RÜCKBLENDE VON HANS-JOACHIM HIRRLINGER
Aufreger und Einlenker
Wir haben genug vom Winter, genug vom Schneeschippen, vom Frost und von glatten Straßen. Ihr Meteorologen, lasst es endlich Frühling werden. Was sagt wetter.de dazu? Erst ab Mittwoch können wir wieder mit nennenswert Sonne rechnen: 6,50 Stunden lang, es reicht für frühlingshafte 12 Grad. Das ist die gute, kurzfristige Nachricht. Die schlechte: Langfristig bleibt das Klima auf die Mithilfe von fast sieben Milliarden Menschen weltweit angewiesen, also auch auf uns 500 000 Einwohner des Landkreises. Aber fahren wir weniger Auto, fliegen wir weniger zu fernen Zielen?
Siefers Lärm
Nicht die Einsicht, sondern die Wirtschaftskrise hat dazu geführt, dass deutlich weniger ab Stuttgart geflogen wird. Auch die Zahl der Beschwerden ist von 2008 zu 2009 von 2259 auf 1599 gesunken. Klaus Peter Siefer listet in seinem neuesten Fluglärmbericht auf, dass die meisten Menschen sich von Nachtflügen belästigt fühlen, denn die Erleichterung war nur von kurzer Dauer: Die Post hat nach nur fünfmonatiger Unterbrechung im Dezember wieder mit den Nachtpostflügen begonnen. Schon im Januar waren es je 40 Starts und Landungen nach 23 Uhr. Hinzu kamen weitere acht startende Jets nach 23 Uhr und 36 landende nach 23.30 Uhr. Da kann man sich schon aufregen.
Schmalzls Lenkung
Und wird‘s auf den Straßen ruhiger? Möglicherweise auf der B 10/313, wo die Laster nur noch 60 statt 80 fahren dürfen. Aber für den wirklich wirksamen „Flüsterbelag“ fehlt bisher ein konkreter Termin. Da freut man sich doch schon über kleine Zugeständnisse: Regierungspräsident Johannes Schmalzl hat jetzt schriftlich bestätigt, was er mündlich schon ankündigen ließ: In der Stuttgarter Behörde wird ein Lkw-Lenkungskonzept erarbeitet.
Schicks Absicht
Was wir von Ankündigungen halten müssen, hat die „Bildungsoffensive“ des ehemaligen Landesvaters gezeigt. Das waren vollmundige Absichtserklärungen, die in der Praxis sogar zum Rückschritt führten: zu Schulen, die krankheitsbedingte Lehrerlücken in Hauptfächern nicht mehr ausgleichen können; zu Brennpunktschulen, denen für ihre besonderen Aufgaben ohnehin zu wenige Lehrerstunden zugewiesen wurden. Da kann man nur hoffen, dass die neue Kultus-Frontfrau des Landes, Marion Schick, wahr macht, was sie ankündigte: Kürzungen der Lehrerstunden werden zumindest ein Jahr aufgeschoben. Sinnvoller wäre, sie aufzuheben und endlich Landesmittel für Schulsozialarbeiter locker zu machen.
Becksteins Antwort
Der Schock von Winnenden und Wendlingen macht es möglich, dass zumindest die Zahl der Schulpsychologen im Lande verdoppelt wird. Vielleicht kann mit ihrer Hilfe den schrecklichen Amokläufen entgegengesteuert werden. Und vielleicht hilft ihr Einsatz auch gegen die Brutalisierung von Jugendlichen, die auch noch auf den am Boden Liegenden eintreten. Günther Beckstein, der frühere bayerische Ministerpräsident, hat in Wendlingen erklärt: „Es ist eine Verrohung eingetreten, die nach Antworten ruft.“ Die liegen in Werten wie Mitgefühl und Verantwortung. Wenn Eltern sie nicht mehr vermitteln können, dann müssen Lehrer dafür Freiräume erhalten. Womit wir wieder bei den Lehrerstunden wären . . .



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