Modellprojekt führt Menschen und Natur zusammen
KREIS ESSLINGEN: Biosphärengebiet und Streuobstwiesen sind Schwerpunkte im Programm des Naturschutzzentrums
Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb bestimmt das Programm des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb wesentlich. Zum einen sind Veranstaltungen darauf ausgerichtet, zum anderen wird es baulich fit gemacht für neue Aufgaben. Es erhält einen Anbau, und das bestehende Gebäude wird saniert. Wegen der Bauarbeiten bleibt das Naturschutzzentrum ein paar Monate geschlossen, dem Programm sieht man aber nicht an, dass es abgespeckt ist.
Das Naturschutzzentrum ist das nördliche Eingangsportal zum Bio-sphärengebiet. Zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben, die Umweltbildung und Betreuung von Naturschutzgebieten, übernimmt es auch touristische Funktionen. Es ist Informationszentrum für das Biosphärengebiet und den Geopark Schwäbische Alb. In dem Anbau, der sich wie eine Steinscholle aus dem Boden herausschieben soll, entstehen 175 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Dort wird die neue Dauerausstellung aufgebaut. Das 1963 erbaute Gebäude, in dem das Naturschutzzentrum seit seiner Eröffnung 1996 residiert, werde „ökologisch vorbildlich“ saniert, kündigte der stellvertretende Landrat Matthias Berg an. „Es war immer klar, dass dieses Gebäude hier eines Naturschutzzentrums nicht würdig ist.“ 1,8 Millionen Euro kosten Erweiterung und Sanierung. Davon übernimmt der Landkreis eine Million, den Rest zahlt das Land. Im Frühjahr 2011 wird das neugestaltete Naturschutzzentrum eingeweiht.
Fotos wider den tierischen Ernst
Wegen der Bauarbeiten ist das Zentrum bis Ostern geschlossen, von September bis zum Jahresende schließt es erneut. Als „Trostpflaster“ für die Beeinträchtungen sieht der Leiter des Naturschutzzentrums, Wolfgang Wohnhas, die Ausstellung „Sittigs Tierleben - Fotos wider den tierischen Ernst“. Sie wird am 6. April eröffnet und ist bis 30. Mai zu sehen. Das Büchlein mit Walter Sittigs witzigen Schnappschüssen, die Tieren fast schon menschliche Züge verleihen, gibt es in der Ausstellung zu kaufen.
Direkt im Anschluss folgt die Ausstellung „Vogelschutz in Streuobstwiesen des mittleren Albvorlands“. Sie dauert vom 3. Juni bis 28. August. Die für die Ökologie bedeutenden und die Kulturlandschaft prägenden Wiesen sind neben dem Biosphärengebiet Themenschwerpunkt in diesem Jahr. Im mittleren Albvorland befindet sich das größte zusammenhängende Streuobstgebiet Europas, berichtete Wohnhas. 10 000 Hektar liegen allein im Kreis Esslingen. Die Wiesen sind als Vogelschutzgebiete ausgewiesen und Teil des europaweiten Schutzgebietssystems Natura 2000. Derzeit werden Kulturlandschafts-Führer, sogenannte „Obstler“, ausgebildet, die für Führungen gebucht werden können. Am 14. Juli erörtert ein Diskussionsforum die Zukunft der Streuobstwiesen.
Ins Biosphärengebiet organisiert das Naturschutzzentrum verschiedene Bus-Exkursionen und auch gegenseitige Besuche der verschiedenen Regionen, damit die sich besser kennen und voneinander lernen können. „Wir wollen für dieses einzigartige Modellprojekt, das Menschen und Natur zusammenführen soll, Werbung machen“, erklärte Wohnhas. Ziel mehrere Exkursionen ist der ehemalige Truppenübungsplatz in Münsingen. Fahrten gibt es auch zum Projekt Alblinsen, zu den Alb-Büffeln und Horstbäumen für den Rotmilan. Busse steuern aber auch weiter entfernte Ziele an: Den Vulkanismus auf der Hegaualb und das Naturschutzgebiet Pfrunger Ried, das zweitgrößte Moor Südwestdeutschlands. Eventuell könne man von den Erfahrungen dort lernen, sagte Wohnhas.
Mit einem vielfältigen Veranstaltungsangebot will das Naturschutzzentrum die Bevölkerung über die Landschaft auf der Schwäbischen Alb informieren, sie für den Naturschutz sensibilisieren und ökologische Zusammenhänge vermitteln. Einen besonderen Stellenwert hat die Umweltbildung für Kinder und Jugendliche. Junge Menschen haben dafür neue Ideen eingebracht: Anita Kronmiller und Silke Malmsheimer, die im Naturschutzzentrum ein freiwilliges ökologisches Jahr absolvieren, haben die Natur-Kindergruppe initiiert. Kinder lernen hier Tiere, Pflanzen und Naturphänomene kennen. Sie können auch spielen, basteln und werken. Außerdem unterstützt das Naturschutzzentrum das landesweite Projekt Nisthilfen für Mehlschwalben, das sich an Schulklassen richtet. Es ist Teil des Aktionsplans „Biologische Vielfalt“. Ziel sei es, über Arten zu informieren, „für die wir hier eine besondere Verantwortung haben“, erläuterte Wohnhas.
Das Programmheft liegt im Naturschutzzentrum, in allen Rathäusern und im Landratsamt aus. Außerdem kann man es im Internet abrufen.



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