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Zwei Jahre Haft für Crawford-Erpresser

KIRCHHEIM: 26-Jähriger verlangte 100 000 Euro vom Ehemann des Supermodels

  Der Angeklagte Edis K. verbirgt sein Gesicht vor den Fotografen, während ihm die Handschellen abgenommen werden.Foto: dpa
 

Der Angeklagte Edis K. verbirgt sein Gesicht vor den Fotografen, während ihm die Handschellen abgenommen werden. Foto: dpa

 

Wegen versuchter Erpressung ist der 26-jährige Edis K. gestern von einem Kirchheimer Schöffengericht zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt worden. Er hatte von der Familie des einstigen amerikanischen Supermodels Cindy Crawford 100 000 Euro verlangt, damit er ein angeblich „zweideutiges Foto“ der siebenjährigen Tochter nicht an die Boulevardpresse weitergebe.

Von Andreas Volz

Als „eine sehr von sich selbst überzeugte Persönlichkeit“ hat Staatsanwalt Biehl den Angeklagten bezeichnet. K. ist sechs Mal vorbestraft, unter anderem wegen Diebstahls und Nötigung. Er bezeichnete sich selbst als „freie Seele“ und sagte: „Ich bin ein Mensch, der Abwechslung mag.“ Nach drei Monaten gab er etwa das technische Gymnasium auf. Die nächste Abwechslung kam mit 17 Jahren: Er ging als Surfer nach Hawaii. Nach einem Monat war der Traum vorbei. Edis K. hatte erkannt: Dort gibt es vor allem Touristen, und wenn man etwas mit Frauen anfangen will, dann reisen sie wieder ab. Also reiste er hinterher nach Kalifornien.Immer wieder musste er zurück, weil er keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung für die USA hatte. Als er für längere Zeit nach Deutschland kam, begann er eine Ausbildung als Erzieher. Er absolvierte ein Jahr lang das Vorpraktikum, bevor er die Fachschule für Sozialpädagogik ohne Abschluss verließ. Der 26-Jährige hatte Gelegenheitsjobs, war Model, arbeitete als Masseur, und in Kalifornien war er „Immobilienmakler“. Aber eigentlich fühle er sich zum Politiker berufen. Er hatte Filmangebote, erzählt er. Letztlich aber habe er die Rollen abgelehnt, weil er da zu viel hätte küssen müssen.Sieben Monate lang hat er in den USA mit seiner Ehefrau gelebt. Eine flüchtige Begegnung hatte er mit Audrey, einem Kindermädchen bei Cindy Crawford. In ihrem Schlafzimmer hatte sie ein Foto, auf dem deren siebenjährige Tochter abgebildet ist, wie sie gefesselt und geknebelt auf einem Stuhl sitzt. Das Foto sei bei einem „Räuber-und-Gendarm“-Spiel entstanden. Er nahm es mit. Später nahm er Kontakt zu dem Star auf, weil er sie „warnen“ wollte. Er traf sich mit Crawfords Ehemann Randy Gerber und zeigte ihm das Foto. Als er ihm den Abzug brachte, erhielt er 1000 Dollar. Das Geld habe er aber „nie gefordert“.Das war im Juli 2009. Im September brauchte ein neues Auto und bat Gerber, den er jetzt als einen Freund betrachtete, ihm 5000 Dollar zu leihen. Danach wurde K. verhaftet und im Oktober wegen Verstoßes gegen die Einwanderungsbestimmungen nach Deutschland abgeschoben. Schuld daran sei Gerber, sagte er. Deshalb wollte K., dass der ihm 100 000 Euro dafür überweise, dass er sich mit seiner amerikanischen Freundin ein neues Leben aufbauen könne. Das Geld bekam K. nicht. Statt dessen suchte ihn Polizei international. In der Türkei erfuhr er von der Fahndung. Er kehrte nach Deutschland zurück und stellte sich. Richter Joachim Spieth verurteilte ihn zu der Haftstrafe.

 

Artikel vom 10.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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