Kreative Zeichen gegen rechte Parolen
OSTFILDERN: „Raise your Pinsel“ - Ein Kunstprojekt der Gymnasien gegen Rassismus auf der Betonmauer des Trendsportfelds
Die ehemals graue Betonmauer am Trendsportfeld im Scharnhauser Park erstrahlt in allen Farben des Regenbogens. Eine Woche lang haben junge Erwachsene aus dem Heinrich-Heine- und dem Otto-Hahn-Gymnasium an dem spektakulären Kunstwerk gearbeitet - und damit ein kreatives Zeichen gegen Rechts gesetzt. Das Kunstprojekt kam als Reaktion auf rassistische Schmierereien am Schulzentrum in Nellingen zustande.
Viele Schüler seien empört gewesen, als „am ganzen Schulzentrum rechte Sprüche auftauchten“, erzählt Laura Breuning, die gerade am HHG ihr Abi gemacht hat. Sie hatte die Idee, etwas dagegen zu unternehmen - „und über die Kunst eine Aussage gegen Rassismus zu machen“. Als ideale Fläche erschien das Trendsportfeld. Mit Unterstützung durch das Zentrum Zinsholz und die Kinder- und Jugendförderung Ostfildern kam das Projekt zustande. Für die Betreuung wurde der Graffiti-Künstler Ewgenij Ryshkowski gewonnen, der bereits vor zwei Jahren das Projekt „Kunst am Bau“ am Jugendhaus L-Quadrat begleitete.
Eigene Entwürfe verwirklichen
Sieben Zwölftklässler und Abiturienten des HHG und OHG hat Laura für die Aktion gewonnen. Alle sollten ihre eigenen Vorstellungen und Entwürfe verwirklichen können, erklärt Ewgenij.
Um an der langen Mauer kein „Flickwerk“, sondern ein zusammenhängendes Bild entstehen zu lassen, hat der erfahrene Sprayer einen verbindenden Hintergrund entworfen, der zu Beginn von den Teilnehmern aufgetragen wurde. Aus polarisierendem Schwarz-Weiß entwickelt sich im knallig leuchtenden Farbverlauf eine bunte Mischung von Formen und Farben.
Ihre eigenen Ideen zum Thema setzen die jungen Künstler in unterschiedlichen Stilrichtungen um: Manche arbeiten eher figürlich, andere gestalten Sprüche in kunstvoll verschlungenen Lettern. „Es macht einfach Spaß“, meint Julian (18) - außerdem findet er es „wichtig, ein Zeichen gegen den Rassismus zu setzen“.
Den rechten Schmierereien etwas entgegen zu setzen, sei ein gutes Gefühl, finden auch die anderen Mitwirkenden. Künstlerisch betätigt haben sie sich schon länger - etwa im Leistungskurs Kunst - doch das Sprühen ist für die meisten eine neue Erfahrung. „Ich wollte das schon längst mal machen“, sagt Alexa (18) lachend - „aber nicht illegal unter einer Brücke“.
Reizvoll sei es auch, im öffentlichen Raum etwas zu gestalten, meint Christopher (20): „Es ist toll, dass jeder, der hier vorbei kommt, unser Bild sehen kann.“ Zu lesen ist auf dem Kunstwerk der Schriftzug „Die Welt hat viele Farben“. Das sei gut so, sagt Patricia (20). In Deutschland gebe es viele Kulturen. Aus jeder könne man etwas lernen - „sonst wäre das Leben hier ja öde“.



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