dazu. Den Überseeflug steckten sie auch ohne Beruhigungsmittel locker weg, sagen die Arnold-Schwestern. Der stresse sie weniger als eine Anhänger-Fahrt über die Autobahn.

www.endurance-team-arnold.de

 

Artikel vom 01.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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