Im Licht der Auferstehung
ALTBACH: 50 Jahre Christuskirche - Das Gesamtwerk des Künstlers Helmuth Uhrig wirkt bis heute stimmig und geschlossen
Der Bildhauer Helmuth Uhrig (1906 bis 1979) hat vor allem im Bereich der christlichen Kunst des 20. Jahrhunderts herausragende Werke hinterlassen. Sein Schaffen sei geprägt durch den Versuch, „Wahrheit der Kunst und Wahrheit des Glaubens im 20. Jahrhundert wieder miteinander zu verbinden“, beschreibt der Kunstfachmann und Theologe Waldemar Wucher Uhrigs Wirken. Als Gesamtkunstwerk hat er die evangelische Christuskirche in Altbach vor 50 Jahren gestaltet.
Die mittelalterliche Dorfkirche, die Ulrichskirche im Ortskern, war für die durch Heimatvertriebene stark gewachsene Kirchengemeinde zu klein geworden. Oben, am Hang der Weinbergstraße, sollte die neue Kirche entstehen, groß genug für eine Gemeinde mit 4000 Menschen. Der Stuttgarter Architekt Hans Seytter, der schon 1950 bei der Gestaltung der Emmauskirche in Riedenberg mit Uhrig zusammengearbeitet hatte, legte den Kirchenbau in Nord-Süd-Richtung an, um eine allzu massive Wirkung des Kirchenschiffs zum Tal hin zu vermeiden. Die Hanglage ermöglichte einen kompakten Bau mit Gemeindesaal und Nebenräumen unter der eigentlichen Kirche. Das Projekt kostete 600 000 Mark, von denen 155 000 Mark über Spenden, Opfer und Bazare aufgebracht wurden. Der Kirchbauverein investierte 67 000 Mark.
Christus beherrscht die Kirche
Die künstlerische Gestaltung der kargen, ganz auf den Gottesdienst ausgerichteten Kirche ist eine programmatische Ansage Helmuth Uhrigs. Sie beginnt am unteren Eingang zum Martin-Luther-Saal an der Weinbergstraße: Zehn Kupfertafeln stellen auf der Tür die Zehn Gebote dar - als alttestamentarisches Fundament des christlichen Glaubens. Wer die Kirche betritt, sieht die zentrale Figur des auferstandenen Christus an der Stirnseite des Chors, von Osten belichtet durch ein großes, hoch angebrachtes Seitenfenster.
Von einem großen leeren Kreuz habe Uhrig abgeraten, schreibt Kirchengemeinderat Helmut Schmitz in seinen Erinnerungen, denn der Karfreitag mit dem toten Christus werde überbetont. Der Tod sei doch durch die Auferstehung überwunden worden. Die Kirchengemeinderäte ließen sich überzeugen. Aus Marmor entwarf Uhrig den Altar, als schlichten, aber beherrschenden Tisch mit Kreuz. Und noch heute schätzt Pfarrer Tilman Schühle die Absicht: „Es war schon mutig, das so machen zu lassen. Die Kirche wirkt nüchtern, aber sie ist auf den Gottesdienst hin konzipiert.“
Schühle sagt, auf diese Kirche müsse man sich einlassen. Dabei hat er „ganz große Schätze“ entdeckt: in der Einheit von Altar und Christusfigur; in der Kanzel, deren Brüstung Reliefs aus dem Leben Jesu zeigt; im Taufstein mit Bildern der Taufe Jesu durch Johannes und des Taufbefehls; in der Rosette auf der Orgelempore, deren Bilder das Glaubensbekenntnis interpretieren; Im Bilderfries mit Motiven aus dem Wirken Jesu über den niedrigen Fenstern der Ostwand; und im kleinen Michaelsfenster am oberen Ausgang. Dass Michael den Drachen nicht tötet, aber niederhält, symbolisiert den dauernden Kampf zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis. Der Besucher wird durch die obere Tür auf die Urbanstraße entlassen: Uhrig weist darauf durch Kupfertafeln mit den sechs Werken der Barmherzigkeit auf das Gebot der Nächstenliebe hin.
Pfarrer Schühle sagt: „Die Christuskirche braucht Zeit, bis sie sich erschließt.“ Das hat auch Ulrike Seifried, die stellvertretende Vorsitzende des Kirchengemeinderates, erfahren, als sie von Deizisau nach Altbach zog: „Ich empfand sie als unnahbar, aber mit der Zeit sieht man das anders. Inzwischen ist sie ein Stück Heimat für mich geworden.“
So viel durchkomponierter Kirchenkunst begegnet auch Schühle, der seit acht Jahren hier wirkt, respektvoll: Sie seien sehr vorsichtig bei Renovierungen, um den Gesamteindruck nicht zu stören. Bei der letzten Renovierung 2000 wurden deshalb nur der Eingang und die Farben etwas verändert. Der Anbau mit Jugendräumen und Sitzungszimmer wurde schon 1994 errichtet.
Helmuth Uhrig war Mitglied der evangelischen Michaelsbruderschaft. Nach seinem Tod kam sein künstlerischer Nachlass deshalb ins Kloster Kirchberg, das geistliche Zentrum der Bruderschaft. Die Sammlung vermittelt einen Überblick über das Lebenswerk des Bildhauers, Malers, Glasmalers und Mosaikkünstlers. Sie ist jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Die Kirchengemeinde hat das Jubiläum unter das Motto Gottesdienste gestellt: vom Gospel-Pop-Konzert mit dem Laki-Chor am Samstag, 13. März, 19 Uhr, bis zum Jugendgottesdienst am 5. Dezember mit dem Disgo-Team. Zentral ist der Festgottesdienst am 25. Juli, den Prälat Ulrich Mack mit früheren Altbacher Pfarrern und Vikaren halten wird.



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