Die Menschen ein bisschen glücklicher machen
HEILBRONN: Professor Ralf Bochert wirbt für Vielfalt von Kennzeichen - Studie der Heilbronner Hochschule: 71 Prozent wollen altes Schild zurück
Die Wiedereinführung auslaufender Kennzeichen sei keine Frage des Könnens, sondern des politischen Willens, sagt Bochert. Zusammen mit Studenten des Studiengangs Tourismusmanagement wurden mehr als 11 000 Menschen in 51 Städten befragt, deren Ortskürzel sich nicht mehr auf dem Nummernschild findet. Auch in den baden-württembergischen Städten Leonberg, Crailsheim, Schwäbisch Gmünd, Tettnang und Nürtingen wollten die Heilbronner wissen, ob sie ihr Alt-Kennzeichen zurückhaben wollen, denn LEO, CR, GD, NT und TT waren im Zuge der Kreisreform vor 37 Jahren verschwunden. Die Ergebnisse der Studie, die Ende Juni vorgestellt wurde, waren eindeutig: 71 Prozent der Befragten in den baden-württembergischen Städten hätten gerne ihr Alt-Kennzeichen zurück, nur 14 Prozent waren dagegen. Bundesweit lag die Zustimmung sogar noch um zwei Prozentpunkte höher.
Jüngere fürs Alt-Kennzeichen
Was den Professor für Volkswirtschaftslehre und Destinationsmanagement besonders erstaunt hat: Vor allem die 16- bis 30-Jährigen sprachen sich für das Alt-Kennzeichen aus. Bochert, 1961 in Bremen geboren und seit 1995 Professor an der Hochschule Heilbronn, hat jetzt die „Initiative Kennzeichenliberalisierung“ gestartet. Die Schilder seien ein Identitätsmerkmal, mit dem man Heimatverbundenheit zeige und sie seien kostenlose Werbeträger. Städte mit einem eigenen Kfz-Kennzeichen würden anders eingeordnet, meint der Wissenschaftler. Er hält es geradezu für „grotesk“, dass Nürtinger Bürger quasi das Esslinger Stadtmarketing mitfinanzieren, weil sie mit dem ES-Kennzeichen herumfahren. Das ES bringe man eher mit der Stadt Esslingen und weniger mit dem Landkreis in Verbindung, meint er.
Schon mehr als 100 Städte
Die entscheidende Frage sei immer, ob das Kennzeichen politisch gewollt ist, sagt der Wissenschaftler. Und er betont: „Es geht nicht darum, die Aufgabenverteilung und die verwaltungsbezogene Einheit der Landkreise in Frage zu stellen.“ Mehr als 100 deutsche Städte haben Bochert gegenüber inzwischen ihr Interesse am „Hanauer Modell“ bekundet. Im hessischen Main-Kinzig-Kreis wird großteils mit MKK gefahren, die Hanauer haben aber ihr HU-Schild. In Hanau wurde zuerst auf Kommunalebene entschieden, danach einigte man sich mit dem Landkreis, bis die Entscheidung für die zwei Kennzeichen auf Landes- und Bundesebene abgenickt wurde. „Dieses Modell funktioniert in der Realität, es ist gesetzeskonform und kann übertragen werden“, stellt Bochert klar.
In zwölf Städten stellen die Mitarbeiter der Heilbronner Studie die Idee vor. Der Rest sei Sache der Kommunen. Für änderungswillige Städte ist in Zeiten knapper Kassen eines wichtig: Es darf nichts kosten. Für sie hat der Heilbronner Professor eine gute Nachricht. Denn bei der Initiative handelt es sich um ein Forschungsprojekt. Für eine Zuarbeit der Hochschule fallen keine Kosten an.



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