PORTRäT GUNDULA PEYERL, SOPRANISTIN
Eine Stimme für starke Frauengestalten
KöNGEN: Die 37-jährige Opernsängerin konzipiert eigene Liederabende - Sinnliche Erfahrungen im Gesangsunterricht
Songs von Kurt Weill und George Gershwin haben es der Köngener Sopranistin Gundula Peyerl besonders angetan. Deren Lieder interpretiert die studierte Opernsängerin mit viel Leidenschaft und Charakter. Gerade die ebenso zwielichtigen wie starken Frauengestalten aus der „Dreigroschenoper“ faszinieren sie. Aber auch Gershwins Musical-Melodien findet die 37-Jährige reizvoll. Der früh gestorbene Komponist, der afro-amerikanischen Jazz mit symphonischer Musik verknüpfte, fordert sie heraus. Mit dem Göppinger Pianisten Gerald Buss bringt sie den Zuhörern die ungewöhnlichen Arrangements des Amerikaners nahe.Nach dem Gesangsstudium bei Professorin Vera Scherr an der Musikhochschule Mannheim spezialisierte sich Peyerl auf die Oper. Deshalb studierte sie an der Freiburger Musikhochschule weiter. „Mich hat immer auch das Szenische gereizt“, sagt die Künstlerin, die sich auch für bildende Kunst und für Modedesign interessiert.
Repertoire jenseits des Kanons
Nachdem sie einige namhafte Opern-Wettbewerbe in Berlin und Wien gewonnen hatte, bekam sie im Jahr 2000 ein Engagement am Stadttheater Hof. Ihr Kontakt mit dem Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch führte sie ans Theater der Stadt Aachen. An diesem Haus schätzte sie das interessante Repertiore. „Wir haben manches gespielt, das jenseits des gängigen Kanons liegt“. Ihre erste Rolle dort war die Rose in „Street Scene“ von Weill. Dass sie an kleineren Opernhäusern gearbeitet hat, sieht Peyerl als Chance. Da habe sie von Anfang an große Opernpartien singen dürfen, etwa die Sophie in Richard Strauss ' „Rosenkavalier“, die Olympia in „Hoffmanns Erzählungen“ oder Despina in Mozarts „Cosi fan tutte“.
Als ihr Sohn geboren wurde, entschloss sie sich, als Konzertsängerin zu arbeiten. „Der straff organisierte Probenbetrieb in einem Opernhaus ist mit der Familie kaum zu verbinden.“ Obwohl sie den Schritt anfangs bedauerte, sehe sie ihre freie Tätigkeit inzwischen als Chance. Mit Liederabenden, Gastengagements bei einzelnen Opernproduktionen und mit ihrer Tätigkeit als Gesangslehrerin an der Köngener Grinio-Akademie decke sie inzwischen ein viel breiteres Spektrum ab. Was reizt die Sopranistin am Gesangsunterricht? „Es macht mir Freude, mit meinen Schülern deren stimmliche Möglichkeiten zu entdecken.“ Gerade bei jungen Sängerinnen und Sängern sei die stimmliche Entwicklung von zentraler Bedeutung. Das weiß Peyerl aus eigener Erfahrung, denn ihre Lehrerin Sabine Schwarzenberger, selbst Opernsängerin, habe sie 1992 ermutigt, die Aufnahmeprüfung für das Gesangsstudium zu machen. Damals träumte die Abiturientin am Wendlinger Robert-Bosch-Gymnasium noch von „irgendeinem kreativen Beruf“. Wenn ihre Schüler in den Unterricht kommen, konzentriert sich Peyerl zunächst auf die Stimmübungen. Es sei wichtig, Energie freizusetzen, die im Alltag oft verschüttet werde. Wenn sie an der Akademie mit ihren vier jungen Sängern arbeite, staune sie manchmal selbst, welches Potenzial in ihnen steckt. Deshalb möchte sie ihre Lehrtätigkeit nicht missen.
Oper versursacht Schwellenängste
Die Köngenerin genießt es, dass sie mit ihren Liederabenden ein breiteres Publikum erreicht, als das in Opernhäusern möglich wäre. Viele hätten Schwellenängste, sich mit großer Opernliteratur zu beschäftigen. Deshalb findet sie Projekte wie die Kinderoper „Pinocchios Abenteuer“ von Jonathan Dove, die zurzeit an der Staatsoper Stuttgart zu sehen ist, wichtig. Da würden die Kleinsten mit einer Musik konfrontiert, die sie auf einer sinnlichen Ebene nachempfinden könnten.
Seit Peyerl durch ihre zwei Kinder vorwiegend in Köngen lebt, nimmt sie sich Zeit, die rührige Kinder- und Jugendchorleiterin Martina Krempler bei der Stimmbildung zu unterstützen. Selbst für die Kleinsten sei es spannend, die Möglichkeiten ihrer Stimme zu entdecken. Mit Gesangsunterricht sollte man nach Peyerls Ansicht erst beginnen, wenn die Stimme voll ausgebildet sei. Sie selbst habe erst mit 16 Jahren gezielt Stunden genommen.



Artikel kommentieren