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Von der Küste kommt die Spannung der Windkraft

WENDLINGEN: Schaltzentrale der TNG stellt die Stromversorgung in ganz Baden-Württemberg sicher

  Karl Zimmermann, Rainer Joswig, Peter Hauk, Thomas Bopp und Jürgen Neumaier (stehend von links) in der Schaltzentrale. Foto: Jacques
 

Karl Zimmermann, Rainer Joswig, Peter Hauk, Thomas Bopp und Jürgen Neumaier (stehend von links) in der Schaltzentrale. Foto: Jacques

 

Was passiert in der Hauptschaltzentrale der EnBW-Transportnetze AG (TNG) in Wendlingen? Dort wird die Stromversorgung europaweit koordiniert. Dem Kirchheimer Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann (CDU) ging es dabei vor allem um den Einfluss von Windenergie in Baden-Württemberg.

Von Andreas Volz

In einer Broschüre beschreibt die TNG die Aufgabe der Schaltzentrale so: „Da Strom nicht in großen Mengen speicherbar ist, muss zu jeder Zeit die Stromerzeugung in den Kraftwerken mit dem Stromverbrauch der Kunden im Gleichgewicht sein. Ähnlich wie ein Seiltänzer gleichen wir in jeder Sekunde das Gesamtsystem der Stromversorgung aus und übernehmen Verantwortung für Baden-Württemberg, damit nicht nur in Stuttgart Tag für Tag das Licht brennt.“Jürgen Neumaier, der Technische Leiter der TNG, stellte den Gästen einen typischen Tag im November vor, an dem Strom von Windkraftanlagen aus dem Nordosten Deutschlands in den Südwesten geliefert wird. Trotz aller Windenergie seien aber konventionelle Kraftwerke für eine sichere Stromversorgung wichtig, „um die Spannung zu halten“. Die vielen Windkraftwerke im Norden würden durchaus zur Spannungserhaltung beitragen, „die wenigen bei uns aber nicht“.In Deutschland gibt es etwa 21 000 Windkraftanlagen mit einer installierten Gesamtleistung von 25 Gigawatt. Nur zwei Prozent dieser Leistung kommen aus Baden-Württemberg, wo es bislang nur 360 Windkraftanlagen gibt. Neumaier sagt: „Es gibt sicher lukrativere Standorte als Baden-Württemberg. Lukrative Gebiete sind küstennah.“ Aber Windkraft führt in Baden-Württemberg nicht unbedingt dazu, dass fossile Energieträger zurückgefahren werden. Rainer Joswig, Vorstand Technik bei der TNG: „Egal, wo eine Windkraftanlage steht, schreibt das Gesetz vor, dass die Winderzeugung gleichmäßig vermarktet werden muss.“ Das Land sei verpflichtet, immer 14 Prozent des jeweiligen Windenergieaufkommens zu übernehmen.Auf ein besonderes Problem, das sich aus der erneuerbaren Energie für den Strommarkt ergibt, hatte zuvor bereits Bernd Jauch, der Leiter des Energiemarkts bei der TNG, verwiesen: auf die negativen Preise. „Wenn viel Windenergie vorhergesagt ist, die zu 100 Prozent an die Strombörse geht, und dazu noch wenig Verbrauch da ist, dann muss man ein konventionelles Kraftwerk abstellen.“ Für den Kraftwerkbetreiber lohne es sich aber nicht, seine Anlage runterzufahren, nur um sie eine Stunde später wieder hochfahren zu müssen. Um das zu verhindern, sei der Betreiber sogar bereit, noch Geld dafür zu bezahlen, dass ihm jemand den Strom abnimmt. Im Gegensatz zu Spanien gilt in Deutschland das Vorrangprinzip der erneuerbaren Energien: „Ob es passt oder nicht, es gibt immer eine feste Vergütung.“Um trotz der vielen Windenergie aus dem Norden die Stromversorgung gewährleisten zu können, setzt die TNG laut Jürgen Neumaier auf den Ausbau des Netzes: „Wir nutzen die vorhandenen Trassen und rüsten sie auf eine höhere Spannung um.“ Der Vorsitzende der Regionalversammlung, Thomas Bopp, sagte, es gebe Kommunen, die gerne noch mehr solcher Anlagen hätten. Aber am Albtrauf geht er von einer restriktiven Handhabung aus. Ohnehin werde die Windkraft im Land niemals eine ähnliche Bedeutung erhalten wie an der Nord- oder Ostsee.

 

Artikel vom 17.07.2010 © Eßlinger Zeitung

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