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BLICKPUNKT NEUE KENNZEICHEN, ALTE KENNZEICHEN

Rollen bald FIL-OUs und FIL-ETs?

KREIS ESSLINGEN: Filderstädter OB lässt das FIL-Schild prüfen - Leinfelden-Echterdingen hat schon ein „Wir-Gefühl“ - Nürtingen wartet ab

  Geht nicht, gibt‘s nicht: Das am Computer hergestellte FIL-Kennzeichen sieht doch schon mal schnittig aus. Der Heilbronner Professor Ralf Bochert hält es für möglich, dass die Filderstädter eines Tages mit ihrem eigenen Kennzeichen fahren können - das Verkehrsministerium wiegelt ab.Foto: Rudel/Repro EZ
 

Geht nicht, gibt‘s nicht: Das am Computer hergestellte FIL-Kennzeichen sieht doch schon mal schnittig aus. Der Heilbronner Professor Ralf Bochert hält es für möglich, dass die Filderstädter eines Tages mit ihrem eigenen Kennzeichen fahren können - das Verkehrsministerium wiegelt ab. Foto: Rudel/Repro EZ

 
Ältere kennen sie noch, die Autokennzeichen NT und LEO für Nürtingen und Leonberg. Seit einer Studie der Hochschule Heilbronn sind die alten oder - im Fall Filderstadt - auch ganz neue Kennzeichen in der Diskussion. Professor Ralf Bochert hält die Kennzeichen für ein wichtiges Identitätsmerkmal und ein gutes Instrument des Stadtmarketings. Das baden-württembergische Verkehrsministerium ist skeptisch.

Von Regina Schultze

Filderstadt ist mit seinen fast 44 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt im Landkreis Esslingen. Doch ein FIL-Kennzeichen gab es noch nie. Aber vielleicht fahren ja irgendwann FIL-OUs oder FIL-ETs herum. „Die Idee ist nicht verkehrt“, findet Oberbürgermeisterin Gabriele Dönig-Poppensieker, die einen Antrag der Freien Wähler auf den Schreibtisch bekommen hat. Offensichtlich den Argumenten von Bochert folgend, will die Fraktion prüfen lassen, welche Marketingvorteile ein eigenes Kennzeichen habe, welche Entscheidungen dafür nötig sind und ob mit Kosten zu rechnen ist. „Unser Ordnungsamt ist an der Sache dran“, sagt Dönig-Poppensieker. „Wir werden das in Ruhe prüfen.“ Sie sieht zwar, dass man allgemein die Kennzeichenflut zurückfährt. Doch es sei „generell nicht verkehrt“, über ein neues Kennzeichen nachzudenken. Schon mit dem Slogan „Wir sind Filderstadt“ will man das Stadtteildenken reduzieren. Ein gemeinsames Kennzeichen könne „ein weiterer Schritt“ in Richtung einer gemeinsamen Identität sein. Bevor die Verwaltung dem Gemeinderat einen Vorschlag machen werde, seien viele Gespräche zu führen, zum Beispiel mit anderen Kommunen und dem Städtetag.

Gut für die Geografiekenntnis

In Nürtingen hat noch keine Anfrage die Stadtverwaltung erreicht. „Es spricht aber nichts dagegen, wenn es nicht zu Mehrkosten für die öffentliche Hand führt“, meint Bürgermeister Rolf Siebert. 1973 bei der Reform der Landkreise war der Abschied vom NT-Schild beschlossene Sache und so mancher Nürtinger musste zähneknirschend das ES-Zeichen aufs Auto montieren. Oder das Gefährt gut pflegen. Einige alte Trecker und Oldtimer haben noch das Nostalgie-Zeichen am Fahrzeug, das sie sorgsam hüten.

„Es soll wohl ein Treffen von mehreren Städten geben, wir würden uns daran beteiligen“, sagt Siebert. Er sieht keinen Grund, warum man das geliebte Kennzeichen nicht wieder einführen sollte. „In Estland kann man sogar seinen Namen als Kennzeichen wählen“, weiß er von einem Urlaub. Wichtig sei ja nur, dass jedes Fahrzeug einem Eigentümer zuzuordnen sei. Die freie Wahl sei im übrigen eine lukrative Einnahme für den estnischen Staat, der sich die Wünsche ordentlich bezahlen lässt, nennt Siebert einen weiteren Vorteil. Er sieht die Kennzeichendebatte entspannt. „Man muss abwarten, was nach deutschem Recht zulässig und ohne größeren Aufwand machbar ist - es gibt schließlich auch Wichtigeres zu tun.“ Persönlich mag er aber das Kennzeichen-Raten auf der Autobahn. „Das trägt zur Geografiekenntnis der Kinder bei.“ Da könnten neue Kennzeichen nicht schaden.

In Leinfelden-Echterdingen ist ein eigenes Kennzeichen bisher kein Thema, sagt die Sprecherin der Stadt, Gisela Fechner. Die Verwaltung habe sich noch nicht damit befasst, es gebe weder Anfragen von Fraktionen noch von den 37 000 Einwohnern. „Ein Wir-Gefühl ist vorhanden, bei den Altvorderen und auch bei den Jüngeren. Vielleicht braucht's da gar kein Schildchen.“ Die Kennziffern LE gab es schon einmal, damals für Lemgo im Landkreis Lippe. Die Lemgoer wollen es scheint's nicht zurückhaben, sie sind mit dem Kreiskennzeichen LIP zufrieden, meldet Bochert.

Ein Landkreis, zwei Schilder

Dass die Rückkehr zu einer alten Buchstabenkombination möglich ist, zeigt der Fall Hanau. Die hessische Stadt liegt im Main-Kinzig-Kreis, in dem mit MKK gefahren wird. Doch seit einigen Jahren bekommen die 88 000 Hanauer ein HU-Schild. Mehrere Kennzeichen in einem Landkreis seien möglich, und zwar ohne zusätzliche Kosten, stellt der Wissenschaftler klar. Es müssten die entsprechenden Verordnungen und Gesetze geändert werden - dann sei im Computerzeitalter die Bahn frei für weitere Autoschilder, ohne dass es einen Cent mehr koste. Der Vorteil: Die Bürger hätten mit dem eigenen Kennzeichen einen stärkeren Bezug zu ihrer Stadt. Er und sein Team wundern sich, dass das Hanauer Modell nicht von mehreren Städten nachgeahmt worden sei. Nirgendwo sei festgelegt, dass es nicht erlaubt sei, neue Ortskürzel einzuführen. Der Volkswirtschafts- und Tourismusexperte sieht geradezu „ein Recht auf den eigenen Namen im Kennzeichen“. Dieses einzuführen ist für ihn „keine Frage des Könnens, sondern des politischen Willens“.

Der scheint nicht vorhanden zu sein. Zumindest nicht im Verkehrsministerium. „Man kann das Rad nicht zurückdrehen, das passt nicht in die heutige Zeit“, sagt Ministeriumssprecher Gerhard Schmidt-Hornig. Vor 40 Jahren seien Fakten geschaffen worden. Wolle man die rückgängig machen, erfordere das einen enormen Aufwand. Formulare und Datenbanken müssten geändert werden, bei Strafzetteln müsste geklärt werden, wer dann dafür zuständig sei. „Bürokratieabbau sieht anders aus.“ Konkrete Anfragen sind beim Ministerium bisher noch nicht eingetrudelt. „Wir würden das aber nicht mit Freuden aufnehmen“, sagt Schmidt-Hornig schon mal an die Adresse der potenziellen FIL-, LE- oder NT-Schild-Verfechter.

„Der EDV ist es egal“

Im Esslinger Landratsamt würde man es bedauern, wenn die 514 000 Einwohner nicht mehr alle einheitlich mit dem ES-Schild unterwegs wären, sagt Pressesprecher Wolf-Dieter Roser. „Man kann zwar über alles diskutieren“, doch er könne sich nicht vorstellen, dass das Land die Kennzeichenverordnung rückgängig macht. Die Umsetzung sei dabei nicht das Thema: „Der EDV ist es egal, ob die Datei groß oder klein ist.“ Schließlich gebe es neben der großen Datei mit den ES-Nummernschildern auch noch die kleine Datei mit den restlichen NT-Schildern. Zusätzliche müssten dann FIL- und LE-Dateien eingerichtet werden. „Das wäre schon ein Aufwand, aber scheitern würde es daran nicht“, mutmaßt Roser.

 

Artikel vom 01.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (1)

-› Artikel kommentieren

01.09.2010 11:33 von Hans Lehner

Gibt es derzeit keine wichtigeren Probleme für den Landkreis oder gehört der Blödsinn noch zum Sommerloch der Kommunalpolitiker in den Kreisstädten. Wohin soll das gehen? Von wegen lokalen Bilndung. Filderstadt besteht aus ihren zerpflückten Teilgemeinden die sich gegenseitig bekrabbeln. Nun wollen sie eine eigenes Kennzeichen. Lächerllich. Werdet erstmal eine verfünftige Stadt. Vorsicht Satire: Bernhausen- BEH Sielmingen- SGM Plattenhardt- PTH und Bonlanden- BOL


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