Warum die Prinzessin ihre Schuhe verspeiste
KÖNGEN: 55 Minuten verschrobene Ideen und Effekte: Der neue Film von „Haklebunt“ - Eine Menge Trophäen dazu
Wenn alle über Oscars reden, soll auch Köngen seinen Filmpreis haben. Wie gut, dass der „Verein gegen unterdrückte Lebensfreude“ endlich seinen neuesten Streifen fertig hatte, nach immerhin acht Jahren Produktionszeit. Auf die Premiere von „Prinz Gerhard und der Schuh der Prinzessin“ folgte die große Preisverleihung, bei der die Spaßtruppe goldene Klobürsten, goldene Zahnkränze und weitere Trophäen vergab.
Es war nicht das erste „audiovisuelle Zeitdokument“, das die Haklebunt-Truppe, sonst durch ihre Steinskulpturen bekannt, gedreht hat. Aber möglicherweise das mit der längsten Produktionszeit. Dabei habe das Drehen gar nicht so lange gedauert, verrät Jochen Maier, der zum Zentrum des schrägen Vereins gehört. Aber das Schneiden erwies sich als zäh. Im Sommer Steine klopfen, im Winter Film schneiden war der Plan. Den setzte man um, aber „wir haben immer nur fünf Minuten Film pro Winter geschafft“, so Maier. Zum Glück stießen im vergangenen Jahr drei technisch Versierte zur Truppe und nahmen das Ganze in die Hand. Die Herren Frank, Utz und Andi bekamen auch prompt drei Goldene Stahlseil-Geduldsfäden verliehen. Woher kam die Handlung für einen Film, der es laut Ankündigung schafft, „aus einer Geschichte, die in drei Minuten erzählt wäre, einen Film von unbeschreiblichen 55 Minuten zu machen“? Da half das Vereinsleben nach, denn es lag filmisches Rohmaterial von Partys und anderen Unternehmungen vor. Dazu kam ein leeres Abbruchhaus, das sich für den Showdown anbot - wollte doch einer der Darsteller „schon immer mal mit dem Motorrad durch ein Haus fahren, durch Wände und so.“ Drumherum haben die Drehbuchschreiber eine wahrhaft märchenhafte Handlung gebastelt: Ein Drache, der vom klugen Prinzen Gehard mittels Zement im Müsli zum gigantischen Tischfeuerzeug aus Stein verwandelt wird; eine verwöhnte Prinzessin, die ihre Schuhe verspeist, damit sie nicht wandern muss; eine böse Hexe, getarnt als Tannenbaum. Prinz Gerhard lässt sich auf der Suche nach ihr von seinem untrüglichen Instinkt für schlechte Frauen leiten, befreit nebenbei das Volk der Morasten von einer Mückenplage und erlebt weitere Abenteuer. Schließlich räumt Lord Linus im Hexenhaus richtig auf und wirft neben Kloschüsseln und Möbeln auch Kitzelpimpfe durchs Fenster. König Knut darf im Film immerhin einen Satz sagen („da naus gfloga?“), ansonsten knattert der fetzige Soundtrack. Jede Menge Darsteller haben mitgewirkt, viele allerding in einer kleinen Rolle. „Kinder, die kurz durchs Fenster fliegen“ zum Beispiel, erläutert Jochen „Joker“ Maier. Er bekam für Regie und Drehbuch das goldene Telefonbuch - vielleicht will er ja nächstes Mal selbiges verfilmen. Bis Donnerstag kann man das Werk mit seinen schrägen Effekten täglich um 20.30 Uhr im Jugendhaus Trafo anschauen und dazu gleich den neu angelegten „Walk of Fame“: In seinen drei Sternen durften sich die Hauptdarsteller mit dem Abdruck ihrer Hand oder anderer Körperteile verewigen.



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