Nahtstelle zwischen ambulant und stationär
OSTFILDERN: Grundstein für 51 Millionen Euro teures Gesundheitszentrum Ruit gelegt - Notaufnahme, OP-Zentrum und Privatklinik
Ist das deutsche Gesundheitssystem noch bezahlbar? Die Frage ist ein Dauerbrenner in Talkshows. Der Kreis Esslingen beantwortet sie auf seine Weise: mit Investitionen. 100 Millionen Euro für das neue Nürtinger Krankenhaus, 30 Millionen für Erweiterung und Sanierung in Kirchheim und gestern wurde in Ruit der Grundstein für das 51,6 Millionen Euro teure Gesundheitszentrum gelegt. Von ihm erwartet Landrat Heinz Eininger medizinische und wirtschaftliche Vorteile.
Das Projekt am Paracelsus-Krankenhaus lässt sich der Kreis zunächst bezahlen: von Public Consult Ruit (PCR) - einem Konsortium aus dem Bauunternehmen Gustav Epple Stuttgart, den Stadtwerken Esslingen als Gebäudemanager und Energielieferant sowie Public Consult Berlin als Projektleitung. 20 Jahre lang zahlt der Landkreis Miete, dann gehört ihm das Haus. Diese Public-Private-Partnership soll um 15 Prozent günstiger sein. Der Kreis bleibe bundesweit an der Spitze der PPP-Bewegung, schmeichelte PCR-Geschäftsführer Theodor Strauch. Über dieses Konsortium komme auch die mittelständische Baubranche der Region im europaweiten Wettbewerb zum Zug.„Dieser Grundstein ist ein Meilenstein in der Entwicklung der Kreiskliniken“, sagte Landrat Eininger. Das Gesundheitszentrum Ruit wirke wie ein Leuchturm, der den Patienten den Weg in die Kreiskliniken weise. Denn über Qualität werde der Wettbewerb im Gesundheitswesen entschieden. In Ruit werde beispielhaft vorgeführt, wie niedergelassene Ärzte und Kreiskliniken zusammenarbeiten können.Als Herzstück des Gesundheitszentrums gilt die zentrale Notaufnahme. Rund um die Uhr arbeitet ein Team verschiedener Disziplinen zusammen. Der Notaufnahme sind einige Betten zugeordnet. Das entlastet die Stationen, die nachts keine Patienten mehr aufnehmen müssen. Sämtliche Patienten werden nun in der zentralen Aufnahmeeinheit empfangen, bisher geschah dies an fünf Stellen. Das könne nicht wirtschaftlich sein, sagte Eininger.Im Gesundheitszentrum mieten sich auch die niedergelassenen Ärzte mit ihrer Notfallpraxis ein. Ambulante und stationäre Versorgung würden damit „optimal verzahnt“, so der Landrat. Eine Erleichterung für Patienten sei die Dialysestation, die nun den Transport in andere Kliniken erübrige. Die Kardiologie kann sich mit zwei Linksherzkatheter-Messplätzen im Neubau ausbreiten. Zehn Plätze sind für eine onkologische Tagesklinik vorgesehen, um die ambulante Versorgung von Tumorpatienten zu verbessern.Das Sahnehäubchen wird die Privatklinik sein, die für die Kreiskliniken wirtschaftlich interessant ist. „Darum haben wir sehr gerungen“, verriet Eininger. In den 20 Einbett-Zimmern und 10 Zweibett-Zimmern können 40 Prozent der Wahlleistungspatienten des Paracelsus-Krankenhauses untergebracht werden. Und schließlich richtet sich Ruit noch mehr auf ambulante Operationen ein. Mit dem ambulanten und stationären OP-Zentrum hofft man, die Zahl von 2000 ambulanten OPs verdoppeln zu können.Unter dem Gesundheitszentrum wird eine Tiefgarage 211 Stellplätze bieten und damit ein altes Problem beheben. Eininger dankte ausdrücklich dem bisherigen Klinikverwalter Bernt Rommel, der die Idee eines Gesundheitszentrums schon 2005 ins Spiel gebracht hatte.Ostfilderns OB Christof Bolay dankte dem Landrat für das Bekenntnis zum Standort Ruit und „unserem Krankenhaus“, wie man in Ostfildern sage. Die Klinik sei der größte Arbeitgeber. Vielleicht sei es bei der Einweihung möglich, die Stadtfahne zu hissen. Gestern wehten nur die Wimpel von Land, Kreis, Kliniken, Baufirma, Stadtwerke Esslingen und der Banken. Die Einweihung ist Mitte nächsten Jahres vorgesehen.



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