Gewagte Einlagen

PLOCHINGEN: Dan Barrett’s International Swing Party bietet beeindruckende Bühnenshow in der Stadthalle

 

Mitreißend spielt Dan Barrett‘s Swing Party sich durch Höhepunkte der Jazz-Geschichte.Foto: Bulgrin
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Mitreißend spielt Dan Barrett‘s Swing Party sich durch Höhepunkte der Jazz-Geschichte.Foto: Bulgrin

 

Von Markus Dippold

Ein Stelldichein internationaler Jazz-Größen gab es am Montag­abend in der mäßig besuchten Stadthalle in Plochingen. Gleich acht Swing-Musiker von Weltformat hatten sich für eine Konzerttournee zu einem hochklassigen Ensemble formiert. Jazz in Plochingen - das hat Tradition. Zum 30. Mal fanden die Jazz-Tage statt, und für dieses Konzert hatte man sich eine Luxusbesetzung engagiert. Die acht Weltstars der Jazz- und Swing-Musik lieferten auf der Bühne eine unterhaltsame Bühnenshow, die immer auch unter dem Motto stand: „Wer bietet gewagtere Solo-Einlagen?“Den Anfang des reichlich langen Konzerts bildete traditionell die Big-Band des Plochinger Gymnasiums. Die knapp 20 Schüler zeigten mit ihrem Bandleader Hans-Günther Drieß eine große stilistische Bandbreite. Eine klassische Swing-Nummer zum Auftakt, der schnelle Rock-Titel „Birdland“ und die Latin-Nummer „Tiger of St. Pedro“ mit ihren groovigen Rhythmen zeigte auch die musikalische Qualität der Nachwuchs-Jazzer. Sauber intonierende Bläser, präzise Artikulation, eine spielfreudige Rhythmusgruppe und vor allem tadellose Solisten ließen immer wieder aufhorchen. Den jungen Musikern merkte man Sicherheit und Routine an, sodass sich Drieß aufs Vorgeben von Takt und Tempo beschränken konnte und ansonsten über weite Strecken seine Schüler einfach spielen ließ. Und weil man in Marie Henze eine talentierte Sängerin mit angenehmem Stimmklang hat, durfte sie zum Ende noch den Cole Porter-Klassiker „Night and Day“ interpretieren. Höhepunkt für den Jazz-Nachwuchs war sicher die Jam-Session am Ende des Abends. Mit den Profis von Dan Barrett’s Swing Party lieferte man sich mitrei­ßende Solo-Duelle, kühne Breaks und wagemutige Nummern rund um den Swing-Klassiker Count Basie.

 

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Musikalische Leistungsschau

Von den acht gestandenen Jazz-Musikern aus Deutschland und den USA konnte man sich an diesem Abend in der Tat einiges abschauen. Bandleader Dan Barrett beispielsweise ist ein Posaunist mit unglaublich weichem Tonfall, der es etwa in dem ruhigen Titel „When I grow too old to dream“ schafft, seinen fein schimmernden Posaunenton der Gesangsstimme von Eddie Erickson anzupassen. Der wiederum singt nicht nur, sondern hat sich als Gitarrist den Künstlernamen Fast Eddie erarbeitet: Schnellere Gitarren-Breaks hört man selten, und wenn er sich das Banjo schnappt, etwa in dem Blues „Minotty Sweety“ aus den 20er-Jahren, dann bekommt auch dieses oft misstrauisch beäugte Instrument einen faszinierenden Reiz. Im Grunde machen Barrett und seine Kollegen aus allen Titeln des Abends eine Art Leistungsschau der eigenen technischen und gestalterischen Möglichkeiten. Die beiden Saxophonisten und Klarinettisten Engelbert Wrobel und Dan Block überbieten sich in halsbrecherischen Skalen und Figurationen, etwa in dem aus England stammenden „Limehouse Blues“. Und wenn die Kontrabassistin Nicki Parrott ihr Instrument gegen die Singstimme eintauscht, dann bleibt für einen Moment die Zeit stehen. Die gebürtige Australierin, die bei New Yorks Jazz-Größen ihr Handwerk gelernt hat, hat ein einschmeichelnd warmes Timbre und bei aller Zurückhaltung eine große Ausstrahlung, und vor allem beherrscht sie den Scat-Gesang, das freie Spiel mit klingenden Silben, makellos.

Beeindruckend sind immer wieder auch die Solo-Momente des Pianisten Chris Hopkins und von Duke Heitger, der mit klarem Trompetenton ganz im Stil von Louis Armstrong begeistert. Star des Abends, an dem 75 Jahre Swing-Musik gefeiert werden, ist aber zweifellos der Schlagzeuger Butch Miles. Einen technisch besseren Drummer gibt es wohl kaum. Leichtfüßig tänzelt er selbst im schnellsten Tempo über die Trommeln und Becken, setzt komplizierte und oft gegenläufige Rhythmen präzise übereinander und vor allem hört er seinen Mitstreitern zu und passt sich dem Duktus des jeweiligen Solisten perfekt an. Da kennt die Begeisterung in der Stadthalle kaum Grenzen.

Artikel vom 17.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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